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Verein schließt Spielplatz „Baumkuhle“

Obernkirchen Verein schließt Spielplatz „Baumkuhle“

Es ist das Ende einer Ära: Weil es im Quartier nicht mehr genug Kinder gibt, wird der an der Straße Vor den Büschen in Obernkirchen gelegene private Spielplatz „Baumkuhle“ nach mehr als 40 Jahren geschlossen.

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Der Zugang zum Spielplatz „Baumkuhle“ ist mit Flatterband gesperrt; er wird höchst wahrscheinlich nicht wieder öffnen.

Quelle: tw

Obernkirchen. „Der Verein löst sich auf“, gibt Petra Dell‘Anna den Beschluss der jüngsten Mitgliederversammlung wieder. „Wir sind inzwischen nur noch etwa 20 Köpfe, und es gibt nur noch neun Kinder unter 18 Jahren.“ Fünf Jahre zuvor war die Zahl der Mitglieder noch fast doppelt so hoch. Nun soll der Spielplatz zurückgebaut werden, das Gelände zurück an Ardagh respektive die Heye-Stiftung fallen.

Die Zugänge zum einst von Heye-Mitarbeitern angelegten Spielplatz sind bereits mit rot-weißem Flatterband versperrt: „Wegen Unfallgefahr vorübergehend geschlossen“, steht auf einem weißen DIN-A4-Blatt, zum Schutz vor Regen in transparente Plastikfolie eingetütet. Gleiches gilt für den im rückwärtigen Bereich liegenden Bolzplatz und das Areal mit dem Streetballkorb; die Flächen sind zugewachsen und nicht mehr bespielbar.

„Das Ordnungsamt hat dem Verein die Schließung des Spielplatzes empfohlen. Die Sicherheit ist nicht mehr gewährleistet“, sagt Fachbereichsleiter Bernhard Watermann. Tatsächlich ist das Gros der etwa 15 Geräte des Spielplatzes „Baumkuhle“ abgängig. Es besteht aus Holz, das im Laufe der Jahrzehnte morsch geworden ist. „Zumindest der große Kletterturm müsste wahrscheinlich ohnehin abgerissen werden“, sagt Petra Dell‘Anna. Am besten ist es – außer um den Pavillon im Eingangsbereich – noch um ein Klettergerüst bestellt, das vor fünf Jahren nach einem Sturmschaden neu aufgestellt worden war.

„Am Liebsten wäre es uns, wenn die Stadt Obernkirchen den Spielplatz übernehmen würde“, sagt die Vereinsvorsitzende. Doch die finanziell chronisch klamme Kommune sieht keinen Bedarf und winkt ab: „Dass es so lange gedauert hat, bis wir als Stadt von der Situation erfahren haben, belegt, dass der Spielplatz Baumkuhle offensichtlich nicht so oft frequentiert wird“, sagt Watermann nach Rücksprache mit Stadtjugendpfleger Erhard Vinke. Der Fachbereichsleiter: „Außerdem gibt es Am Stiftswald/Stoevesandtstraße eine weitere Anlage, die nur etwa 800 Meter Luftlinie entfernt ist.“

Fakt ist derweil: Der Verein alleine bekäme den Platz nicht mehr in den Griff. Der freiwillige Jahresbeitrag liegt bei 18 Euro – dass man damit fast nichts bewegen kann, liegt auf der Hand. Maurizio Dell‘Anna hat immer wieder versucht, das eine oder andere instand zu setzen und zumindest dem größten Wildwuchs Herr zu werden. „Hilfe habe ich dabei so gut wie keine erhalten.“ Auch nicht von denjenigen, die den Zustand des Spielplatzes am lautesten beklagen.

Auf grob 80000 Euro schätzen die Dell‘Annas die Investitionssumme, die nötig wäre, um die „Baumkuhle“ wieder zum Magneten für Kinder zu machen. Denn die Auflagen des Gesetzgebers sind seit den Jugendtagen des Spielplatzes ständig gestiegen: Neue Geräte lassen sich schon lange nicht mehr im Hobbykeller zusammenzimmern. Sie brauchen TÜV-Zulassung und auch der Versicherungsschutz will bezahlt sein.

Doch ein Magnet ist der Spielplatz zunehmend weniger – was nur bedingt an dessen Zustand liegt. „Die Kinder von einst sind längst Erwachsene geworden und/oder fortgezogen“, sagt die Vorsitzende; neue wüchsen im Quartier nicht in gleicher Zahl wie früher heran. So ist der verfallene Kinderspielplatz „Baumkuhle“ vor allem eines: ein augenfälliges Symbol für den demografischen Wandel, wie er in Form einer auf den Kopf gestellten Alterspyramide sonst nur in den abstrakten Diagrammen von Statistikern greifbar wird. tw

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