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„Darf Nickerchen machen, wann sie will“

Schulleiterin wird verabschiedet „Darf Nickerchen machen, wann sie will“

160 Schüler der Grundschule Deckbergen-Steinbergen haben sich in der Turnhalle ihrer Schule versammelt. Viele tragen stolz die blauen und roten Schul-T-Shirts. Und alle sind aufgeregt. Sie wollen etwas vorführen, denn heute verabschieden sie ihre langjährige Schulleiterin, Dagmar Tadge, in den Ruhestand. Da haben die Kinder sich Gedanken gemacht: Was das wohl ist, der Ruhestand?

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Mit weißen Tüchern winken die Grundschüler in Deckbergen ihrer Schulleiterin Dagmar Tadge zum Abschied und wünschen ihr alles Gute.

Quelle: cm

Deckbergen. Zu jedem Buchstaben des Wortes, von R wie Relaxen und Rotwein, bis D wie „Darf Nickerchen machen, wann sie will“, ist ihnen etwas eingefallen. Ein Liedchen „Wir gratulieren nun galant, Frau Tadge zu ihr’m Ruhestand“ wird von allen vorgetragen, und die dritten Klassen haben einen „Goodbye-Tanz“ einstudiert. Dabei wird erst mit Taschentüchern gewunken und schließlich spaßhaft in sie hineingeschluchzt. Die Kinder bieten eine fröhliche Vorstellung. Ihnen ist noch nicht bewusst, was für einen Verlust der Abschied von Tadge für ihre Schule bedeutet.

 Das wissen ihre Kolleginnen dafür umso besser. In ihren Dankesworten betonen sie, dass Tadge ihnen immer Rückhalt gegeben hätte. Was Rückhalt sei, will Lehrerin Wiebke Schulz an dieser Stelle von ihren Schülern wissen. Und pfiffig, wie die sind, kommt die prompte Antwort: „Rückhalt ist, wenn jemand Hilfe braucht, den zu unterstützen.“ So einen Rückhalt hätten sie immer verspürt, so Schulz. Bei privaten, beruflichen und gesundheitlichen Problemen hätten die Kolleginnen stets eine offene Tür und ein offenes Ohr bei ihrer Schulleiterin gefunden. Außer ihren menschlichen Qualitäten habe besonders Tadges Einsatz für die kulturelle Erziehung das Gesicht der Grundschule Deckbergen-Steinbergen geprägt. Viele Angebote wie Konzerte, Theaterbesuche, Schulkinowochen, Lesungen oder Zirkusprojekte sind entstanden, weil die Schulleiterin es wichtig fand, dass die Kinder die Vielfalt unserer Kultur kennenlernten.

 In den Ruhestand zu gehen, das sei ja ganz normal, das komme ja ständig vor, von daher könne man das locker angehen - bis es einen selbst betrifft, eröffnet Schulpsychologe Bernd Deseniß seinen kleinen Redebeitrag. Es wird ein ganz persönliches Abschiedswort, denn man kennt sich gut aus der Ausbildung zur Beratungslehrerin. Tadge sei immer gerade dann dazu gekommen, wenn man etwas Innovatives ausprobiert hätte. So gehörte sie zur ersten Generation in der Ausbildung zum Beratungslehrer, die Improvisationstheater auf dem Stundenplan hatte. Als sie in die Leitungsfunktion aufstieg, wurde gerade die Schulleitersupervisionsrunde gegründet, weiß Deseniß zu berichten. Auf all diese Herausforderungen habe Tadge sich mutig eingelassen. Und so glaube er auch, dass sie die nächste Herausforderung, den Ruhestand, gut meistern werde. So wie er sie kenne, werde dabei keine Langeweile aufkommen.

 Ein Danke kam auch von Bürgermeister Thomas Priemer. Er betonte, dass die Stadt Rinteln es sehr begrüßt, dass die Grundschule Deckbergen-Steinbergen eine Ganztagsbetreuung an fünf Tagen bis jeweils 17 Uhr anstrebt, und sicherte seine Unterstützung zu.

 Von der Schulbehörde war Schuldezernent Falk Beckhausen gekommen. Da dieser erst seit Oktober für Schaumburg zuständig ist, konnte er seinen Rückblick auf Tadges beruflichen Werdegang (40 Jahre Lehrtätigkeit und 15 Jahre Schulleitung) nur aus der Personalakte herleiten. Doch schon das Studium der Papiere habe seine Hochachtung geweckt, so Beckhausen. 15 Jahre Schulleitung seien eine große Leistung. Beeindruckt sei er auch von den vielen Fortbildungen, die in der Akte dokumentiert wurden. Außerdem habe er schon einen persönlichen Eindruck von Tadges Wirken bekommen, denn die Grundschule Deckbergen-Steinbergen sei eine der ersten Schulen gewesen, denen er einen Antrittsbesuch abgestattet habe. Damals sei er von der guten, offenen Atmosphäre begeistert gewesen.

 Für das nächste halbe Jahr wird Ricarda Renneke die kommissarische Leitung übernehmen. Eine Ausschreibung für die Stelle der Schulleitung läuft, und während es vielerorts beinahe unmöglich ist, Schulleiterstellen im Grundschulbereich zu besetzen, verrät Schuldezernent Beckhausen, dass das Bewerbungsverfahren gut laufe und er zuversichtlich sei, jemand Passendes zu finden. cm

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