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Ungewöhnliche Paarung

„Internationalen Konzerte im Stift Obernkirchen“ Ungewöhnliche Paarung

Mit zwei solistisch selten zu hörenden Instrumenten haben sich die „Internationalen Konzerte im Stift Obernkirchen“ für dieses Jahr verabschiedet. Marco Cola (Horn) und Nico Benadie (Klavier) brachten Werke von Richard Strauss und Joseph Rheinberger, aber auch von Zeitgenossen wie Francis Poulenc, Volker David Kirchner und Jean Francaix zu Gehör.

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„Internationale Konzerte im Stift“: Nico Benadie (links) und Marco Cola setzen einen spritzigen Schlussakkord.

Quelle: mig

OBERNKIRCHEN. Um es gleich am Anfang zu sagen: Es war ein ganz und gar ungewöhnliches Konzert, das da in den Räumen des Stiftes über die Bühne ging. Ungewöhnlich zum einen, weil die Paarung – Hornist und Pianist – nur selten in Deutschlands (Kammermusik-)Sälen zu hören ist. Und ungewöhnlich zum anderen, weil das Programm gleich drei Werke von Zeitgenossen enthielt, Werke also, die sonst eher ein Schattendasein fristen. Dass Komponisten wie Kirchner oder Francaix viel zu selten gespielt werden, liegt vor allem daran, dass sie lieb gewonnene Hörgewohnheiten durchbrechen und zur Reflexion herausfordern. All das wissen die Veranstalter natürlich, weshalb es meist bei der x-ten Aufführung eines klassischen Werkes bleibt. Wer da andere Wege gehen will, braucht viel Mut und ein neugieriges, verständnisvolles Publikum.

Keine Spur von Abwehr und Irritation

Was herauskommen kann, wenn jemand diesen Mut mitbringt, hat sich beim jüngsten „Internationalen Konzert“ gezeigt. Keine Spur von Abwehr oder Irritation, wie eine kurze Umfrage in der Pause zeigte. Die Zuhörer waren begeistert und des Lobes voll. Eigentlich erstaunlich, denn zu dem Zeitpunkt hatten Cola und Benadie das vielleicht sperrigste Stück des Programms vorgetragen: Kirchners „Tre poemi“, von Benadie als Musik des „Fremdsein und vom Scheitern des Künstlers“ angekündigt. Diese Motive spiegelten sich in den Experimenten, die an der (offenen) Flanke des Flügels stattfanden und die ganz außergewöhnliche Klangerfahrungen erlaubten. Cola, der sein Schallstück so, dass sich der Klang auf den Flügel überträgt. Oder Benadie, der aufspringt und in die Saiten des Flügels greift („zrrring“). Ein Experiment an der Grenze von Klang und Geräusch.

Spannend auf eine andere Weise ist die „Sonate für Horn und Klavier in Es-Dur“, op. 178 von Rheinberger. Das hochromantische Stück, das mit furiosen Fanfarenstößen beginnt, hat Hornisten viel zu bieten. Der ständige Wechsel der Klangfarben, die vielen Schattierungen – all das wird hier in drei Sätzen vor dem Zuhörer ausgebreitet.

Vielseitig in der Klanggebung

Was so ganz deutlich wird: wie vielseitig das Horn in seiner Klanggebung ist. Mal typisch weich und dunkel, dann wieder hell und fein. Im Piano lieblich und charmant, im Forte erhaben und fast schon brutal. Kein Wunder, denn das Horn gilt als eines der am schwierigsten zu spielenden Instrumente. Da die Klänge allein durch die Spannung der Lippen erzeugt werden, haben selbst Könner Mühe, jeden hohen Ton genau zu treffen. An dieser Stelle trennt sich die Spreu vom Weizen, zeigt sich die wahre Meisterschaft.

Nach der Pause folgen Werke von Strauss („Andante“), Poulenc („Elegie“) und Francaix („Divertimento“). Wunderschön: Das „Andante“ von Strauss, das Cola mit schlackenlosem Ton und flexibler Artikulation vorträgt. Wer beim Horn an rustikale Jagdsignale denkt, wird hier eines besseren belehrt. Colas bewegliche und farbenreiche Interpretation rührt zu Tränen! Ähnlich gut gelingt Poulencs „Elegie“, die so gar nicht zu seinen gefälligen Chorwerken zu passen scheint.

Wuchtig und modern kommt die „Elegie“ daher – der Unfalltod seines Freundes, des Hornisten Dennis Brain, hat ihm ganz offensichtlich die Feder geführt. Das Werk schwankt zwischen Klage und Anklage, Trauer und Wut – und endet schließlich im Schweigen.

Das Konzert endet mit einem ganz besonderen Bonbon – dem „Divertimento“ von Francaix. Ein witziges und unterhaltsames Werk, das mit seinen zahlreichen Wendungen fast wie die Musik alter Stummfilme klingt. Die raschen Ecksätze fliegen nur so vorbei – in schnellen Läufen und einem spritzigen Dialog. So beschwingt ist auch verschmerzbar, dass diese großartige Konzertreihe erst im nächsten Jahr weitergeht. mig

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