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Unter dem Familienbaum zusammenfinden

Obernkirchen / Friedhof Unter dem Familienbaum zusammenfinden

Der Friedhof hat einen parkähnlichen Charakter, der sich noch verstärken wird, denn im Laufe der nächsten 20 Jahre wird es immer mehr freie Flächen geben. Diesen Veränderungen tragen die Friedhofsmitarbeiter seit zehn Jahren Rechnung und haben dabei rund 400 Bäume – in der Hauptsache Thujen – sowie viel Gestrüpp und Unterholz entfernt.

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Auf dem städtischen Friedhof in Obernkirchen haben der Friedhofswärter Volker Rethmeier und Regina Aldag, Mitarbeiterin in der Friedhofsverwaltung, schon mal einen Ahornbaum ausgesucht, der zukünftig als „Familienbaum“ dienen könnte. © wk

Obernkirchen (rnk). Jetzt ist für rund 70 Parkbäume Platz, und die Mitarbeiter Volker Rethmeier und Regine Aldag haben einen Vorschlag: Sie möchten einen Familienbaum anbieten.

Denn die Zerstörung der Friedhofskultur schreitet unaufhaltsam voran, hatte Rethmeier im Fachausschuss deutlich gemacht: Sogenannte Familiengräber gebe es aus Kostengründen fast gar nicht mehr, auch das ausgemauerte Urnengrab für bis zu vier Urnen werde heute eher selten verlangt. Der Trend liege „eindeutig“ bei Rasendoppelgräbern, Urnenrasengräbern, Urnendoppelgräber oder Baumurnengräber.

Rethmeier weiß, wovon er spricht: „Auf unserem Friedhof sind fast 70 Prozent aller Bestattungen Urnen. Unsere neuen Baumurnengräber werden in einigen Jahren die Bestattungsform Nummer eins werden.“ Daher die Idee mit dem Familienbaum. Denn der Platz für 70 Parkbäume kann aus eigener finanzieller Kraft nicht gefüllt werden, rechnete Rethmeier im Ausschuss vor: Sie würden, mit einem Stammdurchmesser von sechs bis zehn Zentimetern einschließlich der Pflanzen rund 25.000 Euro kosten – „Geld, das wir in unserem Budget nicht haben“.

Beim Familienbaum dürften Obernkirchener, aber auch auswärtige Familien auf ausgewiesenen Plätzen im alten Teil des Friedhofs dort diesen Familienbaum pflanzen. Aus unterschiedlichen Arten, die die Mitarbeiter vorgeben, darf ein Baum ausgesucht werden.

Die Kosten von rund 350 Euro für Baum und Pflanzen trägt die Familie, das Pflanzen übernimmt der Fachbetrieb, bei dem der Baum gekauft wurde.

Es wird ein Nutzungsberechtigter bestimmt, der festlegt, wie viele Urnen und wer unter dem Baum bestattet wird. Es sollten nicht mehr als 16 Urnen sein, auch wenn mehr kein Problem wären, erklärt Rethmeier. Und natürlich komme so ein Baum nicht nur für Familien infrage, auch den „Baum Rott Hütte“, den „SVO-Baum“ oder einen Baum für jede andere Gruppe könnte es geben.

Den Nutzungsberechtigten entstehen erst einmal keine weiteren Kosten. Wird die erste Urne beigesetzt, dann werden die normalen Gebühren erhoben, die Rethmeier mit 1000 bis 1200 Euro bezifferte.

Der Hauptgedanke bei diesen Familienbäumen sei, dass der Bürger schon frühzeitig mit dem Baum einen Bezug zum Friedhof erhält. Denn die wenigsten Menschen würden zu Lebzeiten einen Gedanken daran verschwenden, wie sie später bestattet werden möchten. Und die Kinder, die einst ihre Großeltern oder Eltern unter diesem Baum bestattet hätten, die würden dieses Problem nicht haben, denn es gibt ja den Familienbaum, so Rethmeier: „Egal, ob man nun in Australien, Amerika oder sonst wo auf der Welt lebt – unter dem Familienbaum würden alle irgendwann wieder zusammenfinden. Alle Seiten gewinnen“, meint Rethmeier: Die Familien hätten Bezugspunkt zum Friedhof, und die Stadt hätte ihren Friedhof mit schönen Parkbäumen ausgestattet, die nur den Pflegeaufwand kosten würden.

Damit würden auch die Friedwälder neue Konkurrenz bekommen, meint Rethmeier, in denen nach den Recherchen der Friedhofsmitarbeiter in den vergangenen Jahren rund vier Millionen Menschen bestattet wurden. Der Obernkirchener drückt das so aus: Sie verschwinden dort, in den Ruheforsten und Friedwäldern: „Diese sind der Killer unserer Friedhofskultur.“ Und dagegen will er etwas unternehmen, und ist dabei nicht unbedingt erfolglos: Der Gemeinschaftsbaum, also die Baumurnengräber, die die Stadt seit vier Monaten anbietet, laufen gut an: Rethmeier hat acht Plätze verkauft und dazu 25 Beratungsgespräche geführt – mit Menschen, die eigentlich einen Platz in einem Friedwald suchten.

Rethmeier erhofft sich von der Politik eine schnelle und natürlich positive Entscheidung, denn er will mit dem Familienbaum Vorreiter sein.

Einen Interessenten hat er bereits: Andreas Nerge, Inhaber eines Bestattungsunternehmens, würde gern den ersten Familienbaum kaufen. Er wohnt in Bückeburg.

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