Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Zweite Ausgabe der "Freitags-Vorträge"

"Die Toten des Ersten Weltkrieges" Zweite Ausgabe der "Freitags-Vorträge"

„Die Toten des Ersten Weltkrieges“ waren Thema bei der zweiten Ausgabe der „Freitags-Vorträge“ im Museum für Bergbau und Stadtgeschichte. Der Historiker Karl Heinz Schneider präsentierte dort erschütternde Forschungsergebnisse.

Voriger Artikel
Überarbeiteter Haushaltsplan sorgt für Freude
Nächster Artikel
Stift spendet für Kirche in Litauen

 Auf einer Landkarte zeigt Karl Heinz Schneider, wo überall während des Ersten Weltkrieges deutsche Soldaten gefallen sind.

Quelle: wk

Obernkirchen. „Es ist ein bisschen ein Werkstattbericht, den wir hier vortragen werden“, erklärte Schneider. Die Forschungen, mit denen sich seine Studenten und er am Historischen Seminar der Leibniz Universität Hannover seit zwei, drei Jahren intensiver beschäftigten, seien noch lange nicht abgeschlossen.

 Zu den Kriegstoten sind von Schneider und seinen Studenten unter anderem rund 200 Datensätze in Form von Einträgen in regionale Sterberegister ausgewertet worden. Dabei sei der Fokus auf die gefallenen Soldaten aus Obernkirchen, Rolfshagen, Krainhagen und Röhrkasten gelegen worden.

 Zudem haben die Geschichtsforscher Briefe analysiert, die Soldaten damals etwa von der Front an Familienangehörige geschrieben hatten, bevor sie im Krieg ihr Leben lassen mussten. Ferner sind seinerzeit bei den Hinterbliebenen eingegangene Kondolenzschreiben gesichtet worden.

Kriegsgräuel hatte viele Facetten

 Zu den Erkenntnissen, die aus den untersuchten Materialien gewonnen werden konnten, gehört laut Schneider, dass schon die Ausbildung junger Soldaten zu militärischen Kampfpiloten eine „sehr verlustreiche Geschichte“ gewesen ist. Viele Nachwuchspiloten seien nämlich bereits bei Unfällen während der Ausbildung umgekommen, noch ehe sie überhaupt „einen fliegenden Gegner“ gesehen hatten.

 An den Frontlinien indes war der Bodenkrieg „in den Schützengräben sehr stark mit Handgranaten geführt worden“, was jedoch nur eine Facette der Kriegsgräuel gewesen ist. Andere Ausprägungen waren beispielsweise der Einsatz von Giftgas als Massenvernichtungswaffe und das „Abschlachten“ von Soldaten durch den massiven Einsatz von Maschinengewehren.

 In Zahlen ausgedrückt waren in den Jahren 1914 bis 1918 mehr als 13 Millionen deutsche Soldaten in den Krieg geschickt worden, von denen rund zwei Millionen Soldaten gefallen sind, so Schneider. Dabei seien in Relation die meisten Soldaten (rund 1600 Mann pro Tag) in den ersten vier Monaten des Ersten Weltkrieges gestorben, was vermutlich daran gelegen habe, dass diese jungen Männer noch völlig kampfunerfahren gewesen seien.

Falsche Vorstellungen

 Aus Briefen, die Soldaten seinerzeit geschrieben hatten, sei zudem zu entnehmen, dass diese den bevorstehenden Kriegseinsatz zunächst als „so etwas wie ein Abenteuer“ empfunden hätten, führte der Historiker weiter aus. Doch bereits bei den strapaziösen Märschen in die Kampfgebiete seien die Rekruten mit einer Realität konfrontiert worden, die sie „mental und körperlich fast matt setzte“. Und zwar allein schon wegen des täglichen öden Marschierens in noch nicht eingelaufenen Stiefeln. An der Front angekommen, sei die Brutalität der Kampfeinsätze dann der zweite Schock gewesen.

 Laut Max Beeger, der als Geschichtsstudent bei der Vortragsveranstaltung referierte, waren die letzten Kriegsmonate ebenfalls noch einmal besonders verlustreich, da die deutsche Armee damals verzweifelt versucht hatte, die drohende Niederlage abzuwenden und den Krieg doch noch zu gewinnen.

 Wer einen intensiveren Eindruck von den Kriegshandlungen während des Ersten Weltkrieges erhalten möchte, für den hatte Beeger einen Filmtipp parat: den aus dem Jahr 1930 stammenden Spielfilm „Westfront 1918“ des Regisseurs Georg-Wilhelm Pabst. Dieser Antikriegsfilm sei „im Jargon der Zeit“ gedreht und zeichne „ein sehr nahes Bild dessen, wie es wohl gewesen ist“, verriet der Ko-Referent. Vorführen werde man diesen Schwarz-Weiß-Film bei dem „Freitags-Vortrag“ indes nicht, auch nicht ausschnittsweise. Denn: „Er ist zwar ein wertvolles Dokument, aber er macht keinen Spaß.“

wk

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg