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"Und morgens kam der Trichinenbeschauer"

Joachim Grosse liest aus seinem Buch "Und morgens kam der Trichinenbeschauer"

Morgens um vier hieß es aufstehen. Dann kam der Schlachter, und der Junge wurde zum Nachbar geschickt, um die Sülzenpresse zu holen, denn ohne sie würde es ja keine Sülze geben.

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 Reich wird man vom Bücherschreiben nicht, sagt Joachim Grosse.

Quelle: rnk

Obernkirchen. Doch die mitten in der Nacht herausgeklingelte Nachbarin war wenig erfreut: Natürlich gab es keine Sülzenpresse, der Junge war vom Schlachter auf den Arm genommen worden.

Es sind typische Szenen aus einer Kindheit in einer kleinen Stadt, die Joachim Grosse im Rehrener Seniorenheim Schäferhof liest. „Wieder ein Fresser mehr“ heißt sein Buch. Es ist sein Erstling, und ob es noch eine Fortsetzung geben wird, das weiß der 73-jährige Autor nicht. „Mal sehen, denn schreiben, das ist halt viel Arbeit.“ Ein halbes Jahr habe er an diesem Buch gesessen, jeden Tag vier Stunden. Heute sehe man ihn eher im Baumarkt, sagt er, denn er habe in Obernkirchen eine Immobilie miterworben – „und die muss ein bisschen saniert werden“.

Grosses Geschichten sind Fenster, durch die man in eine längst vergangene Zeit zurückblicken kann: als nach dem morgendlichen Schlachten der Trichinenbeschauer kam und örtliche Kegelklubs pro Stunde eine Mark zahlten, damit der Bengel die Kegel wieder aufstellte – und wenn ein König geworfen wurde, gab es einen Groschen extra. Selbstverständlich durfte er das Geld nicht behalten, so Grosse: „Das hat die Mutter genommen, damit wurde Kleidung gekauft.“ Fünf Kinder daheim, ein sechstes ist gestorben, daher ist es auch auf dem Titelbild durchgestrichen. Der Vater hat im Büro eines Stahlwerks gearbeitet, die Mutter war zuvor Hauswirtschaftsleiterin beim Reichsbahnpräsidenten. „Natürlich waren wir im Vergleich gut situiert“, sagt Grosse.

Leben kann man vom Verkauf der Bücher nicht, meint er: „Das können nur die großen Namen auf dem Literaturmarkt.“ Aber bis 1990 gehörte dem Nordsehler eine Firma, finanzielle Last im Alter hat er also nicht.

Das Buch endet, als sein jugendlicher Held Willi 18 ist. Und weil Grosse nur über das schreibt, was er kennt, käme jetzt in einer Fortsetzung die Zeit bei der Bundeswehr. Grosse denkt nicht so gern an die Zeit beim Militär zurück: Panzergrenadier und als Vorgesetzte die alten Nazis – „keine so schöne Zeit“.

Einen Wunsch hat er mit Blick auf sein Buch noch: eine Vorstellung im Leseforum des Deutschlandfunks – „und dann natürlich die Verfilmung“. Ein paar Sekunden Pause, dann folgt ein langes Lachen. Von Frank Westermann

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