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Arensburg verliert an Wert

Dramatischer Preisverfall Arensburg verliert an Wert

Für 3,9 Millionen Euro ist die Arensburg im Jahr 2003 in der „Welt“ als Immobilie des Monats angeboten worden. Jetzt steht das „herrschaftliche Anwesen“ (so der Anzeigentext) für 800.000 Euro in einem Immobilienportal im Internet.

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Inzwischen sitzt womöglich bereits Hausschwamm im Gebälk der Arensburg. Eine dafür typische Fliegeninvasion weist darauf hin.

Quelle: tol

Steinbergen. Ein dramatischer Preisverfall innerhalb von zwölf Jahren. Und der Wanderpokal wird zum fünften Mal weitergereicht. Doch inzwischen geht es längst um mehr. Nämlich um den Erhalt des Schlosses. Und inzwischen wird mit harten Bandagen und Tricks gekämpft. Längst sind auch Emotionen im Spiel.

 So hat der Bielefelder Unternehmer Kai Kobold viel Zeit und Arbeit investiert, um ein Nutzungskonzept für das Schloss mit seinen 85 Zimmern und seinem „blauen Salon“ zu entwickeln, in dem schon Gerhard Schröder diniert hat.

 Es gibt wohl niemand, der den derzeitigen Bauzustand besser kennt. Und dieser sei, so die Einschätzung von Kobold, inzwischen katastrophal. Er hat sich mehrmals um Investoren für das Schloss bemüht, auch geplant, selbst mit Freunden einzuziehen. Gescheitert ist jeder Ansatz letztlich daran, dass man sich mit der Eigentümerin Christiane Bennink aus Münster nicht über den Preis habe einigen können.

 Anfang des Jahres gab es dann doch einen Besitzerwechsel. Schlossherr ist jetzt Achim Hecht aus Leipzig. Doch auch der hat offensichtlich nur ein Interesse – nämlich die Immobilie weiterzuverkaufen.

 Doch Kobold gibt nicht auf, sieht aber inzwischen schwarz für die Zukunft des Schlosses: Er sei in der vergangenen Woche mit einem Interessenten durch die Arensburg gegangen: „Der war nach zehn Minuten wieder weg, nachdem er gesehen hat, dass es im Gebälk erste Anzeichen von Hausschwamm gibt, die dafür typische Fliegeninvasion inklusive.“

 Für Kobold, Spezialist für Altbausanierung, trägt an dem anscheinend unaufhaltsamen Verfall der denkmalgeschützten Immobilie auch die Stadt Rinteln ihren Anteil, der es nicht gelungen sei, gegenüber den jeweiligen Besitzern die wichtigsten Sicherungsmaßnahmen durchzusetzen, zu verhindern, dass bei Regen weiter Wasser in das Schloss läuft. Dabei wisse das Bauamt längst, worum es gehe, habe selbst einen Maßnahmenkatalog zusammengestellt. Realisiert worden sei davon nach den Beobachtungen von Kobold so gut wie nichts. Der derzeitige Eigentümer Achim Hecht widerspricht dieser Aussage allerdings vehement. Bennink sei den Auflagen sehr wohl nachgekommen. Das Dach des Schlosses sei dicht, betonte er gestern in einem Telefongespräch: „Da kommt kein Tropfen Regen mehr durch.“

 Zu dem meldepflichtigen Hausschwamm, der möglicherweise bereits im Gebälk sitzt, wollte er sich nicht äußern, bestätigte aber, dass das Schloss wieder zum Verkauf stehe. Hecht kündigte an, er werde in der nächsten Woche – voraussichtlich am Dienstag – nach Rinteln kommen und dann auch offene Fragen mit dem Bauamt klären.

 Für Kobold scheint die Rettung des Schlosses aus dem 14. Jahrhundert, errichtet von den Grafen Holstein-Schaumburg, inzwischen ein persönliches Anliegen geworden zu sein. Er kämpft nämlich für die Burg auf seine Weise an allen Fronten.

 So hat er eine E-Mail an den Makler geschickt, der auf der Immobilienplattform jetzt die Arensburg angeboten hat. Kobold schreibt unter anderem: „Mittlerweise befindet sich neben massivem Schimmelbefall auch meldepflichtiger Hausschwamm im Gebäude. Daher muss ich ihr Angebot und ihre Objektbeschreibung hier als arglistige Täuschung ansehen.“

 Und er lasse inzwischen von seinem Anwalt eine Strafanzeige wegen Unterlassung gegen die Stadt Rinteln prüfen.

 Baudezernentin Elena Kuhls betonte gestern auf Anfrage, dass man selbstverständlich mit dem derzeitigen Schlosseigentümer in Kontakt sei. Grundsätzlich sei bei dem Erhalt eines Denkmals aber nicht die Stadt und damit der Steuerzahler, sondern der Eigentümer selbst in der Pflicht.

 Es werde jetzt von der Stadt geprüft, ob es sich – wie von Kobold beschrieben – tatsächlich um meldepflichtigen Hausschwamm handele oder nicht. Allerdings sei die Situation hier noch anders als in einem bewohnten Haus, wo Bewohner gefährdet sein könnten, wenn Gebäudeteile herabfallen oder sogar das Haus einzustürzen drohe. Dann wäre die Stadt auch sofort tätig geworden. wm

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