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Was man in Litauen alles für die Bergstadt lernen kann

Obernkirchen/Pasvalys / Besuch Was man in Litauen alles für die Bergstadt lernen kann

Es muss ein bisschen gewesen sein, als ob man den sprichwörtlichen „reichen Onkel“ in Amerika besucht: Sieben Obernkirchener sind nach Pasvalys gereist.

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Beeindruckt die Obernkirchener: die Wasserburg Trakai, der alte Königssitz westlich von Vilnius.

Quelle: pr.

Obernkirchen/Pasvalys (tw). Anlass war der 515. Geburtstag der Stadt im Norden Litauens, die auf Deutsch Poswol heißt. Mit dabei: Kirsten Battaglia (SPD), Barbara Roeder-Schmidt (SPD), Andreas Hofmann (CDU), Gabriele Franz, Erhard Vinke (beide vom Stadtjugendring), Dolmetscherin Ludmilla Tonkunas und Bürgermeister Oliver Schäfer. Sie alle wurden bei ihrem viertägigen Besuch von den litauischen Freunden fast rund um die Uhr betreut.

 „Wir sind mit ,Ryanair‘ geflogen – sicher und glücklich, mussten auch nicht unfreiwillig zwischenlanden“, schmunzelt Schäfer. Just am Reisetermin der Gruppe hatte nämlich eine Maschine des irischen Billigfliegers wegen technischer Probleme in Spanien runtergehen müssen – was bei den Obernkirchenern natürlich für reichlich Gesprächsstoff und Gänsehaut sorgte. Doch wie gesagt: Das Septett landete wohlbehalten in Vilnius, der Hauptstadt Litauens. „Der dortige Flughafen“, schildert Schäfer, „ist bei Weitem kleiner als derjenige in Bremen, wirkt fast wie ein Provinzflughafen.“ Dafür aber sei er auch kein bloßer Funktionalbau, sondern habe viel historisches Flair.

 Die Gruppe aus der Bergstadt nutze die Gunst der Stunde, sah sich kurz die 542000-Einwohner-Metropole an, die wegen ihrer mehr als 50 Kirchen auch den Beinamen „Rom des Ostens“ trägt; man sieht von fast jedem Ort aus in der Stadt wenigstens vier Kirchtürme. Danach besichtigten die Obernkirchener die Wasserburg Trakai, den alten Königssitz westlich von Vilnius.

 Anschließend wurden die Reisenden mit einem Kleinbus abgeholt und in die Geburtstagsstadt Pasvalys gefahren. Besagter Geburtstag wurde dann auf dem für etwa 2,5 Millionen Euro mit Granitpflaster frisch sanierten Stadtplatz festlich begangen. Die Obernkirchener waren schwer beeindruckt – auch vom ebenfalls neu gestalteten Rathaus, „das früher eher den Charme eines sozialistischen Funktionalbaus hatte“, wie der Bürgermeister erinnert. Dort residiert oder regiert Gintautas Geguzinskas, Pendant Schäfers in Pasvalys.

 Was bei den finanziell bekanntlich klammen Bergstädtern ebenfalls großen Eindruck hinterlassen hat: „Die litauischen Freunde konnten es sich leisten, aus dem 200 Kilometer entfernten Vilnius eine rund 30-köpfige Studentengruppe einfliegen zu lassen, die die 3000 bis 4000 Menschen auf dem Stadtplatz eineinhalb Stunden mit Folklore unterhalten hat“, schwärmt Schäfer. Bemerkenswert war, dass so viele Menschen zu dem Stadtgeburtstag kamen – obwohl es auf dem gesamten Platz offensichtlich nicht eine einzige Getränke- oder Würstchenbude gab. Mit Böllerschüssen klang der erste Abend in Pasvalys aus. „Böllerschüsse, die so laut waren, dass sämtliche Alarmanlagen der umliegenden Geschäfte losgingen“, schmunzelt der Bürgermeister. Kaum war der Knall verklungen, brannten die Litauer ein Feuerwerk ab, das nach Schätzungen der Bergstädter „gut und gerne 2000 Euro gekostet haben mag“.

 Der Markt am nächsten Morgen fand dann nicht mehr in der Innenstadt statt, vielleicht, weil die Pasvalyser ihr Pflaster sauber halten wollten. Fakt ist jedenfalls: „Das Rauchen in der Öffentlichkeit“, so der Bürgermeister, „ist auf dem Platz nach einem Kreistagsbeschluss nicht mehr erlaubt; also liegen dort auch keine Zigarettenkippen mehr rum.“ Die Obernkirchener fuhren zum Stadtpark, holten sich dort viele Ideen für ein Neugestalten des Barbarossamarktes vor der eigenen Haustür. Beeindruckend dabei auch; das Konzert eines litauischen Schlagerbarden auf einer Großbühne, das etwa 5000 Besucher anlockte. Auch dabei galt: „Es gab nur eine einzige Bratwurst- und nur eine einzige Bierbude. Die Menschen sind wegen der Musik gekommen“, betont Schäfer. Das anschließende zweite Feuerwerk stellte dann dasjenige vom Vorabend noch in den Schatten: „Es wäre für 3000 Euro sicherlich nicht zu haben gewesen.“ Danach gingen dann alle Litauer – gesittet – nach Hause; kein Einziger soll randaliert haben, und am nächsten Morgen haben die Obernkirchener weder Dreck noch Müll auf dem Gelände gesehen.

 „Im Rahmen der offiziellen Empfänge haben wir die Freundschaft oft begossen und dabei auch Kontakte zu den anderen Gästen aus Lettland, Norwegen, Schweden und Frankreich geknüpft“, berichtet der Bürgermister. Kleinkünstler aus Argentinien sorgten für eine kurzweilige Geburtstagsnacht der 515-Jährigen. Eine Nacht, in der die Obernkirchener aufgefordert waren, „ein deutsches Lied anzustimmen“, wie Schäfer sagt und dann den Mantel des Schweigens über die Darbietung breitet.

 Fakt ist jedenfalls: Nach Pasvalys fließt derzeit viel Geld. So hat die Stadt zum Beispiel einen Campingplatz bekommen, ausgestattet mit zahlreichen technischen Finessen. Noch etwas anderes hat die deutschen Besucher beeindruckt: die Ausstattung der Spielplätze. Denn nach Geräten für seine Racker hat Pasvalys nicht nur im eigenen Lande, sondern in ganz Europa gesucht – und dabei eine Menge Geld sparen können.

 Doch wie auch immer: „Zum Schluss unseres Besuchs“, resümiert der Bürgermeister, „haben wir die litauischen Freunde natürlich für das Jahr 2013 zu einem Gegenbesuch nach Obenkirchen eingeladen.“ Die hätten die Messlatte bei sich zu Hause in Pasvalys allerdings sehr hoch gelegt und „sich die Freundschaft richtig was kosten lassen“, wie Schäfer anerkennend feststellt. Da wird es die Bergstadt schwer haben, mitzuhalten. Nicht nur beim Feuerwerk.

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