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Voller Einsatz fürs Freibad

Neue Cafeteria im Sonnenbrinkbad in Obernkirchen Voller Einsatz fürs Freibad

„Helmut Schmidt hat mal gesagt: ,Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.‘ Wir haben uns entschieden, den Arzt wegzulassen und unsere Visionen umzusetzen“, so Genossenschaftsvorstand Heiko Büthe.

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Die Betreibergemeinschaft hatte im Wortsinn „den Durchblick“ – und setzte auf den Bau einer Café-Lounge mit „ess bar“.

Quelle: tw

Obernkirchen. Vision der Betreibergemeinschaft Sonnenbrinkbad – das war das neue Automaten-Café, die Lounge. Vor dem Hintergrund, dass das Finanzamt Stadthagen dem Förderverein die Gemeinnützigkeit entzogen hat (wir berichteten), ist es die Geschichte einer Gemeinschaftsleistung, die erzählt wird. Zumal Andreas Pröpper, Organisationsleiter des Bades, von Gästen nur Gutes gehört hat. „Egal ob von Menschen, die noch nie hier geschwommen sind, von Menschen, die lange nicht mehr hier geschwommen sind, oder aber von Dauerschwimmern: Die Lounge wird extrem gut angenommen.“

 Das Blockheizkraftwerk war 2014 zwar störungsfrei gelaufen, doch die Freibadesaison hatte aufgrund der kühlen Witterung auf die Besucherzahlen gedrückt. So musste die Betreibergemeinschaft nach Maßnahmen suchen, um die Attraktivität und damit die Erlösseite des Bades zu steigern. Büthe: „Der Vorschlag, in der Spätsaison probeweise einen Kaffeetisch anzubieten, war ein voller Erfolg – und im Rahmen des jährlichen Workshops zugleich die Initialzündung für den darauf folgenden Beschluss: „Wir verschieben es nicht noch ein Jahr, sondern packen es jetzt an.“

 Der besagte Kaffeetisch hatte gezeigt, was im Bad bisher fehlte: eine Möglichkeit, in der Vor-, Nach- und Spätsaison durchgängig Getränke, Kaffeespezialitäten und einen Imbiss anbieten zu können. Schnell war klar, dass dazu ein Bereich zum Verweilen gehört, in dem Badegäste Kontakte pflegen, warten oder sich treffen können. Büthe ist überzeugt: „Gerade in Zeiten, in denen alle Menschen von ,Entschleunigung’ sprechen, werden derartige Angebote zunehmend wichtiger. Zudem gelte der Grundsatz: Wer sich nicht weiter entwickelt, fällt zurück.

 Voller Tatendrang habe es mit den Bauarbeiten losgehen sollen, wenn – ja, wenn nicht die Finanzierung gewesen wäre. „Dass parallel um Spenden für einen neuen Kassenautomaten gebeten wurde, machte die Sache nicht einfacher“, meint Büthe. Der Spielraum der Stadt habe es indes nicht zugelassen, eine zusätzliche und derart umfangreiche Maßnahme umzusetzen. Was also tun? Eine Lösung sei der Einsatz der Ehrenamtlichen gewesen. Das habe einfach geklungen, sei es aber nicht gewesen. Denn eine solche Arbeit einzuwerben – das sei schwieriger geworden. Bürokratische Hürden, die zu einer steuerlichen „Bestrafung“ ehrenamtlicher Tätigkeiten durch Einschränken der Gemeinnützigkeit von Vereinen insbesondere im Sport führten, lösten mittlerweile heftige Diskussionen aus. Doch ohne Ehrenamt, da ist sich der Vorstand des Sonnenbrinkbades sicher, lassen sich ganze Bereiche der Gesellschaft nicht mehr aufrecht erhalten.

 Büthe: „Wir freuen uns, dass wir es geschafft haben, neben Helfern aus unseren eigenen Reihen immer wieder neue dazu zu gewinnen.“ Gleiches gelte für Arbeitsleistungen, die nur Handwerksfirmen erbringen können und bei denen das Ehrenamt sehr schnell an seine Grenzen stoße. Auch Privatleute engagierten sich mit Geld- und Sachspenden.

 Zum harten Kern der Ehrenamtlichen gehörten Andreas Pröpper, Thomas Stübke, Simone Jaschke, Rene Koppelt, Volker Jahnke, Wolfgang Hein – und Büthe selbst. Allesamt seien sie über vier Monate hinweg Sonnabend für Sonnabend und unter der Woche sogar noch nach ihrem eigentlichen Job immer vor Ort am Rackern gewesen. Der Vorstand: „Anfangs waren wir ein Haufen Engagierter mit Ideen und Plänen, am Ende ein tolles Team.“

 Das Sonnenbrinkbad, so Büthe, habe in seiner Konstellation einer Betreibergemeinschaft aus Genossenschaft und Förderverein deutschlandweit Modellcharakter. Das gewährleiste, dass das finanzielle Engagement der Kommune vergleichsweise niedrig sein könne; ja, das Sonnenbrinkbad gehöre sogar zu den wirtschaftlichsten Freibädern in ganz Deutschland.

 In einem geschlossenen Bad hingegen könnten Kinder eben nicht schwimmen, Schulen und Verein ihren Versorgungsauftrag nicht erfüllen. Der Vorstand: „190 Öffnungstage 2015, bereits bei der Eröffnung 36,5 Grad Wassertemperatur und stabile Eintrittspreise: Das sucht weit über die Region hinaus seinesgleichen.“

 Die Vision für 2015, der Umbau und die Neugestaltung des Innenbereichs, ist Realität geworden. „Die Reaktionen der Badegäste auf die Neugestaltung waren bereits in den ersten Wochen überwältigend positiv – und Helmut Schmidt hat, zumindest was uns betrifft, nicht recht behalten“, sagte Büthe schmunzelnd. tw

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