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Abschuss „grob tierschutzwidrig“

Wilde Schafsherde Abschuss „grob tierschutzwidrig“

Viele Menschen aus der Region nehmen Anteil am Schicksal der Schafherde, die seit mehr als einem Jahr unbeaufsichtigt im Wald rund um die Schaumburg lebt. „Warum sollten Schafe geschossen werden? Greifen sie etwa Menschen an?“empören sich Leser im Netz über die Abschussbestrebungen des Forstamts.

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Am Baumstamm sind die Verbissspuren zu erkennen, die das Forstamt so ärgern. Für Hobbyschafhalter und Amtstierarzt Dr. Ulf Güber wäre der Abschuss der wild lebenden Schaumburger Schafe grob tierschutzwidrig.

Quelle: jan

Schaumburg. „Echt schaf!“, findet ein Leser, dass Dr. Ulf Güber vom Kreisveterinäramt in Bückeburg sich – ebenso wie die Stadt Rinteln – klar gegen einen Abschuss der Schafe ausspricht. Wie zuvor Anette Sievert und Ulrich Kipp vom Rintelner Ordnungsamt schlägt auch Güber vor, die Tiere mit Hütehunden zusammenzutreiben und einzufangen (wir berichteten). Oder noch einfacher: „Man bräuchte nur mal die Weidefläche zuzumachen.“

Die Lebensgewohnheiten der Schafe sind bekannt. Auf ihrem Zug durch die Gemeinde wurden sie immer wieder in dem Bereich zwischen Deckberger Pass und Rohden, zwischen Paschenburg, „Schaumburger Ritter“ und der Domäne Coverden gesehen – seit vergangener Woche allerdings kaum noch. „Fast scheint es so, als hätten sie Wind davon bekommen, dass man sie abschießen will“, scherzt ein Anwohner.

Narkosegewehr oder Hütehund

„Die Tiere sind standorttreu. Die ließen sich einfangen“, zitiert Kreistierarzt Dr. Güber einen professionellen Schafhalter, mit dem er kürzlich zu tun hatte. Wenn man sie also partout aus dem Wald heraus haben will, würde es wohl keiner allzu großen Anstrengung bedürfen, sie zu finden. Für den Fall, dass das gelingt, könnte für den Kreisveterinär auch „Plan B“ in Kraft treten: Einsatz eines Narkosegewehrs. „Aber ich favorisiere die Lösung mit Hütehunden“, erklärt Güber, für den das Abschießen der Herde ein Unding wäre. „Da bringt man gleich Lämmer und trächtige Schafe mit um. Wer will denn so was!“ Und der Amtstierarzt, selber Hobbyschafhalter, fügt noch hinzu: „Muttis und Lämmer abzuschießen, das wäre grob tierschutzwidrig!“

Ob sich möglicherweise Muffelwild mit den weiblichen Schafen gepaart hat, kann Güber nur vermuten. Der Auetaler Hermann Platte, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, sagt dazu im Gespräch mit unserer Zeitung: „Das würde man sehen.“ Der Mufflon, ein Wildschaf, ist Hornträger. Und im Gegensatz zum Hausschaf, einer domestizierten Form des Mufflons, dürfen Jäger es erlegen. Das Hausschaf hingegen, selbst wenn es wild lebt und sich überwiegend im Wald aufhält, ist für bewaffnete Grünröcke tabu.

Platte: „Jeder Jäger, der ohne Schießerlaubnis auf ein Haustier schießt, macht sich strafbar.“ Selbst Gatterwild, also Dam-, Rot- oder Schwarzwild, das eingezäunt am Waldrand gehalten wird, dürfe nur mit Schießerlaubnis geschossen werden. All denjenigen, die eine andere Auffassung vertreten, empfiehlt er, „die Finger gerade zu lassen“.  jan

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