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Obernkirchen Stadt Stündlich läuten Meeresnixen die Totengelocke
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Stündlich läuten Meeresnixen die Totengelocke
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20:30 22.04.2012
 Auch eine erstklassige deutsche A-Cappella-Truppe lässt sich zuweilen begleiten: Der Kammerchor Hannover. Quelle: rnk
Obernkirchen

Die Bäume neigten sich ihm zu, wenn er spielte, und die wilden Tiere scharten sich friedlich um ihn, und selbst die Felsen weinten angesichts seines schönen Gesangs. Bei William Shakespeare wird Orpheus im Königsdrama „Heinrich VIII.“ erwähnt. Und wenn der Kammerchor Hannover in der Stiftskirche diese Passage singt, dann hört man es, dann wird Poesie zum großen kinotauglichen Bild: Die sturmerprobten Wogen neigen still ihr Haupt herab, kahle Gipfel steigen nieder, um ihm zu lauschen.

 Was ihn heute Abend erwarte, das wisse er auch nicht so genau, gestand Werner Hobein zu Beginn des Konzertes, mit dem die diesjährige „Treff im Stift“-Reihe beendet werden sollte. Nur soviel sei klar: Wer sich als Thema Großbritannien wählt, kommt an dem großen Barden nicht vorbei.

 Dabei schlägt der 2007 gegründete Kammerchor eine pfiffige Brücke und verbindet weltliche Vokalmusik aus dem 20. und 21. Jahrhundert mit den Texten von William Shakespeare.

 Funktioniert das, kann das klappen? Die Frage ist schon nach wenigen Minuten beantwortet, denn zwei Texte aus dem „Sturm“ und einen aus dem „Mittsommernachtstraum“ hat Ralph Vaughan Williams mit Noten unterlegt: In „Full Fathom Five“, dem ersten der Shakespeare-Songs, klingt es „Ding Dong“. Wir hören eine Totenglocke, die stündlich von den Meeresnixen geläutet wird; und es ist kein schwereloses Flirren, dieses Ding und Dong, dass der Chor anstimmt, nein, es ist tief, es kommt von ganz unten, vom Grunde des Meeres. Es ist schaurig-schön und emotional packend, wie der Kammerchor Hannover nicht nur diese drei Shakespeare-Songs interpretiert.

 Die Stärke des Vokalensembles, das mehrheitlich aus Musikstudierenden und jungen Musikhochschulabsolventen besteht, liegt in seinem herrlich homogenen, fast schon orchestralen Klang. Und Dirigent Stephan Doormann lässt es sich nicht nehmen, mit diesem musikalischen Pfund zu wuchern, wobei ihm die Kompositionen mit ihm mit ihren üppig bemessenen Klangflächen eine perfekte Gelegenheit geben, die er sich ungenutzt verstreichen lässt. Zwar ließ die leicht hallige Kirchenakustik in St. Marien keine besonders scharfe Konturenzeichnung zu; und auch das Mitverfolgen der Musik erwies sich als nicht ganz einfach, weil in Englisch gesungen wurde, während das Auge dann bei den deutschen Übersetzungen weilte, aber geschenkt: Das Konzert war in seiner schlichten Ungewöhnlichkeit eine Wucht. Mit dem Kammerchor Hannover ist die deutsche A-cappella-Landschaft um eine hochkarätige Attraktion reicher.