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Wenn Zwölfjährige morgens betrunken durch die Stadt torkeln

Nordmeerinsel Wenn Zwölfjährige morgens betrunken durch die Stadt torkeln

Grönland – das ist eine zerklüftete Landschaft mit schneebedeckten Weiten, gewaltigen Gletschern und im Meer treibenden Eisbergen. Bilder von bunten Holzhütten sowie von mit Hundeschlitten auf Jagd gehenden Inuit kommen einem ebenfalls in den Sinn, wenn man an die größte Insel der Welt denkt.

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Claudia Buckenmaier referiert beim „Treff im Stift“ über „Grönlands starke Frauen“.

Quelle: wk

Obernkirchen. Doch Grönland ist viel mehr: zum einen grün, wenn man auf den südlichen Teil der Insel schaut, wo sogar Landwirtschaft betrieben wird, zum anderen aber auch vielschichtig, was die knapp 57000 auf dieser Insel lebenden Menschen – darunter auch solche dänischer Herkunft – betrifft. Große wirtschaftliche und soziale Probleme inklusive.

 Es gibt also eine ganze Menge zu berichten über die politisch zu Dänemark gehörende, bis auf Außen- und Verteidigungspolitik inzwischen aber autonome Nordmeerinsel Grönland, die mit einer Fläche von 2,1 Millionen Quadratkilometern sechsmal so groß wie Deutschland ist. „Grönlands starke Frauen“ hat sich die Journalistin Claudia Buckenmaier in einer von ihr erstellten 45-minütigen TV-Reportage gewidmet, die bereits mehrfach im Fernsehen zu sehen war. Darin hat sie sieben höchst unterschiedliche Frauen porträtiert, um über deren Leben, Beruf und Ansichten einen Blick auf dieses ungewöhnliche „Land“ zu werfen: eine Pilotin, eine Politikerin, eine Leiterin einer Supermarktkette, eine Polizistin, eine Tourismus-Mitarbeiterin, eine auf einer Fähre arbeitende Angestellte und eine bekannte Künstlerin.

 „Ich habe immer den Wunsch gehabt, mal einen Film über Grönland zu machen, der anderes zeigt als Tradition und Natur“, verrät Buckenmaier anlässlich ihres auf diesem Film basierenden Vortrages, den sie bei der vom Verein „Treff im Stift Obernkirchen“ ausgerichteten Dänemark-Veranstaltungsreihe im voll besetzten Festsaal des Damenstiftes hält. Eine Gelegenheit, solch eine TV-Reportage zu realisieren, bot sich ihr gegen Ende ihrer von 2007 bis 2012 währenden Tätigkeit als Leiterin des ARD-Studios Stockholm.

 Dabei sei das Vorhaben selbst „kein einfaches Unterfangen“ gewesen, da es seitens der Grönländer eine Scheu gegenüber Journalisten gebe. Letztlich habe man jedoch einige interessante Frauen gefunden, die mitgemacht haben. Allesamt überdurchschnittlich gebildet, aber „kein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung“, betont die Referentin. Gleichwohl vermitteln die sieben von ihr präsentierten Einzelporträts in ihrer Gesamtheit aber einen Eindruck davon, wie es in Grönland gesellschaftlich zugeht und welche Probleme drücken. Gerne hätte Buckenmaier ein paar Szenen aus ihrem Film gezeigt, doch wegen technischer Probleme muss sie sich auf ein paar auf die Leinwand projizierte Fotos beschränken. Aus dem Konzept lässt sie sich dadurch nicht bringen. So lebendig und kurzweilig, wie die Politikwissenschaftlerin von den sieben Protagonistinnen ihres Filmes erzählt, braucht sie keine mediale Unterstützung.

 So berichtet Buckenmaier, dass sich die bei der staatlichen Fluggesellschaft Air Greenland beschäftigte Pilotin (Bente Biilmann) ihren Traumjob regelrecht erkämpfen musste, da Frauen im Cockpit in Grönland immer noch die Ausnahme sind. Als zweites Standbein habe die zur gehobenen Mittelschicht gehörende Grönländerin mit ihrem Ehemann, der ebenfalls Pilot, aber gebürtiger Däne ist, inzwischen sogar eine kleine private Fluggesellschaft gegründet, die touristische Flüge anbietet. Trotz des Erfolges und der Heimatverbundenheit sehe Biilmann aber die mit dem Leben auf der strukturschwachen Insel verbundenen Einschränkungen – insbesondere, was die Zukunftschancen junger Leute betrifft. Mehr Investitionen in Bildung und Ausbildung sei eine ihrer zentralen Forderungen, wobei sie das Erlernen der englischen Sprache für ein Muss halte.

 Um die Zukunft der jungen Generation ging es auch in den Gesprächen mit der Polizistin Alma Mikkelsen. In der Stadt Nuuk hatte die Journalistin jene Polizistin während eines nächtlichen Streifendienstes begleitet und dabei Bestürzendes über die Folgen kultureller Entwurzelung erfahren. „Es ist schlimm, wenn man morgens um 4 Uhr zwölfjährige Kinder betrunken durch die Stadt torkeln sieht“, so Buckenmaier. Aber dies sei die „harte Realität“ bei vielen zerrütteten Familien, deren Mitglieder keine Arbeit haben, alkoholsüchtig sind und in denen „sehr viel Gewalt, bei der es kein Halten gibt“, alltäglich ist. Wichtig für die Kinder aus diesen in tristen Wohnblöcken untergebrachten gesellschaftlichen Schichten sei es nach Ansicht Mikkelsens daher, dass die jungen Leute Kontakt zu in vernünftigen Verhältnissen lebenden, berufstätigen Menschen bekommen, die ihnen als Vorbilder dafür dienen, etwas aus ihrem eigenen Leben zu machen.

 Als Beispiel dafür könnte Susanne Christensen fungieren, die als erste Frau Grönlands die Leitung einer der drei dort ansässigen Supermarktketten übernommen hat – und dies vor dem Hintergrund, dass das Management dieser Unternehmen bis dahin ausschließlich von Dänen besetzt worden war. „Grönland ist ohne Importe aus Dänemark nicht überlebensfähig, denn 90 Prozent der Waren kommen aus Dänemark“, erläuterte die Referentin. Christensen indes habe eine mit dem Slogan „Kauft grönländische Produkte“ betitelte Kampagne ins Leben gerufen, um auf der Nordmeerinsel die Produktion von landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie Lamm- und Rindfleisch sowie Kartoffeln anzukurbeln und dadurch die grönländische Wirtschaft zu stärken. Erhältlich seien diese Produkte in den über die Insel verteilt 13 Filialen jener Supermarktkette.

wk

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