Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Wo Wildschweine gärtnern

Winterwanderung der Landfrauen Wo Wildschweine gärtnern

Der Winter wird seinem Ruf nur selten gerecht. Immer öfter schickt er Tiere und Pflanzen erst Ende Dezember, Anfang Januar unter einer Schneedecke in den Halbschlaf. Auch bei der Winterwanderung der Landfrauen Rinteln/Hessisch Oldendorf erinnern nur die Temperaturen daran, dass nicht mehr Herbst ist, sondern der erste Tag der neuen Jahreszeit.

Voriger Artikel
Suche nach Täter geht weiter
Nächster Artikel
Einbruch in Obernkirchen

Bei schönem Wetter liegt einem auf dem Bückeberg beim Förster-Ick-Blick viel Landschaft zu Füßen, und selbst an nebligen Tagen ist noch viel erkennbar.

OBERNKIRCHEN.  Es ist sonnig auf dem Bückeberg. Auf dem Weg zum Förster-Ick-Blick wird das Weihnachtswetter schnell abgehakt: Mild wird es, etwas stürmisch, und nass. Begleitet werden die Landfrauen vom ehemaligen Förster Frenz-Wilhelm Ick, über 30 Jahre war dort oben sein Revier. „Der Bückeberg hat schon einmal einen Klimawandel erlebt“, erzählt er: „Bis 2000 vor Christus sind dort nur Eichen gewachsen, denn Eichen lieben die Wärme. Dann kam eine Abkühlung, mehr nicht, keine Eiszeit, aber es wurde merklich kühler.“ Das habe dann die Buche gefreut, weil diese mit der relativen Kälte besser zurechtkomme. Zudem pflege sie ein rabiates Wachstum: „Ihr reichen 60 Prozent des Tageslichts.“ Wenn sie oben angekommen ist, etwa unter Eichen, macht sie sich dort so breit, dass die Eiche keine Chance hat.

 Dann hat der Ex-Förster eine Anekdote parat: „Meist gibt es zum Berufsabschied ein Messer-Geschenk von den Kollegen“, erzählt Ick, aber damit sei er schon versorgt gewesen. Daher haben ihm die Kollegen etwas geschenkt, das mit Geld nicht zu kaufen sei: den Förster-Ick-Blick auf einem Tableau mit weitem Ausblick. Am ersten Wintertag 2016 allerdings nicht: Rehren schmiegt sich sichtbar an grüne Hänge, die Escher Mühle ist gerade noch im Nebel erkennbar, aber die A2 ist nur noch zu hören, Deister, Pyrmonter Berge, alles liegt hinter einer grauen Bank.

 Und Ick nimmt den Klimawandel-Faden wieder auf. „Die Fichte könnte zu den großen Verlierern zählen, wenn es wärmer wird.“ Sie sei ein Flachwurzler, daher setze die Forst heute mehr auf die Douglasie, „falls die Fichte mal wegfällt“. Schnellwüchsig ist die Douglasie, immergrün, gutes Holz gibt sie auch. 400 Jahre kann ein Baum alt werden, die Nadeln sind weich und stumpf. Und wenn man sie verreibt, riecht es nach Apfelsine oder Zitrone. „Die Industrie“, erzählt Ick, „liebt die Fichte.“ Wenn es nach ihr gehen würde, würden Förster sie pflanzen, pflanzen, pflanzen, aber vielleicht habe die Natur andere Pläne: „Die Industrie müsste sich umstellen.“

 Rehe gibt es dort oben, Muffelwild auch und viele Wildschweine, aber seit den fünfziger Jahren kein Rotwild mehr: Die Hirsche hätten die Bäume geschält – und mit einer angeknabberten Rinde „ist der Baum erledigt“, sagt Ick. Also habe die Politik entschieden, dem Rotwild mit der Büchse auf den Leib zu rücken.

 Während viele Menschen Wildschweine als echte Plage betrachten, sieht der Förster die Tiere zuweilen aus einem anderen Blickwinkel: „Sie wühlen die Erde auf, sicher“, sagt Ick, „aber dann fallen Bucheckern und Eicheln hinein – und wachsen.“ Darauf fragt eine Landfrau etwas ungläubig: „Das sind die Gärtner im Wald?“ Der Gedanke ist für Nicht-Förster wohl etwas gewöhnungsbedürftig. rnk

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Die SN suchen kreative Schaumburger. Ob Fotografie, Farbe, Skulpturen oder was die Kunst sonst alles hergibt: Unter dem Motto „Schaumburg kreativ“ suchen die Schaumburger Nachrichten auch in diesem Jahr nach Künstlern in der Region. mehr

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Schaumburg