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Obernkirchen Stadt Wille und Glaube
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00:27 25.10.2015
Oliver Schäfer und Andreas Hofmann informieren in der Schulaula. Quelle: rnk
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Obernkirchen

Ganz im Gegenteil, hier werde alles schön geredet, um dann lang und ausführlich von den eigenen – negativen – Erfahrungen mit fremden Mietern zu berichten. Bürgermeister Oliver Schäfer verweist in seiner Erwiderung kurz auf die Lebenserfahrung („Es läuft nicht immer rund“), ehe Hofmann das Mikrofon ergreift. Und dies sagt: „Wir wollen nichts schön reden und nichts schlecht reden, wir wollen was tun.“ 100 Zuhörer in der Aula der Grundschule spenden spontan Beifall.

 Nichts sei beständiger als die Veränderung, hatte Schäfer zuvor erklärt und dabei auf die Flüchtlings-Zahlen verwiesen: Waren es am 8. Oktober noch 78, die der Landkreis in Aussicht stellte, so hatte sich die Zahl sieben Tage später schon auf 110 erhöht, die pro Woche ankommen würden. Bis zum 13. Oktober sei der Landkreis die allein zuständige Behörde gewesen, jetzt seinen auch die Städte und Kommunen aufgefordert, ihren Anteil an der Bewältigung der Flüchtlingsströme zu leisten.

 Innerhalb der Verwaltung sei man in der Bergstadt „personell gerüstet“. Er habe nachgefragt, ob Mitarbeiter in Teilzeit aufstocken möchten, er habe nachgefragt, ob Mitarbeiter Aufgaben der Angestellten, die sich um Flüchtlinge kümmern würden, übernehmen würden, und er habe nachgefragt, ob ehemalige Mitarbeiter sich vorstellen könnten, wieder für die Verwaltung zu arbeiten. Im Rathaus habe er „klare Verantwortungen“ geschaffen, was die Beschaffung und Einrichtung von Wohnraum betreffe. Probleme gebe es auch, sagte Schäfer: Bei der Erstausstattung der Wohnungen gebe es Lieferzeiten, Tische, Bänke, Stühle – „das ist nicht mehr so einfach“. Schäfer räumte an diesem Abend zwei Gerüchte ab: Eine Kündigung von Wohnraum für Flüchtlinge werde es in Obernkirchen nicht geben. Auch eine Ungleichstellung bei den Kindergartenplätzen schloss er aus: Jedes Kind habe den gleichen Anspruch. Grundsätzlich, so Schäfer, wolle man „sehr sachlich“ informieren, aber für die Stadt sei „das Wichtigste, die gestellten Aufgaben zu bewältigen“.

Zwölf Flüchtlingskinder seien in der IGS untergebracht, sagte Waltraud Dennocke. Nach den Herbstferien würden sie in einer Sprachlernklasse geschult werden, eine zweite Lernklasse sei beantragt, aber noch nicht genehmigt. Die Kinder würden teilweise am Unterricht teilnehmen, etwa am Sport oder an Englisch-Stunden, um ihre Sprachkenntnisse zu erhöhen und um sie sozial zu integrieren. Zwei Kinder gebe es in einem Kindergarten. Man wisse nicht, wie viele Personen und wie viele Kinder kommen würden, aber Kinder würden schnell Deutsch lernen. „Wir müssen abwarten und schnell reagieren, aber darin sind wir geübt“, erklärte sie.

 Für den Wohnraum ist Dörte Worm-Kressin seitens der Stadt zuständig. Gesucht würden sichere Übergangswohnungen für Flüchtlinge, die aus dem Aufnahmelager kommen würden. Die Verweildauer in der ersten Wohnung betrage laut Angaben des Landkreises zwei Monate bis zwei Jahre. Wer Wohnungen anbieten will, kann Worm-Kressin unter Telefon (05724) 39520 erreichen. Bisher, so erklärte sie auf dem Podium, sei dies in Obernkirchen „ganz gut gelaufen“.

 Als in Gelldorf zwei Familien mit zwei und vier Kindern angekommen seien, erzählt Hofmann, habe man sich mit Nachbarn und Anwohnern zusammengesetzt und gefragt: Was bedeutet das für Gelldorf? Das gegründete Netzwerk „Obernkirchen hilft“ sei ein Team. „Nicht jeder Einzelne muss alles machen“, aber alle wollten die neuen Bewohner willkommen heißen. „Es besteht Bedarf, sofort zu helfen.“ Man könne aber das DRK oder die Awo nicht ersetzen, „sondern nur ergänzen“. 15 Ehrenamtliche, die Deutsch unterrichten würden, in der Roten Schule, in Gelldorf, im Jugendzentrum, dazu sechs Übersetzer – „man freut sich, weil man weiß, dass das, was man macht, richtig ist“, erklärte Hofmann. Er will für das Netzwerk Spendenkonten bei der Stadt und der evangelischen Kirche einrichten.

 Man muss den Willen haben, und man muss Geduld aufbringen, das war die Kernbotschaft von Schäfer und Hofmann an diesem Abend. Stephan Hartmann vom Awo-Kreisverband verwies in seiner Eigenschaft als Berater für Zuwanderer auf die neuen Zahlen des Landes. In Hannover gehe man davon aus, dass rund 35000 Menschen nach Niedersachsen kommen würden, pro Monat: „Zwei Prozent kommen in den Landkreis Schaumburg. In absehbarer Zeit werden wir uns über anderen Wohnraum unterhalten müssen. Das ist leider so.“ Und: Im nächsten Monat werde die Awo den Obernkirchener Arbeitsbereich des Rintelner Sozialarbeiters Norbert Rose übernehmen. rnk

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