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Anfang ist gemacht: Klare Mehrheit für Neubau

Uchtdorf / Dorfgemeinschaftshaus Anfang ist gemacht: Klare Mehrheit für Neubau

„Verliert Euch nicht im Streit um Details. Sagt, ob Ihr den Neubau wollt oder nicht“, appellierte Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz nach mehr als zwei Stunden kontroverser Diskussion um den geplanten Neubau eines Dorfgemeinschaftshauses für Uchtdorf.

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Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz (von links), Werner Schwochow (Feuerwehr) sowie Angelika Requardt und Rolf Wallenstein von der Dorfgemeinschaft informieren die Bürger und moderieren die Diskussion.

Quelle: dil

Uchtdorf. Uchtdorf (dil). Während die Gegner sich immer wieder im Kreis drehten mit ihren wenigen Argumenten, boten die Befürworter sogar Entgegenkommen an. Am Ende gab es eine Probeabstimmung: 55 waren für den Neubau, fünf dagegen, drei Enthaltungen kamen hinzu. Zu diesem Zeitpunkt hatten aber 26 Teilnehmer den Saal des alten Dorfgemeinschaftshauses verlassen.

 Eingangs hatte Buchholz die Frage „Quo vadis Uchtdorf?“ gestellt: „Soll aus Ihrem Ort ein reines Schlafdorf werden, oder soll er attraktiv werden mit einem in Eigeninitiative betriebenen Mittelpunkt?“ Erste Häuser seien bereits leer, stünden zum Verkauf. Die Einwohnerzahl sei in 20 Jahren von 738 auf 657 gesunken. Und das Rathaus könne langfristig nicht mehr alles richten, finanzielle und personelle Ressourcen reichten dafür nicht. Zudem werde es künftig noch mehr Wettbewerb um Einwohner geben. Ältere Leute zögen immer öfter in die Stadt.

 Buchholz nannte die beiden Alternativen: Das alte Dorfgemeinschaftshaus nur noch instand halten oder einen Anbau an das Feuerwehrhaus schaffen. Die 490000 Euro für eine Totalsanierung des Altbaus werde die Stadt nicht ausgeben. Für den 360000 Euro teuren Anbau stünden sogar 150000 Euro Zuschuss aus dem „Leader“-Programm der EU in Aussicht – aber nur bis 2013. Das Hochwasserproblem sei durch Aufständerung des Anbaus gelöst. Der Bolzplatz werde nur wenig verkleinert und verschwenkt. Und das Geld stehe im Etat bereit. Bedingung des Verwaltungsausschusses sei es aber, erst den Bürgerwillen zu erkunden. Und dann müssten die Uchtdorfer einen Trägerverein gründen, der das neue Dorfgemeinschaftshaus übernimmt. Der Altbau solle verkauft werden.

 Angelika Requardt, Vorsitzende, und Rolf Wallenstein (Kassierer) von der 186 Mitglieder zählenden Dorfgemeinschaft sowie Werner Schwochow (Feuerwehr) leiteten die Versammlung. Sie berichteten, dass die Satzung für den Trägerverein bereits zu 80 Prozent fertig sei. Der Unterhalt des Neubaus werde rund 3000 Euro pro Jahr kosten, wesentlich leichter zu tragen als die 9000 Euro für den Altbau. Der Bolzplatz werde vom eher quadratischen „Acker“ zu einem turnierfähigen Kleinspielfeld von 20 mal 40 Metern. Parkplätze könnten neben dem Spielfeld entstehen. Und im Inneren des Neubaus ließen sich Angebote für alle Generationen schaffen. 237 Termine von Gruppen kämen schon jetzt im Altbau pro Jahr zusammen, Bedarf sei also da. Der Neubau könne auch für Familienfeiern, Beerdigungskaffee und kleinere Geselligkeiten genutzt werden. Durch Fenster nur an der Rückseite sei die Lärmbelästigung eher gering.

 Die Neubaugegner ließen sich von ihren altbekannten Argumenten nicht abbringen: Der Bolzplatz werde zu stark beschnitten. Bei großen Feiern reichten die Parkplätze nicht. Betrunkene könnten Zäune beschädigen. Zum Unterhalt des Naubaus müsse dieser oft an Fremde für Partys vermietet werden. Einmal wurde gar für den Abriss des Altbaus und einen dortigen kompletten Neubau plädiert. Ob es denn dafür keine „Leader“-Mittel gebe? Aber andererseits sagten Gegner, ein Neubau sei Steuergeldverschwendung, da er ja fast nur von alten Leuten genutzt werde. So würde Uchtdorf nicht attraktiv für junge Familien.

 Buchholz räumte ein, die Option Abriss und Neubau sei in Bezug auf „Leader“-Mittel nicht geprüft worden. Aber er machte auch klar: „Wenn ein Verein die Trägerschaft für den Altbau übernehmen will, soll mir das auch recht sein. Aber bisher wollte das kein Verein.“ Ohne Neubau würde die Stadt viel Geld sparen, und Bolzplätze gebe es in den nahen Nachbardörfern auch genug. Aus dem Publikum hieß es zudem immer wieder, der Altbau sei so unattraktiv und kalt, da wolle fast niemand mehr feiern.

 Während die Debatte nun mit Tricks und Provokationen sowie gegenseitigen Vorwürfen mangelnder Fairness abglitt und durch das Ansetzen einer Raucherpause die dicke Luft etwas verzog, gab es nur zwei Beiträge mit längerem Beifall: „Wenn wir keinen Neubau wollen, haben wir in fünf Jahren gar keinen Gemeinschaftsraum mehr.“ Und: „Am Friedhof ist mehr Verkehr als hier beim Dorfgemeinschaftshaus. Und dieser Altbau ist doch eine Schrottimmobilie.“

 Am 20. März (20 Uhr) soll im alten Dorfgemeinschaftshaus der Trägerverein gegründet werden, so Requardt. Danach wird die Stadt eine Bürgerbefragung durchführen. Bei klarer Mehrheit dürfte der Rat das Geld für den Neubau freigeben.

 Die drei Moderatoren ermahnten die Einwohner immer wieder zur Mitarbeit und Unterstützung. Und beides wird vorab schon bei zwei anderen Ereignissen zum Erfolgsfaktor: Am 31. März ist die Abfuhr des Grünschnitts durch die Feuerwehr zum Osterfeuer. Am 14. April wird Einsatz beim Dorfputz unter dem Motto „saubere Landschaft“ erwartet. Die Helfer bekommen anschließend auf dem Bauhof Bratwurst und Bier. 

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