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Was Juden aus der Bergstadt in Hameln erleiden mussten

Obernkirchen / Pogromnacht Was Juden aus der Bergstadt in Hameln erleiden mussten

„Es ist angemessen, sich auch nach 75 Jahren noch der Schrecken der Reichspogromnacht zu erinnern, denn die schlimme Gedankenwelt von damals ist bis heute nicht überwunden.“ Gleich in seinen Begrüßungsworten bei der Gedenkfeier an die Opfer des 9. Novembers 1938 hat Pastor Wilhelm Meinberg von der ev.-luth. Gemeinde Obernkirchens die gedankliche Brücke aus der Vergangenheit in die Gegenwart geschlagen: Auch heute noch, so der Seelsorger, seien rechtsradikale und antisemitische Schmierereien und Parolen in Obernkirchen zu beobachten, und auch der jüdische Friedhof der Bergstadt sei vor einigen Jahren mehrmals das Ziel von Übergriffen geworden.

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Pastor Wilhelm Meinberg spricht zu den Anwesenden.

Quelle: jp

Obernkirchen. Darum sei es wichtig, sich nicht nur an die Geschehnisse der Reichspogromnacht zu erinnern, sondern aufmerksam und wachsam zu bleiben, um einem erneuten Ausgreifen von Hass und Gewalt keinen Raum zu bieten.

 Eingeladen zu dem gemeinsamen Gedenken an die Ausschreitungen gegen jüdische Mitbürger, die sich in diesem Jahr zum 75. Mal jähren, hatten erneut die Stadt Obernkirchen gemeinsam mit der kath. sowie der ev.-luth. Kirchengemeinde. Ort der Zusammenkunft war der Gedenkstein an der Ecke Strullstraße/Bornemannstraße, wo bis 1970 das Gebäude der ehemaligen Synagoge stand. Meinberg zitierte aus dem Bericht eines jüdischen Zeitzeugen, der als Kind die Ausschreitungen gegen seine Familie am eigenen Leibe miterlebte und der selbst das Glück hatte, etwas später im Rahmen eines der Kindertransporte, der „Refugee Children Movements“, nach Palästina entkommen zu können, während seine Mutter in einem jüdischen Krankenhaus an Medikamentenmangel starb und sein Vater in Auschwitz ermordet wurde.

 Ratsherr Bernd Kirsch erinnerte in seiner Ansprache an die Erbauung der Synagoge, in der vom Jahr 1839 an Gottesdienste und jüdische Feierlichkeiten stattfanden. Auch in der Obernkirchener Synagoge wurde am 9. November 1938 Scheiben eingeschlagen, Verwüstungen angerichtet und Thorarollen verbrannt. Später diente das Gebäude als jüdisches Wohnquartier, dann als Unterkunft für Zwangsarbeiter. 1970 wurde es aufgrund eines Ratsbeschlusses abgerissen.

 Kirsch erinnerte an den Fall der Obernkirchener Familie Karl und Paula Bernstein, die bis zur Machtergreifung der Nazis ein angesehenes Geschäft in Hameln betrieben. Schon von 1934 an ergingen gegen das Geschäft in der heimischen Presse Boykottaufrufe, Kunden wurden beim Betreten fotografiert und ihre Namen anschließend veröffentlicht.

 In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde das Geschäft dann ebenfalls Opfer von Plünderung und Zerstörung. Der Versuch von Karl und Paula Bernstein, über Köln nach Chile auszureisen, scheiterte, da Chile ein Einreiseverbot verhängte. Während des Zweiten Weltkriegs wurden beide getrennt voneinander deportiert und gelten seitdem als verschollen. Hass gegen Minderheiten, Andersdenkende und Andersgläubige bedrohe nicht nur die Betroffenen selbst, sondern Freiheit und Demokratie als Ganzes, so Kirsch. jp

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