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Zwölf Fenster in die Geschichte

Obernkirchen Zwölf Fenster in die Geschichte

Zahlreiche Bergstädter warten bereits sehnsüchtig drauf – denn ohne ihn fehlt in Küche, Wohn- oder Arbeitszimmer etwas.

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Das Stift Obernkirchen im Jahre 1908 – gesehen von der Vehlener Straße aus. Das Foto ist das Titelbild des Kalenders.

Obernkirchen. Geht alles glatt, wird das Warten ab dem kommenden Sonnabend, 29. November ein Ende haben. Denn pünktlich zum Adventsmarkt und -basar soll „er“ zu haben sein: der „Historische Obernkirchen-Kalender“ für 2016, für den Sybille Schlusche, Leiterin des Museums für Bergbau und Stadtgeschichte, einmal mehr die Fotobestände des Geschichtsspeichers am Kirchplatz durchforstet hat. Die Planungshilfe ist eine Reise durch mehr als 100 Jahre Obernkirchener Historie – von dem Foto-Arrangement, das die Korbmacherei der Glashütte Heye um 1900 zeigt bis zum Schnappschuss vom Brand des Trafohauses 1993.

Zwar sind „Zeiten und Themen auf den 13 Blättern bunt gemischt“, wie Schlusche sagt – doch die Auswahl der Motive trägt die ganz eigene Handschrift der Museumsleiterin. Eines ihrer Lieblingsfotos im Kalender ist dabei das August-Motiv: Es ist im Jahre 1949 aufgenommen worden und zeigt das quietschlebendige „Handwerkerfest“ des Kindergartens in Form eines Umzugs durch die Bergstadt. „Das Bild oder richtiger die beiden Bilder“, erzählt Schlusche, „stammen aus einem der vier Tagebücher von Hermine Ladwig.“ Die war über 30 Jahre lang Leiterin des Kindergartens am Ochsenbruch; Ladwig hat ihre handschriftlich verfassten, großformatigen Fotochroniken mit zahlreichen Bastelarbeiten aus Papier verziert und aufs Liebevollste gestaltet; in der Summe sind sie ein echter Schatz aus schwerer (Nachkriegs-)Zeit.

Zwar sind die beiden im Original kleinformatigen und von Schlusche für den Obernkirchen-Kalender groß gezogenen Bilder nicht von der allerbesten Qualität. Dennoch: „Es ist sehr gut möglich, dass sich der eine oder andere Bürger auf ihnen wieder erkennt“, überlegt die Museumsleiterin.

Ein bewegtes und bewegendes Zeitdokument ist aber auch das Foto und Februar-Motiv, das den Marktplatz der Bergstadt um das Jahr 1960 herum zeigt. Zu sehen ist Autotransporter, der gerade den Heye-Brunnen passiert – voll beladen mit Fahrzeugen, die aus heutiger Sicht – begehrte – Oldtimer sind. „Geschossen hat das Bild Trude Krömer, eine damals fast schon legendäre Lokaljournalistin der Schaumburger Zeitung, die den Bereich Obernkirchen beackerte. Als Krömer 1989 starb, hinterließ sie ein Riesenarchiv mit über 11000 Fotos, das eine unerschöpfliche Quelle zur Alltagsgeschichte der Bergstadt in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg darstellt. „Aus Regine Ziegler, Trudes Tochter, ist später eine bekannte Filmemacherin geworden“, weiß Schlusche. Sie produzierte bisher weit über 400 Filme und ist seit 2005 Honorarprofessorin für das Fach Film- und Fernsehproduktion der Filmuniversität Babelsberg.

Ebenfalls aus dem Jahr 1960 datiert ein Bild, das das Zentrum der Bergstadt aus der Vogelperspektive zeigt. Im Kalender ist es das Dezember-Motiv: „Es zeigt noch das Lichtspielhaus („Neues Theater“) und das Pfarrwitwenhaus mit der Färberei und chemischen Reinigung Schmidt“, so die Museumsleiterin. Bauten, die es heute nicht mehr gibt.

Weitere Kalendermotive sind der von einem Fotografen 1908 eingefangene Blick auf das Stift von der Vehlener Straße aus (Titelbild), eine Außenansicht der Brikettfabrik „mit Kuh“ davor, der Beginn der Baumaßnahme Sonnenhof und die früheren Tennisplätze an der alten Bückeburg – um nur einige Fotomotive zu nennen. Schlussendlich ein echtes Dokument der Zeitgeschichte ist eine Aufnahme, die den damaligen Kanzlerkandidaten Willy Brandt ins Bild setzt, wie er 1961 im Rahmen seiner Wahlkampftour mit Heye-Arbeitern spricht; es ist die einzige Profiaufnahme im Kalender.

Zu haben ist der Historische Kalender für Obernkirchen ausschließlich in der Info-Galerie an der Friedrich-Ebert-Straße. Er kostet voraussichtlich 16 Euro. tw

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