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„Wir behandelten verletzte Menschen – ohne Licht und ohne Wasser“

Obernkirchen / DRK „Wir behandelten verletzte Menschen – ohne Licht und ohne Wasser“

Große Teile von Hannover brannten, als am 8. und 9. Oktober 1943 alliierte Bomber ihre tödliche Fracht über der Stadt auslösten. Zu den Menschen, die verzweifelt darum kämpften, zu retten und zu helfen, wo es nur ging, gehörte Erna Nußpicker aus Obernkirchen. Die inzwischen 86-jährige ehrennamtliche Mitarbeiterin des DRK würde auch heute noch einem solchen Hilferuf Folge leisten.

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Mit der höchsten Ehrennadel, die das DRK zu vergeben hat, zeichnete der Landesverband Erna Nußpicker aus. © sig

Obernkirchen (sig). Sie ist nämlich seit nunmehr 70 Jahren aktiv und hat dafür jetzt eine hohe Auszeichnung des Roten Kreuzes erhalten.

Eine solche Lebensleistung im Dienste der Menschen werden nur wenige aufzuweisen haben. Man darf Erna Nußpicker mit Fug und Recht als ein vorbildlich selbstloses Obernkirchener Urgestein bezeichnen. Sie ist in der Bergstadt geboren und zur Schule gegangen, hat hier auch ihre berufliche Ausbildung hinter sich gebracht und hat nie woanders gewohnt.

Nach dem Pflichtjahr (1939 bis 1940) als Haushaltshilfe bei einer Obernkirchener Familie mit Kindern arbeitete sie zunächst als Weißnäherin und dann als Herrenschneiderin bei der Firma Lohmann im „Deutschen Haus“. Mit der Rinteln-Stadthagener Eisenbahn fuhr sie zur Berufsschule in die Weserstadt.
Im April 1941 trat Erna Nußpicker dem DRK-Ortsverein bei und nahm zusammen mit Schulkameradinnen an einer Ausbildung zur Schwesternhelferin teil. In einer Isolierbaracke des Rintelner Krankenhauses pflegte sie Patienten, die an Diphtherie oder Scharlach erkrankt waren.

Nach dem dreitägigen Bombenangriff im Oktober 1943 auf Hannover wurde die damals 19-jährige Obernkirchenerin zusammen mit anderen Frauen und Feuerwehrleuten dienstverpflichtet zum Einsatz in der schwer getroffenen Stadt. Es galt, verletzte Menschen zu behandeln, zu pflegen, sie mit Essen und Medikamenten zu versorgen.

Erna Nußpicker erinnert sich gut: „Es gab kein Wasser und kein Licht. Das Essen lieferte eine Wehrmachtsküche aus Braunschweig. Wir haben uns die Hände mit Kaffee gewaschen und im Schein von Taschenlampen arbeiten müssen. Neben den Verletzten hatten wir auch viele Menschen mit Rauchvergiftungen. Wir durchlebten drei Tage und Nächte ohne Schlaf.“

Nach der Rückkehr aus Hannover arbeitete sie weiter in einem in der „Roten Schule“ behelfsmäßig eingerichteten Lazarett, in dem 30 Verwundete behandelt wurden. Besondere Erinnerungen hat die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes auch an das Kriegsende, als die Tiefflieger zwei Geschützzüge beschossen, die in der Nähe des Friedhofes und zwischen Weheweg und der früheren Brikettfabrik standen. Dabei wurden vier deutsche Soldaten getötet.

In das Lazarett wurden auch 16- und 17-jährige Hitlerjungen eingeliefert, die den Steinberger Paß verlustreich gegen die anrückenden Amerikaner zu verteidigen versuchten. Im Stift Obernkirchen lagen weitere verletzte Soldaten. Dort wurde auch operiert und in der Küche für beide Einrichtungen gekocht.

Zahlreiche Einwohner hatten die letzten Tage im Liethstollen Schutz gesucht – mit ihren Kindern, Handwagen und der notwendigsten Habe im Gepäck. Zwei Wochen nach dem Einmarsch der amerikanischen Kampftruppen wurden die verletzten Soldaten aus Obernkirchen verlegt.

Erna Nußpicker arbeitete nach Kriegsschluss für eine englische Offiziergesellschaft am Schwarzen Weg, manchmal bis zu 14 Stunden am Tag. Als im Sommer 1946 die ersten Züge mit Vertriebenen aus dem früheren deutschen Osten in der Bergstadt eintrafen, war sie sofort wieder im Einsatz.

In der Mitte der 50er Jahre kamen neue Aufgaben im DRK-Sozialdienst hinzu, der sich vor allem um alte und kranke Menschen kümmerte und zudem bei den Blutspendeterminen im Einsatz war. 25 Jahre lang stand die bewundernswerte Frau an der Spitze dieser Gemeinschaft. Und heute – längst zum Ehrenmitglied ernannt – hilft die 86-Jährige noch immer bei den Blutspendeeinsätzen. Das ist für sie eine Ehrensache.

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