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Sturm im Wasserglas

Bierkonsum an Rintelner Straße Sturm im Wasserglas

Bei Facebook ist die Aufregung groß gewesen, bei der Polizei hat sie sich in Grenzen gehalten. Denn auf der Dienststelle ging nur ein Anruf ein: Ein Anwohner hatte eine Frage, und sie betraf die Menschen, die an der Rintelner Straße im Buswartehäuschen sitzen und dort ein Bierchen tranken.

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Rintelner Straße, die leere Bushaltstelle: Da bleibt auch mehr Platz für alle, die dort auf den nächsten Bus warten.

Quelle: rnk

Obernkirchen. „Muss das sein – und dürfen sie das überhaupt?“

Nein, das dürfen sie nicht, war sich die Polizei sicher. Denn erstens gibt es eine städtische Ordnung, die das Trinken von Alkohol in aller Öffentlichkeit verbietet, es sei denn, es handelt sich um eine große oder kleinere öffentliche Veranstaltung. Und dazu kommt die Bushaltestelle als solche: Wer dort nicht auf einen Bus wartet, hat dort auch nichts verloren.

Also ist eine Polizeistreife an der Rintelner Straße vorbeigefahren und hat die Insassen der Haltestelle erstens informiert und zweitens gebeten: Sie möchten ihren Müll aufsammeln und sich dann einen anderen Platz suchen. Und weil die Polizeidienststelle nicht rund um die Uhr besetzt ist, hat der Beamte bei seiner Rückkehr noch eine Rundmail an die Kollegen geschrieben: „Achtet mal darauf und fahrt des Öfteren vorbei, morgens, mittags, nachmittags und abends.“

Keine andere Anlaufstelle

Aus Sicht der Polizei ist das Problem schnell erklärt: Diese Menschen haben keine Räumlichkeiten, keine Anlaufstelle, wenn sie mal ihr Bierchen trinken möchten. Und ihr Bier mitnehmen und in den eigenen vier Wänden trinken, das geht nicht. Denn es handele sich bei den Menschen an der Bushaltestelle um Bewohner eines bestimmten Hauses in Krainhagen, so die Polizei: Dort finden „Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen und damit zusammenhängenden seelischen Behinderungen einen Ort des Ankommens, der Unterstützung und der Geborgenheit“, sie werden dort betreut und gefördert, wie es auf der Internetseite heißt. Und der nächste Markt, der den Bewohnern Bier verkauft, ist eben an der Annastraße. Von dort sind es nur ein paar Meter bis zur Bushaltestelle, und geschützt bei Wind und Wette sitzt man dort auch.

Aus Sicht der Polizei wird auf mehrere Punkte durchaus Wert gelegt: Es handelt sich nicht um Menschen mit einer Drogenkarriere, und wenn man mit ihnen spricht und ihnen einen Platzverweis erteilt, dann kommen sie dieser Aufforderung sofort nach. „Es gibt in keiner Form irgendwelche Schwierigkeiten“, formuliert es ein Beamter, und drittens und generell: „Wir habe das natürlich im Auge.“ Und das betreffe jeden Ort, an dem sich die bekannte Trinker-Klientel aufhält: sei es der Park, die Friedrich-Ebert-Straße oder andere Plätze im Innenstadtbereich.

Ordnungsamt ist informiert

Aus Sicht des Bürgermeisters wird das Thema angegangen: Das Ordnungsamt sei über die Situation informiert und habe unter anderem den Kontakt mit der Einrichtung in Krainhagen aufgenommen, teilt Oliver Schäfer mit: „Die Heimleitung wurde über die grundsätzliche Situation informiert.“ Für den Fall, dass Bewohner dieser Einrichtung mit für die Störungen verantwortlich seien, wurde ein Einwirken auf diese Personen verlangt, so Schäfer. Auf Deutsch: Redet mal mit ihnen. Die Stadt, so Schäfer weiter, stehe bezüglich dieses Thema „ebenfalls in Kontakt mit der hiesigen Polizei.“

Natürlich hat auch Schäfer die Reaktionen bei Facebook mitbekommen. Es gibt ja gleich mehrere Seiten im sozialen Netzwerk, die sich mit der Bergstadt befassen. Das liest sich mal sachlich: „Heute Morgen an der Bushaltestelle oben Rintelner Straße. Kleine Kinder stehen da und warten auf den Bus, und im Häuschen sitzen die Trinker. Ich finde das unmöglich.“ Oder so: „Oft heißt es dann „Naja, irgendwo müssen sie ja hin? Nein, denn fast alle haben ein Zuhause bzw. eine Bleibe. Sie müssen keinesfalls auf der Straße rumlungern.“ Und resignative Töne gibt es auch zu lesen: „Eben war die Polizei da, und sie mussten alle gehen. Hält bis morgen früh.“

Gespräche mit Bewohnern

Schäfer hat allerdings auch eine Frage an die Facebook-Schreiber. Wenn das alle dermaßen stört: Warum ruft dann niemand das Ordnungsamt an? Oder die Polizei in Obernkirchen? Dafür sind beide, unter anderem, ja da.

Jürgen Wüst, Leiter der Krainhäger Einrichtung, bestätigt, dass mit den Bewohnern gesprochen worden sei. Zudem habe man auch den Heimbeirat ins Benehmen gesetzt, aber, so Wüst: „Wir sind kein geschlossenes Heim.“ Wenn die Bewohner das Haus verlassen wollen, dürfen sie das, und dann sind die Einflussmöglichkeiten geringer. Wüst weist auf einen anderen Aspekt hin: Bei den Menschen in der Bushaltestelle könne es sich ja auch um Bewohner der städtischen Obdachlosenunterkunft handeln.

Das Bündel der Maßnahmen scheint geholfen zu haben. Der Sturm im Wasserglas ist beendet: Die Bushaltestelle ist jetzt wieder leer. Und auf Facebook ist Ruhe. rnk

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