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„Zapfen kacken“ verdrängt die Sorgen

Obernkirchen „Zapfen kacken“ verdrängt die Sorgen

Miteinander quatschen, gemeinsam grillen und einfach nur Spaß haben – um mehr ist es beim vom „Projekt Husky“ ausgerichteten „Kids-International-Tag“ eigentlich nicht gegangen - nur das im Mittelpunkt des am Obernkirchener Jugendzentrums gefeierten Festes zehn Jugendliche standen, die aus Afghanistan nach Deutschland geflohen sind.

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Beim „Zapfen kacken“-Spiel merkt man den jugendlichen Flüchtlingen aus Afghanistan nicht an, welche belastenden Erfahrungen sie mitunter in ihren Herkunftsländern und auf der Flucht gemacht haben.

Quelle: wk

Obernkirchen. Das sind alles unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Alter von 16 bis 18 Jahren, deren Eltern noch irgendwo in den Herkunftsländern leben oder verschollen oder tot sind, berichtete Eva Felka. Und vom Landkreis Schaumburg seien die jungen Männer dann zur Betreuung an das „Projekt Husky“ vermittelt worden. Dabei handelt es sich um eine in Köln respektive Vehlen ansässige Einrichtung der freien Jugendhilfe, die Felka zusammen mit ihrem Ehemann, Volker Harre, betreibt.

Untergebracht sind die zehn afghanischen Jugendlichen in zwei Wohngruppen in Obernkirchen, wo sie von sozialpädagogischen Fachkräften und Erziehern betreut werden. Seitens des „Projekt Husky“ kümmert man sich unter anderem darum, dass die Flüchtlinge zur Schule gehen, Deutsch lernen und eine vernünftige Tagesstruktur haben. Außerdem werden Begegnungen mit einheimischen Jugendlichen sowie „Freizeitangebote mit viel Sport“ organisiert, um die Integration zu fördern und um den Flüchtlingen Zerstreuung zu bieten.

„Jetzt, wo sie sich sicher fühlen, haben sie einen hohen Bedarf an Aufmerksamkeit“, verriet Felka. Einer der Jungen sei beispielsweise mit einem Boot über das Mittelmeer nach Europa geflohen, wobei das Boot aber gekentert und seine Eltern nebst mehrerer Geschwister, die alle ebenfalls mit an Bord gewesen seien, seitdem verschollen seien. Dadurch habe der junge Mann, der seine Familienangehörigen über das Internationale Rote Kreuz sucht, „jede Nacht Albträume“, in denen ihm die Bilder dieses Unglückes immer wieder aufs Neue erscheinen.

Seitens des „Projekt Husky“ bemüht man sich zudem um eine therapeutische Hilfe für den Afghanen, der aber erst mal so weit Deutsch lernen muss, dass er seine Probleme und Gedanken gegenüber einem Psychotherapeuten auch in Worte fassen kann. Denn abgesehen davon, dass es, so Felka, ohnehin lange dauert, bis er einen freien Therapieplatz erhält, gibt es in Deutschland nur sehr wenige Psychotherapeuten, die die afghanische Sprache Dari beherrschen.

Trotz der für die jugendlichen Flüchtlinge schwierigen persönlichen Situation: „Dass sie zur Schule gehen ist nicht verhandelbar“, betonte Felka. Ebenso habe man den Jugendlichen, die „eine Menge Gewalterfahrungen“ mitbringen, den Konsum von Alkohol verboten und ihnen klar gemacht, dass keine Streitigkeiten mit Gewalt gelöst werden. Der respektvolle Umgang mit den in Deutschland gleichberechtigten Frauen sei ebenfalls ein großes Thema.

Zurück zum „Kids-International-Tag“, der den Teilnehmen jede Menge Spaß bot. So hatten Felka und Harre für diese Veranstaltung einen Erzieher der Potsdamer Jugendhilfeeinrichtung „Wegpiraten“ eingeladen, der die Festgesellschaft gut zwei Stunden lang mit Spielen auf Trab hielt. Eine Riesengaudi war etwa das „Zapfen kacken“. Ein Spiel, bei dem es darum ging, sich einen Tannenzapfen zwischen die Knie zu klemmen und diesen hüpfend ins Ziel zu transportieren, wo der Zapfen dann fallen gelassen wurde. Woher dieses Spiel seinen Namen hat, erklärte sich beim Zuschauen von selbst. wk

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