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Achtung, Wildwechsel!

Jagdpächter im Einsatz Achtung, Wildwechsel!

Brunft und Ernte sorgen derzeit für vermehrten Wildwechsel auf unseren Straßen. Nicht selten kommt es dabei zu Unfällen. Die beiden Jagdpächter Andreas Weiße und Thomas Senke aus Goldbeck gehören zu den Menschen, die bei Wildunfällen in ihrem Revier von der Polizei herausgerufen werden.

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Manche Wildunfälle gehen auch für den beteiligten Autofahrer nicht glimpflich aus.

Quelle: tol/cm

Goldbeck/Extertal. „In Goldbeck werde ich so zwei- bis viermal pro Jahr alarmiert“, erzählt Weiße im Gespräch mit dieser Zeitung, während Senke, der zusätzlich für den Bereich der Hamelner Straße im Extertal zuständig ist, schon mal auf vier Einsätze pro Monat kommt. Beide appellieren an die Autofahrer: „Ruft im Falle eines Wildunfalls auf jeden Fall die Polizei an.“ Selbst wenn am Auto kein Schaden entstanden und das Wild anscheinend unverletzt geflüchtet ist, sei es sinnvoll, eine kurze Meldung mit möglichst genauer Ortsangabe durchzugeben.

„Verletztes Wild kann unter Adrenalin-Einwirkung durchaus noch ein Stück weglaufen“, wissen die beiden Jäger. Und bei inneren Verletzungen – gar nicht selten beim Aufprall eines Tieres auf ein Auto – gebe es auch keine Blutspur, die als Hinweis dienen könnte. „Wenn möglich, warten Sie auf das Erscheinen des zuständigen Jagdpächters“, so der zweite Wunsch der beiden Goldbecker. Zum einen könne mancher Fahrer noch Angaben machen, wohin das angefahrene Wild geflüchtet ist, zum anderen ließen sich manchmal auch am Wagen noch wertvolle Hinweise finden. „Anhand von Blut und Haaren am Fahrzeug können wir bestimmen, was für ein Tier angefahren und an welcher Stelle des Körpers es verletzt wurde.“

Man merkt den beiden Kennern der Tierwelt an, wie sehr ihnen dieses Thema am Herzen liegt. „Wir haben einfach schon zu viel Leid gesehen. Stücke (Jagdsprache für Wild), die sich noch tagelang mit schweren inneren Verletzungen im Unterholz versteckten, verwaiste Kitze, die elend verhungerten, weil der Tod ihrer Mutter nicht angezeigt wurde, Tiere mit offenen Brüchen der Gliedmaßen, von Schmerzen gequält und von Fliegen quasi aufgefressen“, so die bedrückenden Beschreibungen der Jagdpächter. Und man versteht, warum sie ihnen so wichtig ist, das angefahrene Wild möglichst früh von seinem Leid erlösen zu können.

„Manchmal ist es das soziale Verhalten der Tiere, das ihnen zum Verhängnis wird“, erläutert Weiße weiter. „Wenn zum Beispiel die Bache ihre Frischlinge über eine Straße führt und Gefahr wittert, dann stellt sie sich in bester Schülerlotsenmanier quer auf die Fahrbahn, um ihre Jungen zu schützen. Wird dabei die Bache getötet, bedeutet das auch das Ende für ihren Wurf. Es tritt genau das ein, was das Muttertier eigentlich verhindern wollte.“

Ist es trotz aller Vorsicht seitens der Autofahrer zu einem Unfall gekommen, sollten Beteiligte anschließend nicht den Kopf verlieren: „Sichern Sie währenddessen den Unfallort ab. Warnblinkanlage, Sicherheitsdreieck. Und halten Sie sich unbedingt vom Tier fern,“ raten die Experten. Zum einen könne ein Mensch, der sich dem verletzten Tier nähert, dieses auf scheuchen. Es wäre später folglich für den Jäger schwerer zu finden. Zum anderen könnten Wildtiere, die sich bedroht fühlen, auch aggressiv reagieren. „Wir Menschen sind die größten Feinde der Wildtiere. Kommen wir ihnen nahe, löst das unglaublichen Stress bei ihnen aus“, erläutert Weiße.

„Es gibt hier immer wieder falsch verstandene Tierliebe bei den Autofahrern. Kürzlich kamen wir auf einen Unfallort zu, wo junge Leute, die nachts auf dem Heimweg von einer Veranstaltung ein Reh angefahren hatten, alle mitleidig um das Tier herum saßen und es streichelten.“ Und Senke ergänzt: „Für uns ist dann sofort klar: Dieses Tier ist schwer verletzt, sonst würde es niemals freiwillig in so einer Situation bleiben. Das muss schnellstmöglich erlöst werden.“

Für die jungen Leute sei das natürlich erst mal ein Schock gewesen, als er sofort zur Flinte gegriffen habe. Aber für Erklärungen sei in derlei Fällen oft erst im Nachhinein Zeit. Wichtig sei vor allem, den Anweisungen des Jägers Folge zu leisten. „Wenn das Tier durch einen Schuss erlöst werden soll, müssen die Menschen genügend Sicherheitsabstand wahren. Straßenböschungen bieten oft keinen guten Kugelfang. Da muss mit Querschlägern und herumfliegenden Steinen gerechnet werden.“

Liegt das Tier direkt unter dem Auto, sei es manchmal besser, auf einen Schuss zu verzichten und ein Jagdmesser einzusetzen. „Das sind für uns besonders gefährliche Situationen, weil wir dabei sehr nah an Hufe, Gehörn oder Hauer der Tiere geraten“, erklären die Jäger. Ist das Wild nach dem Unfall geflüchtet, beginne für die Pächter die häufig langwierige Suche mit ihren Hunden. cm

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