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Tagsüber werden die Feuerwehrleute knapp

Obernkirchen / Feuerwehr Tagsüber werden die Feuerwehrleute knapp

Stellen Sie sich vor, Ihr Haus steht in Flammen, aber niemand kommt, um den Brand zu löschen, weil in der ganzen Stadt kein Feuerwehrmann mehr aufzutreiben ist. Ein furchtbarer Gedanke, nicht wahr? Bislang ist so ein Szenario zwar reine Utopie, die Verfügbarkeit ihrer Einsatzkräfte unter der Woche bereitet der Stadtfeuerwehr Obernkirchen jedoch bereits seit Jahren zunehmend Sorgen.

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Wenn es brennt, ist Eile geboten. Damit stets genügend Löschkräfte am Ort des Geschehens eintreffen, werden im Brandfall mehrere Feuerwehren gleichzeitig alarmiert. © wk

Obernkirchen (wk). An Werktagen gibt es in der Zeit von 7 Uhr bis 17 Uhr durchaus personelle Engpässe, bestätigt Stadtbrandmeister Rolf Schaper auf Nachfrage. Ursächlich hierfür sieht er den im Stadtgebiet zu verzeichnenden Verlust an Arbeitsplätzen, der sich in dieser Form besonders in den vergangenen rund zehn Jahren bemerkbar macht.

Denn dadurch sind viele aktive Mitglieder mittlerweile zu weit außerhalb von Obernkirchen entfernt beruflich tätig, als dass sie bei einer Alarmierung mal schnell von der Arbeit hierher eilen können. Und auch die Radien, in denen die Mitarbeiter der noch in der Stadt verbliebenen Handwerksbetriebe im Rahmen ihrer Berufsausübung unterwegs sind, haben sich vergrößert. Im Klartext: Wenn etwa ein Elektriker bei einem Kunden in Minden oder gar Hannover Kabel verlegt, ist das bereits viel zu weit weg, um bei einer Alarmierung schnell in Obernkirchen zu sein, sodass sich das Losfahren verständlicherweise gar nicht erst lohnt. Und selbst eine Distanz wie die von Stadthagen nach Obernkirchen ist schon grenzwertig.

Reichte es bei Wohnhausbränden früher noch aus, allein die Stadtfeuerwehr Obernkirchen zu alarmieren, werden mittlerweile auch die ebenfalls zur Stützpunktfeuerwehr umfunktionierte freiwillige Feuerwehr in Gelldorf und die drei Ortsfeuerwehren Vehlen, Röhrkasten und Krainhagen hinzugezogen, erklärt Schaper. Bei Großbränden würde man heute wie damals zudem zusätzliche Unterstützung seitens der Stadtfeuerwehr Bückeburg und gegebenenfalls weiterer Feuerwehren anfordern.

„Die Einsatzfähigkeit ist schon gegeben“, betont der Stadtbrandmeister, räumt aber ein, dass sich nicht prognostizieren lasse, wie es in zehn Jahren aussieht: „So wie es früher war, könne man aber nicht mehr planen.“ Ein Pluspunkt Obernkirchens sei allerdings, dass es derzeit - neben den drei Ortsfeuerwehren - in der Stadt selbst auch noch die „anständige Werksfeuerwehr“ des Glasherstellers Ardag gebe, die im Bedarfsfall ebenfalls mit ausrücken könnte. Zudem seien vier Aktive der Stadtfeuerwehr Obernkirchen beim städtischen Bauhof beschäftigt, die bei einer Alarmierung zu den Ersten gehören würden, die ausrücken.

„Das ist nicht nur ein Problem in der Stadt Obernkirchen, das gibt es überall im Landkreis Schaumburg“, kommentiert Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote die Personalknappheit. Abgefedert werden derlei Engpässe aber eben durch die gleichzeitige Alarmierung mehrerer Feuerwehren, die zu sogenannten Zügen zusammengefasst werden. Insofern stuft er die Situation auch für die Zukunft als „nicht so negativ“ ein.

Was eher langfristig Probleme machen könnte, sind indes die bei größeren Firmen in Stadthagen und Bückeburg immer wieder mal auftretenden Fehlalarme, die ebenfalls zum Anrücken der Feuerwehren führen. Wenn Arbeitgeber deswegen mehrfach Mitarbeiter freistellen müssen, damit diese ihrer ehrenamtlichen Aufgabe bei der Feuerwehr nachgehen können, letztlich aber wieder mal nur ein Fehlalarm der Grund gewesen ist, müsse man sich nicht wundern, wenn der Chef seinem Mitarbeiter irgendwann die unmissverständliche Frage stellt: „Wo bist Du eigentlich beschäftigt, bei mir oder bei der Feuerwehr?“

Und dann würde es auch nichts nützen, dass die Verpflichtung zur Freistellung an sich im Brandschutzgesetz klar geregelt ist.

Bislang, so Grote, habe man damit aber keine Sorgen. Ganz im Gegenteil: Insgesamt seien die Arbeitgeber den Feuerwehr-Aktivitäten ihrer Mitarbeiter gegenüber „sehr positiv“ eingestellt.

Einige Unternehmen würden sogar so großzügig verfahren, dass sie auf die ihnen gesetzlich zustehenden Lohnentschädigungen seitens des Landkreises Schaumburg oder anderer Träger der zum Einsatz ausgerückten Feuerwehren verzichten.

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