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Bei Starkregen muss die Feuerwehr ran

Deckbergen Bei Starkregen muss die Feuerwehr ran

Zwei Starkregen, zwei Feuerwehreinsätze auf demselben Grundstück Hessenweg 2: Die Brandschützer helfen gern, erwarten aber auch Lösungen, wo das Problem doch bekannt ist.

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Hier kommt das Wasser raus: Michaela Müller-Lindemann zeigt, wo der bach aus dem Rohr ins Freie tritt und danach alles überschwemmt.

Quelle: dil

Deckbergen. Deckbergens Ortsbrandmeister Lars Bredemeier: „So kann es dort nicht bleiben. Es ist doch nur eine Frage der Zeit, wann das dort wieder passiert.“

Michaela Müller-Lindemann hatte als Mieterin auf dem Grundstück, das einem stadtbekannten Zahnarzt gehört, Anfang Juli sogar Wasser im Keller, auf dem großen gepflasterten Hof mit seiner mickrigen Entwässerungsrinne herrschte Land unter. Und diese Rinne konnte nicht in den Bach entwässern, weil der selbst über die Ufer trat. Das Auslassrohr am unteren Ende des Grundstücks, das unter einem Gebäude weiterläuft, ist für Starkregen zu klein. Die angeschwemmten Hinterlassenschaften des Regens stinken in den Wochen danach bei niedrigerem Wasserpegel zu Himmel. „Wie eine Kloake“, schimpft Müller-Lindemann. Manchmal treiben sogar tote Fische in dem Wasser, das mitunter auch Waschmaschinenlauge vorbeispült.

Für die Lösung der Wasserprobleme im Haus ist der Vermieter zuständig. Der Abwasserbetrieb der Stadt hatte ihn zu Lösungsmaßnahmen aufgefordert, die vom Abwasserbetrieb abzunehmen seien. Trennsystem auf dem Grundstück wird verlangt, eine Frist ist bis zum 22. Juli gesetzt, sagt Grit Seemann, Leiterin des Abwasserbetriebs.

Doch was soll mit dem überflutenden Bach geschehen? Die Untere Wasserbehörde beim Landkreis, der Abwasserbetrieb und das Baudezernat der Stadt sehen sich nicht zuständig, da der Bach auf Privatgrund verläuft, er ist als Vorfluter aber Teil der öffentlichen Entwässerung, an die man sich gebührenpflichtig anschließen muss. „Wir haben den verrohrten Teil des Baches auch schon mal mit der Kamera befahren und danach ausgespült“, so Seemann. „Die beiden Hauseigentümer, die bisher Regenwasser in Schmutzwasserrohre leiten, haben wir aufgefordert, das abzustellen.“

In diesem Bereich Deckbergens ist es seit langer Zeit üblich, Regenwasser in den Bach einzuleiten und folglich nicht mal Regenwassergebühr zu bezahlen. Wer in der Kernstadt für versiegelte Fläche zahlen muss, könnte neidisch werden. Und dann das Wasser auf dem am ungünstigsten gelegenen Grundstück über die Ufer treten lassen, man selbst ist ja nicht betroffen. „Ein gewachsenes System“, nennt Seemann das achselzuckend. Gewohnheitsrechte mit negativen Folgen bei Starkregen für andere.

Baudezernentin Elena Kuhls könnte sich vorstellen, einen Lösungsprozess vom Bauamt aus zu moderieren, technische Hilfsvorschläge zu machen. Investieren müssten aber die einleitenden Anlieger, zumindest in ausreichende Rohrquerschnitte. „In Krankenhagen am Nottberg haben wir so ein Problem jetzt angepackt, aber auf öffentlichem Grund. Das können wir aber nicht überall gleichzeitig.“

Müller-Lindemann hat auch schon zur Eigenhilfe gegriffen, setzte eine private Pumpe im Keller ein. Sie wollte auch den Bewuchs im Bach kürzer schneiden und hatte plötzlich Blutegel an Armen und Beinen.

Wer also könnte die Lösung voranbringen? Ortsbürgermeister Eckhard Hülm will das Thema im Ortsrat ansprechen. „Wir hatten schon einen Ortstermin mit den Behörden, aber der betroffene Grundstücksbesitzer ist nicht gekommen. Zusatzproblem: Der gepflasterte Hof liegt teilweise tiefer als die Bachzone. Die Frage ist, woran es liegt. Überschwemmungen sind hier ein neueres Problem.“

Druck auf die Anlieger könnte auch durch Kosten für die Feuerwehreinsätze kommen. „Wir reichen unseren Einsatzbericht mit Personal- und Materialeinsatz immer bei der Verwaltung ein“, sagt der Ortsbrandmeister. Die Stadt könnte die Kosten dem Grundstücksbesitzer in Rechnung stellen, wenn es sich nicht um eine großflächigere Naturkatastrophe oder Feuer handele, sagt der Erste Stadtrat Jörg Schröder. Zu den jüngsten Feuerwehreinsätzen am Hessenweg lägen aber noch keine Berichte vor. Zahlen müsse zunächst, wer die Wehr gerufen hat. Die Mieterin könne sich das Geld aber vom Vermieter zurückholen.

Müller-Lindemann ist roh, dass sie selbst Mitglied der Wehr ist: „Meine Kameraden lassen mich nicht hängen.“ dil

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