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Blitz tötet Wallach - und Versicherung will nicht zahlen

Strücken / Pferde Blitz tötet Wallach - und Versicherung will nicht zahlen

Auf einer Weide bei Strücken ist ein Wallach am 3. August dieses Jahres, vormittags zwischen 9 und 10 Uhr, vom Blitz erschlagen worden – sagen die Besitzerin des Pferdes und die Tierärztin, die zu dem toten Tier geholt worden ist. Die Versicherung, bei der das Pferd auch gegen Tod durch Blitzschlag versichert worden war, will trotzdem nicht zahlen.

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Hier galoppiert der Wallach noch munter über das Watt bei Neuwerk.

Quelle: pr.

Von Hans Weimann

Strücken. Die Begründung der zuständigen VGH Hameln: An diesem Tag habe es zwar Gewitter gegeben, aber nicht genau über Strücken

 Nach dem Melken der Kühe auf dem Hof, noch vor dem Frühstück, habe sie an diesem Tag, wie an jedem Tag nach ihren vier Pferden gesehen, schildert Sabine S.: „Die standen alle auf ihren vier Beinen und haben gegrast“. Nach 9 Uhr habe sie es zuerst grummeln, dann donnern gehört. Das Gewitter sei von Wennenkamp über den Berg gezogen. Den toten Wallach am Hang, der mit dem Kopf bergab lag, entdeckte später ihr Mann, der gerade dabei war, Silageballen einzuwickeln.

 Da der Unglückstag ein Samstag war, konnte das Tier von der Tierkörperverwertung erst am Montag abgeholt werden. Die Pferdebesitzerin sagt heute: „Hätte ich gewusst, dass ein Blitzschlag als Todesursache angezweifelt wird, hätte ich eine Obduktion veranlasst, aber es waren heiße Augusttage, am Montag wäre vermutlich eine weiter gehende Untersuchung gar nicht mehr möglich gewesen.“

 Die Versicherung bezieht sich bei ihrer Ablehnung auf eine Auskunft der VdS Schadensverhütung GmbH in Köln, die in solchen Fällen hinzugezogen wird. Die hatte einen privaten Wetterdienst, die „Meteo-Group“ in Berlin eingeschaltet. Die „MeteoGroup“ wiederum hat sich die Daten über Blitzeinschläge am 3. August von der Firma „nowcast“ in München besorgt, die unter anderem auf Blitzortung spezialisiert ist.

 Erkenntnis dieses Unternehmens, was Sabine S. auch schriftlich mitgeteilt worden ist: Man habe am 3. August in der Zeit ab 9.54 Uhr Blitzeinschläge rund um Strücken registriert und zwar in Entfernungen von 8,7 von 9,4 und von 11,4 Kilometern. Die Pferdebesitzerin konnte das nicht fassen: „Ich habe doch nicht geträumt“. Ihr Mann erzählt, beim Wickeln der Silageballen sei die Folie gerissen, er habe sich in diesem Moment aber nicht getraut, vom Trecker zu steigen: „Das Gewitter stand genau über mir.“ Auch Nachbarn können sich an ein Gewitter erinnern.

 Das Problem ist hier nur: Erst Ende August war klar, dass es Probleme geben könnte. Und wer, der nicht selbst betroffen ist, erinnert sich noch hundertprozentig genau, ob es am 3. August morgens gegen 9 Uhr ein Gewitter gegeben hat oder nicht. Und das in einem Monat, in dem eine Gewitterfront nach der anderen übers Land gezogen ist.

 Ein Anruf bei „nowcast“ in München in der Sauerbruchstraße am vergangenen Freitagmorgen ergab, hundertprozentig sei das Ortungssystem nicht, könne es auch gar nicht sein. Ganz schwache Blitze in einer Gewitterzelle, die zu weit von den Sensoren, den Antennen der nächsten Station einschlagen, würden nicht erfasst. Das räumte die „MeteoGroup“ sogar schriftlich ein: Es gibt kein Blitzortungssystem, das zu hundert Prozent alle Blitze erfassen kann.

 Dazu muss man wissen, Pferde reagieren extrem empfindlich auf Strom. Nur deshalb respektieren sie auch die dünnen weißen Litzen, mit denen Weiden eingezäunt sind. Litzen, die sie problemlos durchbrechen könnten, würden die nicht unter Strom stehen. Auch ein schwacher Blitz ist in der Lage ein Pferd zu töten.

 Auch bei der VGH Hameln denkt man offensichtlich neu nach. Ein Telefonanruf am Freitagmorgen ergab: Der Fall sei noch nicht endgültig abgeschlossen.

 Blitzeinschläge auf Weiden gehören zum Albtraumszenario jedes Pferdebesitzers und sind so selten nicht: In Ahe sind Pferde durch Blitzschlag umgekommen, auf einer Hohenroder Weide sind im Vorjahr Teile eines Zauns nach einem Blitzeinschlag verschmort.

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