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Werkstatt, Wiege und Zeugnis

Obernkirchen Werkstatt, Wiege und Zeugnis

Ein Besuch in der historischen Schlosserei Bornemann ist immer ein Erlebnis. Vor allem dann, wenn die beiden erfahrenen Metaller und Werkstatt-Akteure Heinz-Jürgen Brandt und Berthold Kasprik das Schmiedefeuer glühen und die Schmiedehämmer sausen lassen.

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In ihrem Element: Heinz-Jürgen Brandt und Berthold Kasprik sind Schmiede-Experten.

Quelle: jp

Obernkirchen. „Das Schmieden ist natürlich immer für unsere Besucher die interessanteste Attraktion“, sagte Brandt, als sich die Tore der historischen Schlosserei jüngst zur „offenen Werkstatt“ öffneten. „Dabei war das Schmieden nie der Hauptschwerpunkt dieser Werkstatt, sondern vor allem die Herstellung und die Reparatur von Werkzeugen.“

 Auch der Beschlag von Pferden habe dort sehr wahrscheinlich nie stattgefunden. „Es gibt in den sehr akribisch geführten Werkstattbüchern keinerlei Hinweis auf Hufschmiederei“, berichtete Kasprik. „Außerdem müsste es hier dann in die Wände eingelassene Ringe geben, an die man die Pferde hätte anbinden können.“ Was nichts daran ändert, dass die Schlosserei Bornemann eines der lebendigsten Zeugnisse Schaumburg-Lippischer Industriegeschichte ist. Und darüber hinaus auch die Wiege des weltweit führenden Pumpenherstellers Bornemann aus Obernkirchen. 1816 ließ Schlossermeister Carl Bornemann das für die damalige Zeit sehr moderne Werkstattgebäude an der Neumarktstraße errichten. Unter anderem arbeitete die Werkstatt als Zulieferbetrieb für die beiden damals in Obernkirchen ansässigen Glashütten. Dort erwarb sich Carl Bornemanns Sohn Johann Heinrich das Rüstzeug für den von ihm später gegründeten Betrieb, die heute in Gelldorf ansässige Pumpenfabrik Bornemann.

 Die industriellen Entwicklungen Schaumburg-Lippes bis ins 20. Jahrhundert lassen sich in der historischen Schlosserei ablesen: Hand- und fußbetriebene Bohrmaschinen stehen da neben wuchtigen Ambossen und Bearbeitungsmaschinen neueren Datums, die über ein Riemengetriebe an der Decke der Werkstatt, eine sogenannte Transmission, angetrieben werden. Wozu ein solches Getriebe? Frühere Werkstätten und Industriebetriebe besaßen oft nur einen einzigen Elektromotor, der das Drehmoment für sämtliche Maschinen zu liefern hatte. Dies geschah über eine solche Transmission, an die die einzelnen Maschinen mittels Flachriemen nach Bedarf angekoppelt wurden. Kasprik kennt dies noch aus seinem eigenen Berufsleben: Als er in den fünfziger Jahren beim Helpser Beschlaghersteller Hautau lernte, wurden 15 große Pressen in der Werkhalle von nur einem Motor angetrieben. „Wenn der einmal ausfiel, standen sofort alle Pressen still.“

 Einmal im Monat, üblicherweise am Nachmittag des ersten Sonntags im Monat, laden Brandt und Kasprik zur „offenen Werkstatt“ in die historische Schlosserei Bornemann ein, informieren über die beinahe 200-jährige Geschichte des Gebäudes und die Entwicklung der Technik und der Industrie, die die Einrichtung in diesen zwei Jahrhunderten erlebte.

 Im September wird die „offene Werkstatt“ ausfallen: Vom 5. bis zum 7. September werden die beiden Metaller nämlich die historische Schlosserei Bornemann zusammen mit dem Industriemuseum Unterer Eisenhammer aus Exten auf der Schaumburger Landmesse „Ährensache“ auf Schloss Bückeburg präsentieren. jp

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