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Obernkirchen Stadt „Zauberstab“ aus dem Schmiedefeuer
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt „Zauberstab“ aus dem Schmiedefeuer
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00:17 22.07.2017
Heiß: Berthold Kasprik zeigt, wie Eisenstangen im Schmiedefeuer zum Glühen gebracht werden. Quelle: kk
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Berthold Kasprik und Hans-Jürgen Brandt sind alte Hasen in Sachen Metallverarbeitung. Kasprik hat Huf- und Wagenschmied gelernt, Brandt Maschinenschlosser. Beide fühlen sich trotz allen technischen Fortschnitts traditioneller Handwerksarbeit verpflichtet – so sehr, dass sie die Kunst der Metallverarbeitung Interessierten erlebbar machen. Dafür gibt es keinen besseren Ort in der Region als die original erhaltene Schlosserwerkstatt an der Neumarktstraße, „Zweigstelle“ des Berg- und Stadtmuseums.

Mit Kindern und Jugendlichen arbeiten die beiden Profis besonders gerne, denn die seien aufgeschlossen, neugierig und begeisterungsfähig. „Wir zeigen heute, dass Metall gar nicht so hart ist, wie es sich für Kinderhände erst einmal anfühlt“, sagt Brandt. Doch dafür bedarf es keines „Zauberstabes“, wie ihn die jungen Gäste heute aus einer Vierkant-Eisenstange und einer Glaskugel herstellen, sondern solider alt überlieferter Handwerkstechniken. Und etwas Mut gehört auch dazu: Schließlich dürfen die Kinder unter Aufsicht selbst am Schmiedefeuer arbeiten und den Hammer schwingen, um das an einem Ende glühend heiße Metall in Form zu bringen. Es folgen klassische Arbeitsgänge der Metallbearbeitung wie Strecken, Weiten und Biegen. Dabei lernen die Nachwuchsschmiede schnell, dass nicht nur Muckis, sondern auch Umsicht und Fingerspitzengefühl gefragt sind.

„Denn was wäre eine Werkstatt ohne Leben?“

Damit nichts passiert, gibt es zunächst eine Sicherheitseinweisung, anschließend werden Lederschütze und Schutzbrille angelegt. Dann übt eine Gruppe als Einführung, krumme Nägel wieder gerade zu hämmern. Immer schön den „Bauch“ nach oben – gar nicht so einfach. Ganz nebenbei entsteht ein Gefühl für Nachhaltigkeit und Sparsamkeit: Früher konnte es sich niemand leisten, einen krummen Nagel einfach wegzuschmeißen. „Sonst gab‘s was hinter die Löffel“, so Kasprik.

Die anderen Jungen nähern sich mit spürbaren Respekt der Esse mit dem Schmiedefeuer. Kein Wunder: Haben sie doch gelernt, dass das Eisen an der glühenden Spitze 1000 Grad heiß wird, dass man mit Vorsicht aber am kühlen Ende anfassen kann, um es auf dem Amboss in Form zu schmieden. Dann gibt es kein Halten mehr: Die verschiedenen Arbeitsschritte werden durchlaufen – am Ende hält jeder seinen „Zauberstab“ als Topfschmuck oder einen kunstvoll gedrehten Haken als Erinnerungsstück in der Hand.

Brandt und Kasprik sind zufrieden: Wieder einmal ist Leben in die alte Schlosserei eingekehrt. „Denn was wäre eine Werkstatt ohne Leben?“, fragt der Schmied. Und wie zur Bestätigung starten die beiden auch noch den alten Elektromotor, der über lederne Transmissionsriemen die alten Bohrmaschinen oder Drehbänke antreibt. Das summt und surrt, quietscht, dröhnt und rattert, dass nicht nur Freunde alter Technik ihre Freude haben. kk

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