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Auf der Suche nach der neuen Perspektive

Rolfshagen Auf der Suche nach der neuen Perspektive

Wenn Frauen über ihre Wünsche, was die eigene berufliche Entwicklung angeht, sprechen, ergibt das für den Zuhörer manchmal einen merkwürdig widersprüchlichen Eindruck. Das konnte man jedenfalls beim Initiativtreffen der Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft in Rolfshagen feststellen.

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Rolfshagen. Mit großer Bescheidenheit und Selbstverständlichkeit werden da qualifizierte Abschlüsse, Teilnahme an umfangreichen Fortbildungen, ungewöhnliche berufliche Erfahrungsschätze, ehrenamtliche Zusatztätigkeiten und nicht zuletzt die Verantwortung für eigene Kinder genannt. Und zugleich tritt eine ausgesprochene Unsicherheit zutage, ob man den Ansprüchen des Arbeitsmarktes wohl genügen würde. „Wenn man bei Bewerbungen von den 18 angeforderten Fähigkeiten so ungefähr 4,5 erfüllt, geht das Selbstbewusstsein gegen null“, beschreibt eine Teilnehmerin ihre Gefühlslage. Verantwortlich für diese Verunsicherung ist möglicherweise, dass in den Köpfen von Frauen ein Karrierebild verankert ist, das sich an den Lebensläufen von Männern orientiert. Da zählen dann Sätze wie „Man muss am Ball bleiben“, „Nur nicht den Anschluss verlieren“ oder „Der Beruf muss stets an erster Stelle stehen“ zu den Leitgedanken, die jedoch an der Lebensrealität von berufstätigen Frauen und Müttern oft glatt vorbeigehen.

Kirsten von Blomberg von der Koordinierungsstelle empfiehlt den Teilnehmerinnen einen Wechsel des Blickwinkels. Sie will die Qualität, die gerade in weiblichen Lebensläufen zu finden ist, ins Zentrum rücken und das Selbstbewusstsein der teilnehmenden Frauen stärken.

Zehn Frauen haben sich eingefunden. Klassische Wiedereinsteigerinnen nach der Kinderpause treffen dabei auf berufstätige Frauen, die auf der Suche nach neuen beruflichen Perspektiven sind. „Ich bin Krankenschwester geworden, weil ich mich um kranke Menschen kümmern wollte“, so eine Teilnehmerin. „Doch den heutigen Alltag im Krankenhaus mit seiner Hektik und dem Übermaß an Verwaltungstätigkeiten, das gar keine Zeit mehr für die Patienten lässt, erlebe ich als zutiefst frustrierend. Ich suche für mich jetzt nach anderen Wegen.“

Auch Veränderungen in betrieblichen Strukturen werden als Anstoß für eine Neuorientierung genannt. „Ich arbeite in einer Firma, die immer ein familiengeführter Betrieb gewesen ist. Dort wurde ich wirklich unterstützt und konnte mich fachlich sehr gut weiterqualifizieren. Jetzt hat ein großer Konzern das Unternehmen aufgekauft, die Arbeitsbelastung steigt, und ich bekomme mehr und mehr das Gefühl, dort nur eine Nummer zu sein – und kein Mensch. Zeit, etwas zu verändern.“ Spannend ist auch, zu hören, was die Frauen „nur“ so nebenbei alles gemacht haben. Das reicht von Web-Site-Entwicklung über Eventmanagement bis zur Handelsvertreterin.

Das Angebot der Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft für die Unterstützungssuchenden ist vielfältig. Beratungsgespräche können in Anspruch genommen werden. Es gibt ein Kursprogramm zum Beispiel für Bewerbungstraining sowie Buchhaltungs- und EDV-Kurse. Doch vor allem ist es die Vernetzung der Koordinierungsstelle mit den regionalen Arbeitgebern, von der die Kursteilnehmerinnen profitieren können.

„Es macht einen Unterschied, ob Sie einfach so eine Bewerbung verschicken, die dann auf dem großen Stapel landet, oder ob wir für Sie einen Kontakt herstellen, der zumindest zu einem Vorstellungsgespräch führen wird“, unterstreicht von Blomberg. Gerade für Frauen sei der persönliche Kontakt eine Chance, die eigenen Qualifikationen, Talente, Vielseitigkeit und Lebenserfahrung ins rechte Licht zu setzen. Und wenn es mancher Teilnehmerin beim kritischen Blick auf die eigenen Fähigkeiten noch an Selbstbewusstsein mangelte, war doch das Staunen über die Lebensleistungen und Stärken der anderen greifbar und machte Mut. cm

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