Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Obernkirchen Stadt Tasche sucht Frau
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Tasche sucht Frau
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 08.11.2013
„Tasche sucht Frau“: Tobias Schramme und Marion Hobein zeigen Exemplare aus Filz, welche die Bewohnerinnen gefertigt haben. Quelle: tw
Anzeige
Obernkirchen

„Die Bewohnerinnen und Bewohner haben Taschen aus Filz hergestellt, wie sie derzeit trendy sind“, sagt die Organisatorin. Dabei ist jedes Stück natürlich ein Unikat. Das Ganze steht unter dem Motto „Tasche sucht Frau“ und ist eine „Sonnenhof“-Premiere.

 Hobein, seit Mitte der neunziger Jahre mit dem Ausrichten des Basars betraut: „Dazu gesellen sich unsere Klassiker: handgestrickte Socken, handgestrickte Schals und handgestrickte Mützen.“ Von den Socken sind gleich Hunderte von Paaren zu haben; Besucher finden sie nach Größen und Farben sortiert vor. „Bei den Mützen“, so die Organisatorin, „haben wir darauf geachtet, dass sie teilweise Bommeln haben und den aktuellen Farbtrends entsprechen.“ Allen Strickwaren gemein ist, dass die Bewohner nur ausgesuchte Garne verwendet haben; Billiges kommt ihnen nicht unter die Nadel.

Für den Gaumen gibt’s von den Senioren selbst gemachte Marmeladen zu kaufen. „Sogar unsere älteste Bewohnerin, die soeben 100 geworden ist, hat noch mitgepflückt“, weiß Tobias Schramme. Der Einrichtungsleiter meint Else Kaufeld, die noch 2013 aus dem Rollstuhl heraus Johannisbeeren geerntet hat. Else Kaufeld war lange im Kneippverein der Bergstadt aktiv, läuft auch mit 100 noch kurze Wege selbst und legt Patiencen; im Sonnenhof, wo sie am Montag im Kreise ihrer Familie feierte, ist sie bereits seit 1999.

 Abgerundet wird das Angebot durch selbst gestaltete Karten, Windlichter aus Wachs, Seidentücher und beleuchtete Kugeln. Die Tagespflege des „Sonnenhofs“ bringt sich mit Acrylbildern und Bastelarbeiten ein. „Das Wichtigste ist den Bewohnerinnen und Bewohnern aber nicht das Geld, das durch den Verkauf all dieser Dinge in die Kasse kommt, sondern die Wertschätzung, die sie von den Besuchern erfahren“, betont die Basarorganisatorin. In früheren Jahren wurde das Gros der Strick- und Bastelarbeiten noch von den alten Menschen selbst gefertigt. Jetzt sind es noch etwa zehn, denen diese Arbeiten vergleichsweise leicht von der Hand gehen. Dafür bringen sich beim Basar nun etwa 15 bis 20 der insgesamt 50 Ehrenamtlichen des Sonnenhofs ein.

 Stichwort Rahmenprogramm: Das Ehepaar Rosemarie und Wolfgang Claus ist eingeladen worden, seine Laubsägearbeiten an einem eigenen Stand zu präsentieren; an einem Weiteren werden Wohlfahrtsbriefmarken und -karten angeboten. Eine Bücherfundgrube lockt ebenso wie ein „Antikmarkt“, der sich aus dem Inventar von Wohnungsauflösungen speist.

 Wer beim Rundgang im wahren Sinn des Wortes „auf den Geschmack gekommen“ ist, auf den warten in der Cafeteria des Seniorenzentrums von Ehrenamtlichen gebackene und gespendete Kuchen und Torten sowie Punsch und Waffeln mit heißen Kirschen.

Doch wenn auch das Angebot des Basars variiert – was gleich bleibt, ist der gute Zweck, dem der Verkauf dient. „Der Kompletterlös kommt auch im 35. Jahr den Bewohnerinnen und Bewohnern zugute“, sagt Schramme. Gekauft oder finanziert wird von den Einnahmen, was der Etat sonst nicht so ohne Weiteres hergibt. In der Vergangenheit waren das zum Beispiel die Teichanlage, ein Großfernseher für den Aufenthaltsraum oder – leichte – Gartenstühle, welche die damaligen Bänke inzwischen ersetzt haben; die nämlich hatten sich wegen der Sitzhaltung für die Gespräche der alten Menschen untereinander als ungeeignet erwiesen.

 Und was soll mit den 3000 bis 4000 Euro geschehen, die Hobein auch beim Basar am Sonnabend erwartet? „Ich denke, wir werden etwa zehn bis zwölf Stühle und einen Tisch für die Außenanlage des Wohnbereichs Mitte beschaffen“, überlegt die Basar-Organisatorin. tw

Anzeige