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Auf der Erfolgswelle

Ackerarbeit in der Gemeinschaft Auf der Erfolgswelle

Ruth Radtke kommt an diesem Tag mit „Zaubersuppe“, einer bunten Kräuter-Gemüsesuppe, püriert und bezaubernd lecker abgeschmeckt, zum Acker auf dem Winterberg in Vlotho.

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Gärtner Lothar Warner (vorne) und seine Mitstreiter Ruth Radtke (von links), Jörg Stahlhut, Martina Schoemaker, Gunnar Kieß und Ralf Drewes freuen sich über frisches Gemüse vom Feld.

Quelle: cm

Vlotho/Rinteln. Für alle Anwesenden gibt es ein kleines Marmeladenglas voll. Die Bankangestellte und Ernährungsfachfrau aus Rinteln hat die Suppe aus den Resten der letzten Wochenration gekocht. Denn jetzt kommt das frische Gemüse: eine üppig gefüllte Kiste, die Sommerernte eben.

 Kostbares Gemüse wegzuwerfen, das geht gar nicht. Also bringt es die großzügige Köchin eher als Suppe oder Smoothie unters Volk, schließlich hat sie einen besonderen Bezug zu „ihrem“ Gemüse. Sie ist mit dem Platz, wo es wächst, dem Acker auf dem Winterberg, verbunden, sie weiß, wie Boden und Pflanzen bearbeitet werden, und kennt den Gärtner persönlich. Die Rintelnerin ist Mitglied der Vlothoer Gruppe „Solidarische Landwirtschaft“, kurz: Solawi.

 Radtke fand über „Mundpropaganda“ zu der Initiative. „Bekannte erzählten mir von dem Vorhaben“, berichtet sie. „Ich ging hin und war gleich begeistert.“ Die noch junge Gemeinschaft – sie wurde 2014 gegründet – ist Teil einer neuen gesellschaftlichen Bewegung. „Ursprünglich kommt der Gedanke aus Hamburg“, erklärt Gemüsegärtner und Initiator Lothar Warner. „Doch so richtig Fahrt hat die Bewegung aufgenommen, nachdem sie von Amerikanern aufgegriffen worden ist. Die betreiben mittlerweile erfolgreich über tausend Solawi-Projekte. Jetzt schwappt diese Erfolgswelle zurück, und auch bei uns entstehen ständig neue Gruppen, die nach diesem Konzept arbeiten“, weiß der Gärtner.

 Für so eine Gruppe brauche es einen kundigen Gemüsegärtner, Land und eine Gruppe Menschen, die über einen festen monatlichen Beitrag für die Deckung der Betriebskosten sorgen, erläutert Warner weiter. „Im Gegenzug erhalten die Mitglieder einen Anteil von den frischen Produkten, die im Projekt erzeugt werden.“

 Bei der Gründung ihrer Gruppe haben die Vlothoer großes Glück gehabt. Mit Warner steht ihnen ein erfahrener Gärtner zur Verfügung, der sich, obwohl schon berentet, mit seiner ganzen Kraft und seinem Wissen für das Gelingen des alternativen Vermarktungsmodells einsetzt. Mit großer Voraussicht hat er nach und nach Land in einem Naturschutzgebiet aufgekauft. Kleine Parzellen wurden für den Gemüseanbau vorbereitet. Drum herum entstanden Streuobstwiesen, Hecken und extensiv genutztes Weideland.

 Um den Boden fruchtbarer und auch widerstandsfähiger gegen Trockenheit zu machen – es fehlt häufig an Niederschlägen und auch die Temperaturen sind auf dem Winterberg niedriger als im Umland – brauche es einen Vorlauf von etwa fünf Jahren. Warner setzt dabei fast ausschließlich auf Humusbildung. Leguminosen und Klee/Grasmischungen werden eingesät, gemäht und in den Boden eingearbeitet.

 Im letzten Jahr vor der Gemüseeinsaat kommt dazu noch etwas Schafs- und Rindermist zum Einsatz. Erst nach Abschluss dieser jahrelangen vorbereitenden Maßnahmen, hat sich der Gärtner auf die Suche nach Mitstreitern gemacht.

 „Ich habe das Solawi-Modell auf einer Tagung kennengelernt und war sofort begeistert“, blickt Warner zurück. „Alles, was mir persönlich wichtig ist, lässt sich in diesem Rahmen umsetzen. Ich kann dazu beitragen, eine lebendige, abwechslungsreiche Landschaft zu gestalten, die auch Lebensraum für die unterschiedlichsten Tiere bietet.“

 Mit der biologischen Humus bildenden Anbauweise sorge er für Nachhaltigkeit bei der Bodenqualität. „Und ich kann Menschen in der näheren Umgebung mit hochwertigem Gemüse versorgen. Durch den direkten Kontakt zum Acker, wo wöchentlich der Anteil abgeholt wird, erfahren sie dann hautnah, wie viel Arbeit, Planung und Geduld der Anbau von Gemüse erfordert“, schildert Warner. So entstünden Wertschätzung und Verständnis für die Abläufe in der Natur und Gemeinschaft.

 Bis heute hat die Solawi Vlotho 35 Mitglieder. Warner hat ausgerechnet, dass er mit seinen Anbauflächen sogar etwa 100 Familien mit Gemüse versorgen könnte. Wer sich für die Solawi Vlotho interessiert, dem sei am Sonntag, 23. August, das öffentliche Sommerfest der Gemeinschaft empfohlen. Es findet ab 11 Uhr am Acker in der Bretthorststraße (auf Höhe der Hausnummer 221) statt.

 So ein Besuch vor Ort kann manchmal mehr bewirken als tausend Worte. Am Acker erschließt sich die Auswirkung eines ganzheitlichen Blickwinkels direkt und wird für alle Sinne erfahrbar. So ausgewogen, abwechslungsreich und schön, wie die ganze Landschaft wirkt, so sehen auch die einzelnen Beete aus. Harmonische Pflanzengemeinschaften, wo eine Art durch die Nachbarschaft der anderen profitiert, Blumen und Kräuter dazwischen erfreuen Auge und Herz. Und dass sich die Qualität der Ausgewogenheit auch im Nährwert der einzelnen Pflanzen wiederfindet, davon ist Gärtner Warner überzeugt.

 Die Solidarische Landwirtschaft Vlotho ist via E-Mail (solawi-vlotho@t-online.de) zu erreichen oder telefonisch unter der Rufnummer von Jörg Stahlhut, (0571) 388 3069.

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