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Alles muss raus!

Bernser Steinbruch Alles muss raus!

Der ganze Bereich vor dem Bernser Steinbruch erinnert an eine noch unentdeckte Landschaft auf der erdabgewandten Seite des Mondes, nur ein bisschen feuchter, und Bruno Scheel will es auch gar nicht abstreiten: „Für Außenstehende“, sagt er, „ist das schon schwere Kost, aber rein fachlich gesehen ist das eine sinnvolle Maßnahme.“

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Der Nabu richtet die Tümpel vor dem Bernser Steinbruch wieder her.

Quelle: rnk

BERNSEN. Diese sinnvolle Maßnahme wird mit dem Bagger durchgeführt, und der Aufgabenbereich ist schnell umrissen: Einfach alles aus- und wegreißen, was rund um die Tümpel vor dem Steinbruch in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten gewachsen ist, jeden Baum, jede Wurzel, einfach alles weg.

Die Tümpel vor den Steinbruch-Toren wurden nicht etwa von Scheel und dem Naturschutzbund (Nabu) angelegt, sie waren zum großen Teil schon vorhanden, als sich die Naturschützer um sie kümmerten. Damals wurde Ton in diesen Bereich gebracht, um so unterschiedliche Lebensräume anbieten zu können: Verschieden hohe und große Tümpel bieten unterschiedliche Bedingungen. Vor allem sind sie mal mit Wasser gefüllt und mal völlig trocken, von temporären Gewässern spricht dann der Naturschützer.

Wie lange das alles her ist, das weiß Scheel auch nicht mehr, vielleicht 25 Jahre. Aber heute führen nur noch zwei Tümpel Wasser, und das auch nur, wenn es zuvor heftig geregnet hat. Denn die Wurzeln der Bäume haben für das Tümpelwasser Abflusskanäle geschaffen, zudem entziehen die Bäume auch noch Wasser.

Molche suchen sich eine neue Bleibe

Dazu kommt, dass der höher gelegene Zufahrtsbereich zum Steinbruch aufgeschüttet wurde. Die Folge: Das Regenwasser fließt nicht mehr in die Tümpel und Kleinteiche, sondern nach rechts und links in den Wald. 30, 40 Zentimeter tiefe ausgewaschene Erosionsspuren sprechen vor der Einfahrt ihre eigene Sprache. „Letztlich“, zieht Scheel Bilanz, „ist in den Tümpeln einfach keine Wasserhaltung mehr möglich.“ In Absprache mit den Landesforsten werde dort der Bagger auch dafür sorgen, dass das Wasser künftig wieder dorthin fließe, wo es gebraucht werde: nach unten, in die Tümpel.

Zudem werfen die Bäume Schatten, und es gibt für die Tümpel kein Licht mehr. Das wiederum führt dazu, dass der Molch irgendwann beschließt, es sei höchste Zeit, weiterzuziehen und sich eine neue Bleibe zu suchen.

Was sich vielleicht ein bisschen flapsig anhört oder liest, kann Scheel mit Zahlen untermauern: Es wurden im Lauf der Zeit immer weniger Molche, die dort leben wollten. Und selbst wenn sie bleiben, so wurden doch die Entwicklungszeiten der Populationen länger. Auch Libellen, die jahrelang dort lebten und laichten, sind selten geworden: Es fehlt ihnen an Sonne. Außerdem haben Bäume die ärgerliche Angewohnheit, dass sie von Zeit zu Zeit ihre Blätter abwerfen, die sich wiederum im Tümpel als modrige Schicht ablagern.

Gelbbauchunke erfolgreich angesiedelt

„Auf der anderen Seite“, sagt Scheel, „ist der gesamte Bereich es wert, dass er jetzt wieder aufgewertet wird, denn hier leben Bergmolch und Grasfrosch, die hier im Frühjahr abgelaicht haben.“

Scheel, „Schaumburgs coolster Naturschützer“, wie ihn die Nabu-Kreisvorsitzende Petra Sittig mal genannt hat, hat sich aus offiziellen Ämtern zurückgezogen. Er ist aber noch immer an exponierter Stelle für das Gelbbauchunken-Projekt zuständig, das unter Federführung des Nabu Niedersachsen über sechs Jahre in halb Deutschland durchgeführt wird. Zudem gibt Scheel sein Wissen jenseits der Landkreisgrenzen weiter.

Für die Gelbbauchunke, die ähnlich karge Landschaft schätzt wie Grasfrosch und Bergmolch, ist der Bereich vor dem Bernser Steinbruch nicht mehr als ein Trittstein – ein Platz, an dem sie mal kurz durchschnaufen kann, bevor sie weiterwandert. Im Steinbruch selbst ist sie nämlich schon erfolgreich angesiedelt. „Die Tümpel“, sagt Scheel, „sind nicht als Reproduktionsplatz für sie gedacht.“ Aber man müsse dennoch versuchen, ihre Fressfeinde aus den Tümpeln herauszukriegen. Wenn das Wasser fehlt, dann überleben diese nicht – das freut die Gelbbauchunke. Scheel nennt ein Beispiel: „Fehlt dem Fisch das Wasser, weil der Teich ausgetrocknet ist, dann stirbt er.“

Auf die Vegetation brauche man bei den Arbeiten mit schwerem Gerät keine Rücksicht zu nehmen, sagt Scheel, die komme von allein zurück, und zwar schnell. Und wenn die Teiche dort irgendwann mal wieder trocken seien, erklärt der Naturschützer zum Abschied, dann heiße das nicht, dass die Maßnahme gescheitert sei, ganz im Gegenteil: „Das ist so gewollt.“ rnk

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