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„Werden die Hunde in Obernkirchen kontrolliert?“

Obernkirchen / Attacke „Werden die Hunde in Obernkirchen kontrolliert?“

Ihren richtigen Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen, deshalb soll sie hier Ingrid Müller heißen. Vor einigen Tagen war sie mit ihrem Hund unterwegs. Es ist ein eher kleines Tier, sieben Kilo bringt es auf die Waage. Auf dem Spaziergang sah sie von Weitem eine junge Frau mit zwei Hunden, die nicht angeleint waren. Einer davon war ein Mastiffmischling, ein massiger Hund. Er sei auf sie zugerannt und habe sich sofort in ihre Hündin festgebissen, die geschrien habe, „wie am Spieß“ sagt sie. 

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Kein Hund ist von Natur aus böse, aber wenn ein Hund böse wird, dann kann das böse enden – vor allem bei großen Tieren. 

Quelle: pr.

Obernkirchen. Obernkirchen (rnk).  Sie hat sich, ohne großes Nachdenken, auf den Hund gestürzt, schließlich lebt sie mit ihrem kleinen Tier schon ein Dutzend Jahre zusammen. Da entwickelt der Mensch Beschützerinstinkte – „und man guckt nicht einfach zu, wie der Hund totgebissen wird“. Wegziehen ging nicht, denn der große Hund, erzählt sie, „war außer Kontrolle“, da hat sie sich auf das massige Tier geworfen. Wie sie es geschafft hat, das kann sie heute nicht mehr sagen, aber sie konnte den Angreifer von ihrem Hund trennen. Völlig unter Schock habe ihr Hund gestanden, an mehreren Stellen lief das Blut in Strömen, zwei tiefe Bisswunden wird die Tierärztin später feststellen.

 Bei der Polizei konnte man ihr nicht helfen, erzählt Ingrid Müller, denn ein Hund sei eine Sache, und eine Anzeige wegen Sachbeschädigung könne nur als Tatbestand aufgenommen werden, wenn die Halterin ihren Mastiffmischling auf den kleinen Hund gehetzt hätte, also vorsätzlich. Aber sie möge sich doch an das Veterinäramt des Landkreises wenden, empfahl die Polizei. Dort, so erinnert sich Müller, sei man sehr nett gewesen, sehr interessiert. Ein paar Tage später habe sie auch ein entsprechendes Formular im Briefkasten vorgefunden, auf dem sie vermerken sollte, wie sich alles zugetragen hatte und einen Befund der behandelnden Tierärztin hinzufügen, welche Wunden festgestellt worden waren.

 Die nächste Anlaufstation von Ingrid Müller war das Obernkirchener Rathaus. Das Ordnungsamt und die Steuerstelle waren bereits vom Veterinäramt des Landkreises Schaumburg informiert worden und hatten Ermittlungen aufgenommen.

 Ingrid Müller wird keine weiteren Schritte einleiten und auf ihren Kosten sitzen bleiben, wie sie es formuliert. Denn eine Zivilklage scheint ihr wenig Erfolg versprechend, weil davon auszugehen ist, dass der Halter keine Haftpflichtversicherung hat, die den Schaden regulieren könnte. Im Grunde geht es der Obernkirchnerin, die vor gut zwei Jahren aus einer Großstadt in die Bergstadt zog, um einen anderen Punkt: Grundsätzlich sei jeder Hund gut, aber wenn man ihn schlecht behandle, dann werde er böse, dann könne ein großes Aggressionspotenzial frei werden. „Wer einen Hund hat, der hat eine große Verantwortung.“ In der Großstadt habe man ihren Hund niemals angegriffen, hier in Obernkirchen werde dies anscheinend lockerer gesehen, denn sonst hätte der Mastiff wohl einen Maulkorb getragen. Und dann hat sie eine Frage: „Werden die Hunde in Obernkirchen kontrolliert?“

 „Aber sicher werden sie kontrolliert“, betont Wolfgang Seele vom Steueramt der Stadt. Immer in Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt, aber immer auch im Rahmen der Möglichkeiten – und die sind zuweilen beschränkt.

 Wenn beispielsweise der Mitarbeiter des Steueramtes vor der Tür des Besitzers steht und kontrollieren möchte, dann ist er auf eine Einladung des Mieters oder Wohnungsbesitzers angewiesen. Auch wenn unüberhörbar ein Zimmer weiter ein Tier an einer Tür kratzt, könnte es ja auch eine Katze sein. Auch dem Mastiff, einem Mastiff-Mischling, ist man nachgegangen. Unter der angegebenen Adresse fanden die Mitarbeiter zwei Hunde der größeren Art, aber beide waren in der Bergstadt nicht gemeldet. Und, oh Wunder: Einer wechselte noch am gleichen Abend den Besitzer und zog um, nach Nordrhein-Westfalen.

 Das einzig, so sagt Wolfgang Seele, was uns oft übrig bleibt, ist, „den Besitzer herauszufinden, ihm eine Anmeldung zu schicken und ein Merkblatt beizulegen“. Und der Erfolg? In aller Regel würden die Besitzer im Rathaus auftauchen und ihre Hunde anmelden. Und wenn nicht? Wo die aktive Mithilfe fehlt, formuliert es Seele, da könne man mit einer Steuerveranlagung einen Schritt weiterkommen. Denn bei einer Steuerveranlagung könnten diese Steuern über das laufende Jahr und der vergangenen drei Jahre erhoben werden. Und das summiert sich: 52 Euro für den ersten Hund, 77 für den zweiten und 103 für jeden weiteren. „Das wird schnell ein Rechenexempel“, sagt Seele. Kurzum: „Wir haken nach, wir bohren nach, in aller Regel mit Erfolg.“

 Zumal sich mit dem Inkrafttreten der vom niedersächsischen Landtag beschlossenen Neufassung des Gesetzes über das Halten von Hunden neue und weitreichende Pflichten für die Hundehalter ergeben haben: Für jeden Hund, der älter als sechs Monate ist, muss eine Haftpflichtversicherung mit einer Mindestversicherungssumme von 500000 Euro für Personenschäden und von 250000 Euro für Sachschäden abgeschlossen werden. Außerdem muss jeder Hund, der älter als sechs Monate ist, durch ein elektronisches Kennzeichen mit einer Kennnummer gekennzeichnet werden, er muss gechippt werden.

 Noch restriktiver wird es ab dem 1. Juli 2013: Dann muss der sogenannte Hundeführerschein abgelegt werden. Jeder, der einen Hund hält, muss die dafür erforderliche Sachkunde besitzen. Allerdings gibt es ein sperrangeltorweites Hintertürchen: Die erforderliche Sachkunde besitzt auch, wer nachweislich innerhalb der vergangenen zehn Jahre vor der Aufnahme der Hundehaltung über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren ununterbrochen einen Hund gehalten hat. Immerhin: Diese erforderliche Sachkunde ist der Stadt Obernkirchen auf Verlangen nachzuweisen.

 Und der ungezogene und jetzt umgezogene Mastiffmischling? Der dürfte es in Nordrhein-Westfalen deutlich schwerer haben als im niedersächsischen Obernkirchen. Die Verwaltung hat den Kollegen dort einen kurzen Hinweis über den Umzug gegeben, dort wird man sich jetzt um das Tier kümmern, denn in NRW gelten deutlich härtere Vorschriften für Hunde. So muss dort der Wesenstest bestanden werden – für ein 60 Kilogramm schweres Tier, das grundlos andere Hündchen angreift, ist das keine kleine Hürde.

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