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Obernkirchen Stadt Tirol als Sehnsuchtsort
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20:15 29.04.2018
Johannes Kostenzer
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„Die Tiroler Alpen sind ein Sehnsuchtsort auch für viele Deutsche, eine Winterwunderlandschaft, wo man wieder Kinderaugen bekommt“, erklärt Magister Johannes Kostenzer. Zahlen belegen dies: 40 Millionen Übernachtungen verzeichnet Tirol im Jahr. Das sind mehr als in ganz Griechenland, und das hat seinen Grund im Wintersport. 122 Skigebiete gibt es allein in diesem Bundesland.

Die Olympischen Winterspiele 1964 und 1976 haben den Ruf Tirols in die Welt getragen. Auf der anderen Seite seien Bauernfamilien in einst abgelegen Täler, die sich täglich fragen mussten, wie sie ihren Hunger stillen konnten, über den Wintersport wohlhabend geworden, erklärte Kostenzer im Rahmen der Vortragsreihe „Treff im Stift“.

Kostenzer berichtete in seinem Vortrag über den Spagat zwischen Natur und Wirtschaft. Opfer der touristischen Entwicklung sei oft eine Natur in einer Nische, „die es sonst so in Europa nicht gibt“, erklärte Kostenzer, der allerdings beruflich an einer Schnittstelle steht, an der er Einfluss ausüben kann.

Er ist Chef der Tiroler Umweltanwaltschaft mit acht Mitarbeitern. Diese sei keine Behörde und kein Amt, sondern eine mit staatlichen Mitteln finanzierte Partei in allen Fragen des Umweltschutzes. „Wir haben Rechtsinstrumente, die uns Gewicht verleihen.“

Schwimmbecken auf 2050 Meter Höhe

Schneller, höher, weiter – das sei in den Tiroler Alpen Realität: Mehr Lifte, damit die Gäste nicht mehr 30 Minuten anstehen müssten, höher liegende Skigebiete und Zusammenschlüsse, die mehr Kapazitäten schaffen würden. Für den immer stärker in die Höhe vordringenden Tourismus nannte Konstenzer ein Beispiel: Das Mooshaus in den Stubaier Alpen hat auf seinem Hoteldach ein Schwimmbecken gebaut, auf 2050 Meter Höhe.

„Blöderweise sind die Berge nicht so gebaut worden, dass sie als Skigebiet taugen.“ Der Mensch lässt Bagger auffahren, die dem Skigebiet auf die Sprünge helfen. Seit einiger Zeit hätten alle Angebote aber ein Problem: den Klimawandel.

Die seltene Nischenvegetation verschiebe sich nach oben, von unten würden Allerweltsarten nachdrängen. „Vielfach fehlt der Respekt vor dem, was Umwelt ist.“ Schnee sei ein wertvolles Gut. Jeder Quadratmeter Kunstschnee koste viel Geld, Landschaften würden geändert, damit Pistenraupen fahren könnten. Und wo der Schnee höher liege als 30 oder 50 Zentimeter, da werde er abgeschabt und woanders hingebracht, damit dort Ski gefahren werfen könne.

Positive Entwicklungen gebe es auch: Er führte ein Beispiel an, bei dem mit einem Bagger die Vegetation abgezogen und zur Seite gelegt und nach der Geländekorrektur wieder oben aufgepackt wurde. „Zu 70 Prozent wächst sie wieder an.“ Pflanze man dagegen neu, müsse man Geduld haben, bis sich die eine oder andere Art natürlich entwickele. „Um die 100 Jahre braucht es zuweilen.“ rnk