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Berliner Mauerteile als Getreidesilo

Möllenbeck Berliner Mauerteile als Getreidesilo

72 Teile aus der Berliner Mauer und 150 Betonbodenplatten vom Grenzstreifen bei Salzwedel hat Landwirt Friedrich Tegtmeier 1991 aus der ehemaligen DDR nach Hessendorf geholt, um etwas Sinnvolles daraus zu machen.

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Tabea-Theresa Requardt-Kastning (vorne) erklärt ihren Mitschülern und Lehrerin Ursula Mücke, wie ihr Opa an die Mauerteile aus Berlin kam und was er daraus machte: ein zweiteiliges Getreidesilo. Ebenfalls aus der DDR stammen die Nagelkisten, der Stacheldraht und die Wappentafel. 

Quelle: dil

Möllenbeck. Neun Tiefladerfahrten waren nötig, um die robusten, aber schweren Mauerteile heranzuschaffen. Und was war die neue Verwendung? Ein zweiteiliges Getreidesilo und die Fahrfläche davor. Mit schwarzem Schutzanstrich versehen erfüllen die Mauerteile bis heute ihre Funktion, und auch die Bodenplatten, auf denen einst DDR-Grenzpatrouillen unterwegs waren, tragen immer noch Traktorenreifen.

 Tabea-Theresa Requardt-Kastning ist die Enkelin von Friedrich Requardt, der schon 2008 verstarb. „Opa Fritz war mir immer am wichtigsten, er hat so tolle Geschichten erzählt“, berichtete Tabea-Theresa jetzt ihrer Berufsfachschulklasse 11a Hauswirtschaft und Pflege, Schwerpunkt persönliche Assistenz. Im Politikunterricht mit Lehrerin Ursula Mücke waren der Mauerfall und die Wiedervereinigung Thema, Tabea-Theresa verschaffte Zeitgeschichte auch zum Anfassen: erst ein Referat im Unterricht, dann ein Besuch auf dem Bauernhof, den inzwischen ihre in Exten wohnhafte Familie bewirtschaftet. Ihre Mutter Margret Requardt-Kastning war dabei und erklärte, der Hof bestehe seit 1697 und sei in 13. Generation im Besitz der Familie.

 „Durch eine Fernsehsendung hat mein Opa erfahren, dass es in Berlin Mauerteile für eine neue Verwendung zu kaufen gab. Er war begeistert, meine Oma nicht und fragte, was er damit denn wolle. Ich werde schon irgendeine Verwendung finden, antwortete er.“

 Friedrich Requardt fuhr nach Berlin. Die Mauerteile waren im ehemaligen DDR-Männergefängnis im Stadtteil Rummelsburg gelagert, das 1990 aufgelöst worden war. Die Röhren zur Abdeckung hatte man abgeschlagen. Verkäufer war das Bundeswehrkommando Ost in Rummelsburg.

 „3500 Mark hat mein Opa für die 72 Mauerteile bezahlt, was die Bodenplatten gekostet haben, ist uns nicht bekannt“, erzählt Tabea-Theresa. Auf den Tieflader kam aber noch mehr: nicht rostender Stacheldraht, Holzkisten mit rostfreien Nägeln. Friedrich Requardt holte alles mit seinem landwirtschaftlichen Helfer Ralf Böttcher. „Nachts um 2 Uhr fuhren sie los, Oma Gerda musste um ein Uhr noch Kaffee und Brote für sie machen“, schmunzelt die Enkelin. „Sie waren ungefähr neun Mal in Berlin. Meinem Opa ging es um das Besondere. Den Bau des Silos hätte man mit gegossenem Beton sicher viel billiger haben können.“

 Die Bodenplatten aus Salzwedel kamen später hinzu. 66 Mauerteile sind in den Silos in Hessendorf verbaut, vier standen noch auf dem Hof herum. Mit Seil und Tieflader wurde für den Schülerbesuch eines vor die Silos gehievt. Dazu noch Stacheldraht und Nagelkisten sowie eine Metalltafel mit dem DDR-Wappen Hammer und Sichel, fertig war eine hübsche Kulisse für die Information ihrer Mitschüler. Weitere Bodenplatten sind übrigens bei Opa Heinrich in Heeßen auf einer „Kuhwiese“ und an der Ost-Contrescarpe in Rinteln für einen Melkplatz auf einer Wiese verlegt worden.

 Neben den 15 bis 31 Jahre alten Mitschülern hatte sich auch der Rintelner Museumsleiter Dr. Stefan Meyer eingefunden und fragte: „Können wir nicht ein Mauerteil vor unser Museum bekommen? Dort wird am 28. Oktober um 18 Uhr die Ausstellung ,DDR: Schlaglichter auf Staat und Alltag‘ eröffnet. Und bisher haben wir nur ein Nachbauteil zur Werbung.“ Tabea-Theresa und ihre Mutter hatten nichts dagegen. dil

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