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Obernkirchen Stadt Tagespflege bedeutet: Länger zu Hause leben
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Tagespflege bedeutet: Länger zu Hause leben
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20:11 30.08.2011
Erst gibt es Kaffee und Kuchen, dann folgt ein bisschen Gymnastik im Sitzen: Die Tagespflege gibt es im ehemaligen Café Sonnengarten seit zwei Jahren. Quelle: wk

Obernkirchen (rnk). Für Ramona Busche als Leiterin der Tagespflege ist es eine geringe Summe im Vergleich zu dem, was vor allem die Angehörigen erhalten: Eine Entlastung im Alltag, oftmals eine Verschnaufpause von einem Tag, in der sie zum Arzt gehen, in Ruhe einkaufen können oder einfach mal kurz die berühmte Seele baumeln lassen können. Denn Tagespflege ist eine Einrichtung, in der pflegende Angehörige Familienmitglieder tagsüber betreuen lassen. Tagespflege-Einrichtungen sind vergleichbar mit Kindertagesstätten, in die Eltern ihre Kinder bringen, um ihrer Arbeit nachgehen zu können.

Wer in der Tagespflege betreut wird, kann noch allein, mithilfe von ambulanter Pflege oder der Familie im eigenen Zuhause leben, benötigt im Alltag aber Unterstützung. Ein Ziel der Tagespflege ist, diese relative Selbstständigkeit der Senioren zu sichern oder nach Krankheiten zu erneuern. „Die Tagespflege“, so formuliert es Ramona Busche, „schiebt den stationären Aufenthalt nach hinten.“ Das bedeutet: Wer in der Tagespflege betreut wird, kann länger zu Hause leben.

Für den Staat ist die Tagespflege ein wichtiges Instrument geworden, trägt sie doch – wie auch die ambulante Pflege – dazu bei, teure Heimunterbringungen hinauszuzögern oder sogar zu vermeiden.

In einem Punkt ist sich Leiterin Busche mit den Experten einig: Die Bedeutung der Tagespflege wird weiter steigen, alle Zahlen belegen dies. 2009 sind in Deutschland 31 000 Frauen und Männer in der Tagespflege betreut worden. Das ist eine Steigerung von einem Drittel gegenüber 2007. Der Bedarf ist enorm: 2,3 Millionen Menschen in Deutschland gelten als pflegebedürftig, zwei Drittel wird von Angehörigen zu Hause betreut – und die sind oftmals überfordert.

Die demografische Entwicklung wird die Notwendigkeit erhöhen, pflegenden Angehörigen mit derartigen Angeboten unter die Arme zu greifen und gleichzeitig die Pflegekasse zu entlasten. Die Zahl der Älteren und Alten wächst in den kommenden Jahrzehnten dramatisch.

Auch im Landkreis Schaumburg: Bis 2025 steigt die Zahl der 55- bis 60-Jährigen um 31,5, die der 60- bis 65-Jährigen um 55,5 und die der Über-65-Jährigen um 15,5 Prozent. Das bedeutet auch: Es wird in der Pflege immer wichtiger, sich mit dem Thema Demenz auseinanderzusetzen.

In Obernkirchen hat die Tagespflege einen großen Vorteil gegenüber den Mitbewerbern: Sie hat ihr Zuhause in einem wunderschön restaurierten Fachwerkhaus mit kleinem Garten und einer gemütlichen Sonnenterrasse.

In der Tagespflege Sonnenhof kümmern sich Altenpfleger, Helfer, Fahrer und Hausmeister seit dem Frühjahr 2009 von montags bis freitags jeweils von 8.30 bis 16.30 Uhr um rund 30 betreute Personen: Es sind etwa 30, maximal werden 15 Menschen pro Tag betreut. Ihr Alter liegt zwischen 50 bis 99 Jahre – manche kommen jeden Tag, manche alle zwei Wochen. Sie stammen unter anderem aus Obernkirchen, Bückeburg, Helpsen, Meerbeck, Stadthagen, Rodenberg und dem Auetal.

Der Tagesablauf beginnt um 8.30 Uhr mit der Ankunft und einem gemeinsamem Frühstück. Ab 10 Uhr heißt es: Spielen, singen, kochen, backen, malen, Gedächtnis-Training oder Gymnastik. Um 12 Uhr ist Mittagessen, um 14.30 Uhr wird zu Kaffee und Kuchen geladen.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) legt im September Eckpunkte für die Reform der Pflegeversicherung vor. Im „Bild“-Interview wird er so zitiert: „Jeder möchte so lange wie möglich zu Hause bleiben – wir brauchen mehr ambulante Pflege statt teurer Heimpflege.“ Soll auch heißen: Die Tagespflege ist ein Angebot, das dieses Ziel stützt.