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„Vielleicht ziehen hier noch Robben durch“

Obernkirchen / Ausschuss für Bürgerangelegenheiten „Vielleicht ziehen hier noch Robben durch“

Eigentlich sollte der „Bericht über Grünpflege“ bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bürgerangelegenheiten nur ein kleiner Tagesordnungspunkt ohne besonderes Gewicht sein.

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Im Vergleich zu dem gemähten Randstreifen der im Kammweg gelegenen städtischen Grünfläche lässt sich unschwer erahnen, dass auf dem extensiv gepflegten Teil des Areals eine deutlich größere Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten zu finden ist.

Quelle: wk

Obernkirchen. Den Anstoß hatten zwei städtische Rasenflächen an der Grundschule im Kammweg respektive an dem beim Sonnenbrinkbad gelegenen Uhlenbruch gegeben, die seit einiger Zeit nur noch extensiv gemäht werden, um der Natur mehr Raum zu lassen. Über den damit einhergehenden „ungepflegten“ Eindruck hatten sich dann einige Bürger beim Umweltamt der Bergstadt beklagt, weshalb die Verwaltung Handlungsbedarf sah, den öffentlich tagenden Ausschuss über die Hintergründe der deutlich verlängerten Mähintervalle zu informieren.

 Ein Ausschussmitglied, Horst Sassenberg (CDU), wollte die seitens des Umweltamtes dazu gemachten Ausführungen so jedoch nicht stehen lassen. Vielmehr argwöhnte er, dass – unter dem vorgeschobenen Argument des Naturschutzes – letztlich durch „politische Kräfte“ die Aufstellung einer „Rasensatzung“ angestrebt werde, gemäß der den Obernkirchenern das regelmäßige Mähen ihrer privaten Rasenflächen untersagt werde. Der kleine Tagesordnungspunkt wurde damit ungeplant zu einem Schwerpunktthema der Sitzung, die damit zeitlich sogar aus dem Ruder zu laufen drohte.

 Doch zunächst zurück zum Anfang: Früher seien die beiden zur Diskussion stehenden städtischen Grünflächen acht- bis zwölfmal pro Jahr gemäht worden, während jetzt nur noch zwei- bis dreimal jährlich der Rasenmäher darüber fährt, berichtete die Umweltamt-Mitarbeiterin Christiane Matthaie. Grund daür sei die der Stadt Obernkirchen gemäß der – bereits 1983 in Kraft getretenen – „Bonner Konvention“ obliegende Pflicht, Maßnahmen zum Erhalt wandernder, wild lebender Tierarten zu treffen. Dabei gehe es unter anderem darum, die „Biodiversität“ (Artenvielfalt) zu erhöhen und „Biotopverbünde“ zu schaffen, bei denen größere Lebensräume durch eine Vielzahl von – als „Trittsteine“ fungierenden – nur extensiv bewirtschafteten oder naturbelassenen Flächen vernetzt werden.

 Exemplarisch verwies Matthaei auf die unter strengem Schutz stehenden Fledermausarten, die während deren jahreszeitlicher Wanderungen zwischen Sommer- und Winterquartieren von insektenreichen Wiesenflächen profitieren würden, über denen sie reichlich Beute machen und dadurch ihre Energiereserven auffüllen können. Die dafür erforderliche pflanzliche Vielfalt an Wildkräutern und -blumen bekomme man aber auf einem kurz geschorenen Zierrasen nicht hin, sodass auf einem „Scherrasen“ in der Folge auch keine artenreiche Insektenfauna anzutreffen sei, betonte die Expertin. Und: Extensiv gepflegte Grünflächen wie die am Kammweg und am Uhlenbruch mögen für manche Bürger ja „ein ungewohntes und unschönes Bild“ bieten, letztlich komme es dort aber auf den persönlichen Blickwinkel und innere Einstellung des Betrachters an. Zu einer „Spielverbotszone“ für Kinder seien die beiden Grünflächen trotz des damit verknüpften Naturschutzgedankens übrigens nicht geworden.

 „Warum soll überhaupt noch gemäht werden?“, stellte Sassenberg provokant die Frage in den Raum. Zudem äußerte er die Befürchtung, dass mittels einer speziellen Rasensatzung über kurz oder lang auch die Privatgärten der Obernkirchener in das Trittsteine-Konzept einbezogen werden könnten, um wandernden Tierarten den Weg zu bereiten. Und überhaupt: „Vielleicht ziehen hier noch die Robben durch.“

 Was den CDU-Mann ebenfalls beschäftigte, war dessen Sorge, dass Kinder, die auf den zur Rede stehenden extensiv gepflegten Grünflächen herumlaufen, „von Mücken und Zecken gestochen“ werden könnten. Ferner wollte er wissen, ob wegen der möglichen Ausbreitung von Wildkräutern und -blumen in benachbarte Privatgärten gegenüber der Stadt möglicherweise Schadenersatzansprüche seitens der Grundstückseigentümer bestünden.

 „Wir werden keinen Privatmann zwingen, seinen Rasen länger wachsen zu lassen“, stellte Bürgermeister Oliver Schäfer unmissverständlich klar. Dazu habe die Stadtverwaltung auch gar keine rechtliche Handhabe. Die von Sassenberg befürchtete Option einer Rasensatzung wies der Verwaltungschef sogar scharf zurück, um dann auch noch zu klarzustellen, dass sich die Stadt wegen der geänderten Grünflächenpflege „in keinster Weise“ gegenüber Anliegern schadenersatzpflichtig mache.

 Angesichts der von Sassenberg zuvor vorgebrachten Kritik mutete es durchaus irritierend an, als der Christdemokrat zum Ende der Diskussion anregte, dass die Stadt Obernkirchen Anreize für Privatpersonen schaffen solle, private Rasenflächen ebenfalls seltener zu mähen, da die städtischen Grünflächen allein für das von der Verwaltung erklärte Naturschutzziel nicht ausreichend seien. Zudem verriet der CDU-Mann, dass er selbst vor einiger Zeit sogar eine vom Obst- und Gartenbauverein der Bergstadt erhaltene Blumenwiesenmischung in seinem Garten ausgesät habe, um auf diese Weise etwas für die Natur zu tun. wk

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