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Aus Goldbeck auf Platz 1 der Charts

Goldbeck / Porträt Aus Goldbeck auf Platz 1 der Charts

„Hinterland“ heißt das neue Album von Rap-Star Casper aus Bösingfeld, das vor einer Woche auf Platz 1 der Charts kletterte. Teil dieses Erfolges ist noch jemand aus eben jenem Hinterland rund ums Extertal, um das es auf dem Album unter anderem geht: Jan Korbach aus dem nur einen Steinwurf von Bösingfeld entfernten Goldbeck.

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Jan Korbach in seinem Element: an der Gitarre.

Quelle: pr.

Von Philipp Killmann. Als Gitarrist und Songschreiber gehört er zu Caspers Band und spielt bei den großen Festivals des Landes vor bis zu 50000 Menschen. Das von Casper gleichermaßen geliebte wie verdammte Hinterland haben sie beide längst verlassen. Aber natürlich hat es sie geprägt. In sich nehmen sie es mit. Nach Berlin zum Beispiel, wo Jan Korbach seit einem halben Jahr in Friedrichshain lebt, wie er im Telefongespräch mit unserer Zeitung erzählt.

 Der 30-jährige Korbach – wegen seiner 1, 90 Meter und 100 Kilo auch „Atlas“ genannt – ist kein unbeschriebenes Blatt. Einen Namen macht er sich mit seiner ersten Band Mr. Anderson, die bereits 2001 den hiesigen Musikwettbewerb „Made in Schaumburg“ gewinnt – damals noch unter dem Namen Nufcisum. Es folgen über 300 Auftritte, ein Plattenvertrag und drei Studioalben.

 Zum Rock kommt Korbach mit acht Jahren durch seinen älteren Bruder, der ihm ein mit Guns’n’Roses und Marius Müller-Westernhagen bespieltes Kassettentape schenkt. Sein Cousin legt nach mit Slime und anderen deutschen Punkrock-Größen. Klar, dass Korbach begeistert ist, als er eines Tages die Punkrocker Non Conform aus Silixen live in der Aula seiner Schule in Barntrup spielen sieht. „Das hat mir imponiert“, sagt er.

 Er lernt Gitarrespielen und mit etwa 13 Jahren gründet er mit Freunden aus dem Extertal seine erste eigene Punk-Rock-Band: Nufcisum, später: Mr. Anderson. In dieser Zeit wird Korbach nicht nur zum „Angelkönig von Rinteln“ gekürt – „Keiner außer mir fing was an diesem Tag: einen gerade mal 200 Gramm schweren Fisch“, erklärt er lachend. Er trifft auch auf den Deutsch-Amerikaner Benjamin Griffey alias Casper. „Wir haben uns witzigerweise beim Konfirmandenunterricht – Pattek sagten wir dazu, so’n Lipper Wort – in Bösingfeld kennengelernt“, erzählt Korbach. „Dabei leben wir heute beide atheistisch. Aber als einzige Punker in der Gruppe hatten wir da gleich ’ne Connection. Er war erst auf der Realschule. Zusammen haben wir dann Abi gemacht.“

 Beide verfolgen musikalische Ziele, Casper als Rapper, Korbach mit Mr. Anderson. Seine eigene Begeisterung für Rap beschränkt sich im Wesentlichen auf Gruppen, wie Cypress Hill, Public Enemy oder House of Pain. Beide zieht es schließlich nach Bielefeld. „Ich bin mit Mr. Anderson dorthin gezogen, um alibimäßig zu studieren“, sagt er. Vier Semester Sozialwissenschaften, nebenbei jobben und vor allem: Musik machen.

 Kaum Interessen

 außer Musik

 „Ich dachte dabei immer weniger ans Geld als an den mit der Musik verbundenen Lifestyle“, sagt Korbach über seine Leidenschaft. „Musikalischen Erfolg habe ich immer mehr an Bühnenauftritten als an Plattenverkäufen gemessen. Außerdem hatte ich schon immer kaum andere Interessen als Musik. Und irgendwann hatte ich eben die Chance, einen Musikstudiengang zu belegen.“

 In Paderborn macht er seinen Bachelorabschluss in „Populäre Musik und Medien“. „So habe ich meinen Weg ins Musikbusiness gefunden“, erklärt er. „Ich habe ja im Grunde zwei Jobs: einen mit Casper und einen bei Glitterhouse Records.“ Ein Plattenlabel in Beverungen an der Weser, bei dem Korbach unter anderem für den Digitalvertrieb verantwortlich zeichnet, aber auch als Talentsucher fungiert.

 Im April 2012 lösen sich Mr. Anderson auf. Bei ihrem Abschiedskonzert in Bielefeld ist auch sein alter Freund Casper zu Gast, dem mit seinem Album „XOXO“ inzwischen der kommerzielle Durchbruch gelungen war. Er sucht einen zweiten Gitarristen für seine Band und findet in Korbach den richtigen Mann. Sich einzufinden, fällt dem Goldbecker leicht, er kennt fast alle Bandmitglieder noch aus Bielefeld.

 Wenige Monate später stehen sie beim Musikfestival Hurricane gemeinsam vor 40000 Leuten auf der Bühne. „Das war natürlich sehr aufregend… Aber vor allem macht es mir einfach Spaß.“ Seitdem ist Korbach fester Bestandteil der Crew, die zum Großteil aus alten Freunden und Wegbegleitern von Casper bestehe.

 Für Korbach bedeutete das zunächst: unter der Woche in Beverungen arbeiten, Donnerstagabend irgendwo von Caspers Tourbus eingesammelt werden, am Wochenende Konzerte geben, dann wieder zurück, um Dienstagmorgen bei Glitterhouse auf der Matte zu stehen. Inzwischen arbeitet er von Berlin aus für das Label.

Für die Arbeit an Hinterland zog sich Casper mit Korbach, Keyboarder Konrad Betcher und Produzent Markus Ganter (Sizzar, Dagobert) im Herbst vergangenen Jahres für zwei Wochen nach Spanien zurück, um Songs zu schreiben. „Im Februar haben wir dann alles, bis auf die Vocals, live in einem Studio in Mannheim eingespielt“, erzählt Korbach. „Das war ein sehr schöner Prozess, aber auch sehr witzig und freundschaftlich.“

 Dabei herausgekommen ist ein neuartiges Gemisch aus Caspers musikalischer Sozialisation im deutschen sowie im amerikanischen Hinterland, bestehend aus Rock, Folk, Americana, Indie und Rap. So gesehen bedeutet „Hinterland“ auch Neuland. Für Casper, Korbach und ihre Hörer im Hinterland.

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