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Chaos, Katzen, Müll und ein Solarium

Hausräumung bei selbsternannten Reichsbürgern Chaos, Katzen, Müll und ein Solarium

Pfefferspray in der Rechten, Taschenlampe in der Linken: Die Polizei ist vorbereitet, sollte hinter der Türe doch noch ein Reichsbürger lauern.

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Mit gezücktem Pfefferspray und Schlagstock sichern Polizisten eine Tür, während sie aufgebrochen wird.

Quelle: jak

Rinteln/Extertal. Doch nachdem das Schloss aufgebohrt worden ist, zeigt sich: nur Müll und verwüstete Räume. „Wenigstens stinkt es nicht“, meint Fabio Dahlmeier, Mitglied der Rintelner Käufergemeinschaft, die den Alten Försterhof in Rott (Extertal) bei einer Zwangsversteigerung erworben hatte.

 Im Anschluss an den Kauf entspann sich ein wahrer Nervenkrieg, denn die Besitzerin holte sich die Unterstützung der „Justiz-Opfer-Hilfe“, die bereits den Scheinstaat „Germanitien“ ausgerufen hat (wir berichteten). Diese wollte groß mobil machen gegen die Zwangsräumung: Aber hinter der Ankündigung, die auch von der Polizei sehr ernst genommen wurde, steckte nichts als heiße Luft.

 Offenbar genießen die Germaniten der Justiz-Opfer-Hilfe in der Reichsbürgerszene zu wenig Rückhalt, um tatsächlich nennenswert zu mobilisieren. Laut Zeugen räumte die ehemalige Besitzerin des Försterhofes mit einer Handvoll Helfern am Vorabend der Zwangsräumung das Gelände. Zurück ließ sie verschandelte Räume, jede Menge Unrat, fünf Katzen und ein Solarium.

 Der Vorgang weckt Zweifel an der Qualität der angeblichen „Rechtshilfe“, die die selbst erklärte „Menschenrechtsorganisation“ zu bieten angibt. Am Ende, nach Monaten der Auseinandersetzung, teilweise großspurigen Ankündigungen, wütenden Aufrufen und Hunderte Seiten lange Faxe an Anwälte, Verwaltungen und Medien folgt die große Stille. Auf Anfragen am Telefon verweigert die Justiz-Opfer-Hilfe auch gestern jede Aussage.

 Die Reichsbürger-Organisation aus Löhne hatte ihren Sitz vergangenes Jahr nach Rinteln verlegt. Sie halten die Bundesrepublik für eine Firma, versuchen, ihre Ausweise zurückzugeben und drucken ihre eigenen. Auf ihrer Internetseite verleihen sie dem Nationalsozialisten Rudolf Hess einen „staatlichen Friedenspreis“. Natürlich den Preis des „Staates“ Germanitien. Auch Aufrufe der Holocaustleugner Ursula Haverbeck und Horst Mahler werden dort veröffentlicht.

 Während einige Räume des Alten Försterhofs beinahe besenrein zurückgelassen wurden, sind andere zur Gänze zugemüllt. Zahllose Kisten voll Gerümpel, marode Möbelstücke, kaputte Stühle, gammlige Polster, zerbrochene Lampen und selbst Essensreste bedecken den Boden.

 „Das ist aber alles nicht ungewöhnlich“, erklärt der Gerichtsvollzieher den neuen Besitzern. Mehrere Tage werden die neuen Besitzer wohl brauchen, um das Gröbste zu entfernen. Was zurückgelassen wurde, geht nun – teilweise mit einem Monat Frist – in ihren Besitz über. Und muss auch von ihnen entfernt werden. Monate, wenn nicht sogar Jahre werde es dauern, die Gebäude wieder wohnlich zu machen, vermuten die neuen Besitzer.

 Mit „Rechtsberatung“ verdienen die Germaniten Geld. „Was sie eigentlich nicht dürften“, wie der Rintelner Anwalt Stephan Abrahams erklärt: „Das verstößt gegen das Rechtsdienstleistungsgesetz.“ Wie viel die ehemalige Besitzerin für die fragwürdige Hilfe gezahlt hat, ist derzeit nicht bekannt. jak

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