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Obernkirchen Stadt Tüftler setzt Bahnhof unentgetlich instand
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Tüftler setzt Bahnhof unentgetlich instand
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20:00 28.08.2018
Peter Grote in seinem Element: Der Tüftler bringt seinen Nachbau einer historischen Bahnlampe am Bahnhof an. Quelle: leo
Obernkirchen

Er kämpft, wie er selbst sagt, gegen den Verfall des historischen Bahnhofsgebäudes und „bringt es gleichzeitig auf den neuesten Stand“ – und das ehrenamtlich.

Das Gebäude aus dem Jahr 1900 gehört der Bückebergbahn. Grote, der Mitglied im Förderverein Eisenbahn Rinteln-Stadthagen ist, stört es, wenn irgendetwas im Bahnhof kaputt ist oder wackelt. „Ich bin hier praktisch Mädchen für alles“, sagt er lachend. Gerade erst hat er eine alte Bahnlampe auf dem Bahnsteig originalgetreu nachgebaut. Die Lampe hatte er auf alten Fotos entdeckt. Anhand der Länge der Backsteine, an der die Lampe angebracht war, errechnete der Klempner die exakten Maße. „Die Materialien zu bekommen, war schwierig. Ich musste lange suchen, bis ich passende Teile gefunden hatte“, erzählt Grote. Mit viel Liebe zum Detail bog er Kupferrohre zurecht und schweißte schließlich Halterung und Lampenschirm zusammen.

Wohnung eingebaut

Sein neuestes Projekt ist die Bahnhofsuhr auf dem Bahnsteig. Die gehe nämlich nicht, erklärt Grote. Die Mutteruhr im Bahnhofsgebäude, die die Uhr draußen steuert, sendet keine Signale. Grote ist bereits daran, das technische Problem zu beheben. Doch es sind nicht nur die Feinheiten, um die er sich kümmert. Die gesamte erste Etage hat der Handwerker aus- und umgebaut. Neue Wasser- und Heizungsleitungen mussten verlegt und Heizkörper angebracht werden. Grote hat auf der Etage im Bahnhof eine Fünf-Zimmer-Wohnung gebaut.

Ein Mieter wohnt schon in dem Objekt. Der zahlt Miete an den Verein – „das ist gut und hilft dem Verein“, sagt der 53-Jährige und freut sich. „Aber es gibt noch sehr viel zu tun“, erzählt Grote. Schließlich sei der Dachboden noch nicht ausgebaut, und die Beleuchtung im Treppenhaus würde nicht stimmen. Aus dem Spitzboden will er ebenfalls eine Miet-Wohnung machen. Einfach Handwerker dafür kommen zu lassen, das ist ihm zu einfach. Er will es in Eigenregie machen. Nur einmal habe er die Hilfe eines Kollegen benötigt. „Die Duschabtrennung konnte ich nicht ohne fremde Hilfe aufstellen“, sagt er.

Neun Jahre im Bahnhof gewohnt

Grote brennt für die Sache – das merkt man schnell. Zu jedem Raum und jedem Gegenstand im Bahnhof kann er eine Geschichte erzählen. Er selbst hat neun Jahre lang als Kind mit seinen Eltern in dem Bahnhof gewohnt – daher wahrscheinlich die Verbundenheit. Warum er die Arbeit auf sich nehme, würde er selbst nicht wissen, sagt er. „Eigentlich mache ich viel zu viel.“

Wenn er nicht gerade im Bahnhof am Werkeln ist, dann engagiert er sich für die Bückebergbahn auf andere Weise in seiner Freizeit. „Bei Holzverladungen am Bahnhof bin ich der Erste, der die Weichen aufschließt.“ Regelmäßig läuft er auch die Strecke von Stadthagen über Obernkirchen bis nach Rinteln zu Fuß ab. Dann ist er auf der Suche nach Schäden. Kleine Reparaturen am Gleis übernimmt er selbst. Größere Schäden notiert er sich. „Wenn ich mit der Bahn fahre, dann höre ich die Stellen, an denen eine Schraube an der Schiene locker sitzt – das stört mich ganz einfach.“ Demnächst wird er die Strecke wieder abgehen. Bis dahin versucht er jedoch erst einmal, die Uhr wieder in Gang zu setzen. leo