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Zu viel Krach!

„Lärmaktionsplan“ - Chance und Risiko Zu viel Krach!

Es gibt ihn zwar, aber er ist nicht vollständig; er ist eine Chance, aber auch ein Risiko für die Bergstadt; er kostet Geld, könnte aber auch welches sparen: „Er“ – das ist der „Lärmaktionsplan“ für Obernkirchen.

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Auf der „Lärmkarte“ rot markiert und damit laut: die B65 im Bereich der „Holtmann“-Kreuzung.

Quelle: tw

Obernkirchen.. Keiner der Bürgervertreter weiß bislang so recht, wie man mit ihm umgehen soll. Einen ersten Versuch, mit dem Papier und seiner Problematik warm zu werden, haben jetzt die Stadtentwickler unter Regie von Manfred Eßmann bei ihrem jüngsten Treffen im Rathaus gemacht.

 Fakt ist: „Alle fünf Jahre müssen die Kommunen gemäß einer EU-Richtlinie anhand von Lärmkarten neu prüfen, ob es auf den Straßen in ihrem Bereich eine Lärmbelastung gibt“, erklärt Heinz Mazur, Diplom-Ingenieur und Geschäftsführer der PGT Umwelt und Verkehr GmbH (Hannover). Besagter Aktionsplan ist, einmal ausgelegt, an eine Beteiligung, ja Mitwirkung der Öffentlichkeit gebunden.

 Das trifft so auch auf Obernkirchen zu. Problem dabei nur: „Das Land“, so Mazur, „hat zwar die Straßen erfasst, auf denen pro Tag 8000 und mehr Fahrzeuge rollen, aber diese Erfassung ist leider nicht vollständig.“ Anders ausgedrückt: Da das dem Lärmaktionsplan zugrunde liegende Zahlenmaterial vielfach alt ist oder auf einer falschen Grundlage erhoben wurde (Tempo 30 statt Tempo 50, Tempo 50 statt Tempo 70) ist die tatsächliche Lärmbelastung in nicht wenigen Teilen des Stadtgebiets größer als derzeit dokumentiert.

 Mazur: „Das führt dazu, dass der Südteil der Kernstadt gar nicht mehr erfasst wird und die Lärmkarten im Prinzip nur den Obernkirchener Bereich der B65 und die L442 bis zur Stadtmitte abdecken.“ Dort würde insbesondere nachts in der Zeit zwischen 22 und 6 Uhr an den Fassaden ein Schallpegel von bis zu 70 Dezibel (db (A)) respektive bis zu 65 db(A) gemessen. Betroffen seien in dem genannten Zeitraum etwa 400 bis 500 Menschen. Kritisch würden indes bereits Werte ab 55 db(A). Wo die überschritten werden, so der Diplom-Ingenieur, könnten Bürger einen Lärmaktionsplan einfordern – „allerdings keine konkreten Schutzmaßnahmen“.

 Da der Fachmann glaubt, dass auch abseits der B65 und in Fortführung der L442 Handlungsbedarf besteht, sei die Stadt gut beraten, die fehlerhaften Lärmkarten des Landes zu korrigieren respektive sie auch auf diese Bereiche auszudehnen. Das allerdings wäre für Obernkirchen bei weniger als 8000 Fahrzeugen täglich kein Muss, sondern eine freiwillige Aufgabe. „Viele Kommunen“, gibt Mazur zu bedenken, „machen das so: Sie erweitern die Kartierung ihrer Straßen, damit kein Bürger behaupten kann: Ihr wollt was unter den Teppich kehren!“ Kurz: Machen oder nicht machen sei eine „Frage der Glaubwürdigkeit“.

 Der Fachmann auf die Frage von Bauingenieur Volker Wehmeier, der bei den Stadtentwicklern als Sachkundiger mitarbeitet, was ein Fortschreiben der Lärmkarten seitens PGT die Stadt denn koste: „ab 1000 Euro aufwärts“. Mazur warnt allerdings davor, gleich die Kostenschere im Kopf zu haben. „Wir sind für Kommunen tätig, die noch klammer sind.“ Außerdem würden sich wahrscheinlich auch für die Bergstadt Fördertöpfe öffnen.

 Derweil ist Horst Sassenberg skeptisch. Der Christdemokrat: „Es wird mal wieder etwas gesucht, wo wir als Stadt Geld ausgeben können – Geld, welches wir nicht haben.“ Außerdem könne es nicht im Sinne der Stadt sein, weitere Straßen zu finden, die in Sachen Lärmbelastung kritisch sind.

 Dennoch hat PGT bereits einen ganzen Katalog an Vorschlägen parat, wie sich der Lärm zumindest links und rechts von B65 und L442 vermindern lässt. Im Einzelnen: B65

 Abschnitt Hauptstraße – Heinrich-Kütemeier-Straße: Eine Reduzierung der Fahrstreifen von vier auf zwei kann den Spitzenpegel um bis zu vier db(A) senken; feste Blitzampeln würden zu einer Reduzierung um bis fünf db(A) führen; die Anlage einer Mittelinsel im Bereich des Ortseigangs könnte den Spitzenpegel um bis zu vier db(A) senken. L442

 Abschnitt Piepenbreite – Willi-Hormann-Straße: PGT schlägt ein Entfernen der Mittelmarkierung vor, das den Spitzenpegel um bis zu vier db(A) reduzieren soll; den gleichen Effekt hätten die Anlage von beidseitigen Schutzstreifen für Radfahrer und der Einbau einer Mittelinsel als Querungshilfe. Am meisten würde alternativ eine halbhohe Lärmschutzwand bringen: eine Minderung des Spitzenpegels von bis zu zwölf db(A).

 Für das aus Neumarktstraße und Heyestraße gebildete Oval empfehlen die Planer darüber hinaus nachts Tempo 30. Auch die Kosten, die mit Masse auf den Bund respektive das Land zukämen, haben die Hannoveraner bereits geschätzt: So würden Mittelinseln mit 20000 bis 30000 Euro je Insel, Fahrbahnverengungen mit 10000 bis 20000 Euro je Verengung, Temporeduzierungen mit 200 Euro je Schild und Schutzstreifen mit sechs Euro pro Meter zu Buche schlagen.

 Vorläufiges Ende vom Lied: Auf Vorschlag von Wilhelm Mevert (SPD) beschäftigen sich die Fraktionen mit dem Lärmaktionsplan und der Reaktion der Stadt auf das Papier. tw

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