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Obernkirchen Stadt Wenn die Jeans zur Sünde wird
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Wenn die Jeans zur Sünde wird
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00:20 26.01.2015
„Der Umweltschrei“: Das Gemälde Hamanns ist zum Markenzeichen für biologisch produzierte Textilien geworden. Quelle: tw
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Obernkirchen

Er – das ist Hans-Jörg Hamann (70), Maler, Künstler, Entwickler und Öko-Textilien-Spezialist. Der Künstlername „Ha Nam“, den er sich zugelegt hat, greift den Namen der bei Hanoi gelegenen Provinz gleichen Namens auf. Dort arbeitet Hamann seit 30 Jahren an einer Totallösung zur Jeans-Veredelung auf rein biologischer Basis.

 Im Wortsinn Ausfluss des abwasserfreien Färbens der Öko-Jeans sind einzigartige „Biofarben“, mit denen der in Hülsede beheimatete Hamann seine Gemälde schafft – Kunst im Einklang mit der Natur. 15 Hamann-Werke hat Lieselotte Dehler-Schmal zusammen mit ihren Ehrenamtlichen jetzt bis Mitte April an der Friedrich-Ebert-Straße aufgehängt. „Ich bin auf Hans-Jörg Hamann durch die ,Kunstetage Lauenau‘ aufmerksam geworden“, sagt die gut vernetzte Leiterin der Obernkirchener Info-Galerie.

 Beeindruckend sei, dass Hamanns Farben „sogar essbar“ sind. Außerdem grundiere der Künstler seinen Malgrund, ein Gewebe aus 100 Prozent Baumwolle, nicht – obwohl das in der konventionellen Malerei üblich ist. Obenauf liegende Farbschichten decken darunterliegende nicht ab, wie man es in der Acryl- oder Öltechnik kennt, sondern gehen mit den Unterschichten eine Bindung ein. Was bedeutet: „Das Übermalen unerwünschter Pinselstriche funktioniert nicht. Hans-Jörg Hamann muss sein jeweiliges Bild bereits vom ersten Pinselstrich an fix und fertig im Kopf haben“, sagt die Galeristin bewundernd. Die Bio-Farben sind frei von Konservierungsstoffen, deshalb müssen sie noch am selben Tag verbraucht werden.

 Bei den in Obernkirchen gezeigten Gemälden handelt es sich meist um zeitgenössische, abstrakte Malerei, auf denen das Abgebildete nicht selten zum (Öko-)Symbol wird. So etwa in dem Bild „Der letzte Baum“, der bei Hamann schwarz und abgestorben auf einer Blumenwiese steht. „Die Blumen sind auf die Leinwand gekettelt und danach übermalt worden“, so Dehler-Schmal.

 Doch zurück zum Öko-Mode-Projekt. Dem Maler und Textilienspezialisten zufolge werden für die Produktion einer einzigen herkömmlichen Jeans 40000 Liter Wasser sowie Chemiefarben, Lösungsmittel, Chlor und Bleichmittel benötigt. Ein Großteil der Chemiebrühe (bis zu 8000 Chemikalien sollen weltweit im Einsatz sein) werde zwar aus dem Stoff wieder ausgewaschen, doch längst nicht alles. Dass viele Wasser, das zur Jeans-Produktion eingesetzt wird, sei anschließend stark verschmutzt. Die Schadstoffe gelangten häufig direkt in die Umwelt, die sie nachhaltig schädigten.

 Als es Hamann erstmals gelungen war, ökologische Malsubstanzen bei der Jeans-Veredelung einzusetzen und zurückzugewinnen, soll ein kleines Fest gefeiert worden sein. Der Künstler erzählt davon auf seiner Homepage: Während des Gesprächs mit einer vietnamesischen Näherin, deren Mann sein Geld als Flussfischer verdient, habe die Frau plötzlich geschluchzt. Die Näherin soll Hamann unter Tränen erzählt haben, dass sie mit ihrer Arbeit in einer Jeans-Fabrik zum Unterhalt der Familie beitragen müsse. Das sei nötig, denn ihr Mann verdiene mit der Flussfischerei von Woche zu Woche weniger. Doch genau die Jeans-Fabrik sei, so die Näherin weiter, schuld daran, dass immer häufiger stinkende, halb tote Fische in den Netzen ihres Mannes landeten. Ein Teufelskreis, dessen Auflösung die Näherin sich zu ihren Lebzeiten nicht mehr hatte vorstellen können. Hamanns neue und zu 100 Prozent abwasserfreie Technologie der Jeans-Veredelung gebe ihr Hoffnung.

 Eröffnet wird die Schau „Der Umweltschrei“ heute, Sonntag, um 11.30 Uhr in der Info-Galerie, Friedrich-Ebert-Straße 14. tw

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