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Ungewöhnlich, bunt und mobil

Kirchenmobil in Obernkirchen Ungewöhnlich, bunt und mobil

Man werde dieses Kirchenmobil überall antreffen können, auf dem Rastplatz an der Autobahn ebenso wie auf dem höchsten Punkt des Kirchenkreises oder bei McDonald‘s, wo dann zur Andacht geladen werde, erklärt Julia Schönbeck bei der Einweihung des Kirchenmobils St. Marys vor der Stiftskirche.

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Außen blaue Farbe, innen blaues Licht: Das Kirchenmobil St. Marys ist eingeweiht worden.

OBERNKIRCHEN. Das neue Kirchenmobil soll nicht einfach den kirchlichen Bauwagen ersetzen, der lange Zeit auf dem Kirchplatz gestanden hat, sondern ein neues Konzept verkörpern. Denn, so haben es die Jugendlichen formuliert: „Wir wollen Kirche sein außerhalb der dicken Mauern unserer Stiftskirche. Wir wollen präsent sein. Wir wollen zeigen, dass Kirche offen ist und was sie bedeutet. Wir wollen gemeinsam nach neuen Formen von Kirche und Gemeinschaft suchen. Wir wollen Nachfolge leben. Offen. Laut. Bunt.“

 Obernkirchens Pastorin Nora Haarmann befand bei der Einweihung, dass die Jugendlichen mit dem Mobil die Kirche „öffnen“, eine Kirche, die gegen rechts und füreinander da sei.

 Michael Behrndt sah es als Vorstandsvorsitzender des Kirchenkreistages ähnlich: Die Grenzen der Gemeinde würden mit dem Kirchenmobil überschritten. Man bewege sich aus dem gewohnten Rahmen hinaus. Das Projekt sei intern viel diskutiert worden und trotzdem sei noch die eine oder andere Frage offen. Die Grundidee jedoch sei so gut, dass es etwas Großes werde, war sich Behrndt sicher.

 Was den alten Bauwagen mit dem neuen Kirchenmobil eint: Beide sind und waren Orte, die einladen, Kirche zu sein. Eine Kirche, die von ihren verrückten Ideen und ungewöhnlichen Träumen lebt.

 Im September 2015 hat sich die Kirchengemeinde beim „Fond missionarische Chancen“ der Landeskirche Hannovers beworben. Unterstützt werden Initiativen, die mit neuen Formen und Ideen neue Zielgruppen erreichen wollen. Und die Jugendlichen der Gemeinde, sie wollen so ein Projekt sein.

 Die Idee, die Arbeit mit dem Bauwagen auszuweiten und mit ihm nun auch unterwegs zu sein, ist im letzten Jahr entstanden. Elke und Ralf Schönbeck, beide Jugendleiter und Ehrenamtliche der Gemeinde, nahmen am „Fresh X“-Kurs von „Kirche²“ teil.

 Die Arbeit mit dem Bauwagen gibt es jetzt schon seit einigen Jahren. „Jetzt von ,Fresh Expressions‘ und ihren Grundsätzen zu hören, hat uns gezeigt, dass unser Bauwagen mehr sein kann, mehr ist, als wir vielleicht immer dachten. Dass er wirklich Kirche ist“, heißt es auf der Internet-Seite der Kirchengemeinde. Dieser neue Blickwinkel mache die Kirchengemeinde stolz auf das, was bisher geschehen konnte und lasse sie gleichzeitig den nächsten Schritt wagen. „Wir wollen mobil sein, mit unserem Bauwagen, unserer Kirche auf dem Weg.“

 Das neue Kirchenmobil soll im Gegensatz zum alten Bauwagen vor allem eines: unterwegs sein, schreibt Schönbeck dort: „Andere Gemeinden besuchen. Feste. Den Kirchentag. Aktionen im Steinbruch oder auf der Weserfähre. Auf der Autobahnraststätte oder im Kreuzgang des Klosters. Wir wollen Kirche an neuen Orten sein. Ungewöhnlich. Aber auf jeden Fall authentisch und aus ganzem Herzen. Wir wissen nicht genau, was auf uns zukommt oder was wir alles tun werden. Wir wollen uns nicht übernehmen. Wir wollen das tun, was wir können, und wir hoffen und wünschen uns, dass wir damit Menschen erreichen können.“

 Und wie beim alten Bauwagen, so wird es wohl auch mit dem Kirchenmobil sein: Immer wieder wird man den Jugendlichen die Frage stellen, was denn daran Kirche sei. Auch dazu gibt es auf den Internet-Seiten Antworten: „Wie wir feststellen durften, fällt es kirchenfernen Menschen oft viel leichter, diesen Wagen als Kirche zu denken. Wegen uns gehen sie sonntags nicht plötzlich in den Gottesdienst oder lassen ihre Kinder taufen. Wir sind froh, wenn wir in vielen kleinen Momenten zeigen können, wie Kirche sein kann. Dass sie offen ist für neue Leute und verrückte Ideen. Und wenn es ein paar Menschen gibt, denen wir dieses Gefühl vermitteln konnten, dann sind wir stolz darauf.“ Dann habe sich der Wagen bereits jetzt gelohnt.

 Damit solle die Gemeinde aber nicht überholt oder in irgendeiner Weise ersetzt werden. Das „Kirchenmobil sei als Ergänzung und Bereicherung gedacht. Dadurch möchte die Gemeinde diejenigen erreichen, die normale Gottesdienste nie erreichen könnten. „Das, was wirklich zählt, sind nicht die Gebäude, ist nicht die Form, sondern die Menschen, die Gemeinschaft und ein Gefühl von Heimat und Zusammengehörigkeit. Wir wollen ein Ort zum Wohlfühlen sein. Wir wollen nichts aufzwängen, sondern Raum bieten“, ist auf der Internetseite weiter zu lesen.

 Sandra Bils, Pastorin der Landeskirche Hannover, drückte es in ihrer Rede auf dem Kirchplatz so aus: Dort stehe das Alte und das Neue – und gemeinsam werde man Kirche neu buchstabieren.

 Wenn das Kirchenmobil nicht unterwegs ist, wird es auf dem Kirchplatz stehen, so wie der „große Bruder“ vorher auch, der verschenkt wurde. wk

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