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„Das ist hier keine Badeanstalt für Hunde“

Rinteln „Das ist hier keine Badeanstalt für Hunde“

Schilder warnen davor, die Wege an den Sassenberg’schen Kiesteichen zu verlassen. Baden ist verboten. Die Fischereiverein Grafschaft Schaumburg will seinen Mitgliedern ungestörten Angelgenuss bieten, immerhin wurden die beiden Kiesseen für mehrere hunderttausend Mark Ende der siebziger Jahre gekauft.

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Rinteln. Schmale Wege führen zum Ufer – und die sonnenbeschienenen Sandbänke locken ungebetene Gäste. Die Angler setzen sich zur Wehr – mit Motorsäge und im Notfall Pfefferspray.

 Am Samstag waren gut 60 Petrijünger mit Sägen, Harken, Karren und anderem Gerät im Arbeitseinsatz. Nicht den Blick freischneiden zum Wasser oder Wege besser begehbar zu machen, war das Ziel, nein, Wege durch Strauchschnitt sperren, vor allem Herrchen, Frauchen und deren Vierbeiner fernhalten. Norbert Vorbeck, Fischerei- und Gewässeraufseher in dem mehr als 1000 Mitglieder zählenden Verein, erklärt, warum: „Das ist hier doch keine Hundebadeanstalt.“

 An schönen Sommertagen schleichen sich Gruppen mit Badesachen, Biercontainern und Einmalgrills durchs Gebüsch, das eigentlich recht dicht ist. Trampelpfade zu den schönsten Stellen, die seien nicht von Anglern, versichert Vorbeck. Und er lenkt den Blick in ein Gebüsch nah am Wasser: Metallreste eines Gartenstuhls liegen dort. „Sie glauben gar nicht, was wir hier im Sommer an Hinterlassenschaften ungebetener Gäste wegschaffen müssen“, schimpft er. „Zustände wie am Gevattersee wollen wir hier nicht. Da müssen wir aber etwas tun.“

 An Bäumen oder Pfosten hängende Schilder werden von illegalen Besuchern schon mal abgerissen oder mit Farbe besprüht. An einem Regenschutzpilz aus Holz wurde das halbe Dach eingerissen. Eigentlich dürfen Radfahrer und Fußgänger die wenigen öffentlichen Wege hier nicht verlassen, und Autos haben in diesem Landschaftsschutzgebiet schon gar nichts zu suchen. „Anlieger und Landwirtschaft frei“ heißt die Devise, aber auch Prominente Rintelner wurden dort schon im Pkw gesehen, unterwegs nur mit dem Anliegen, eine Abkürzung nach Exten zu nutzen.

 „Die offiziellen Wege nach Exten und einer zwischen den Teichen hindurch hält die Stadt Rinteln in Ordnung, den Rest machen wir“, sagt Vorbeck. Am Ufer hätten aber nur Vereinsmitglieder etwas zu suchen. „Aber wer hält sich heute schon an Verbotsschilder?“, fragt Vorbeck genervt. Eskaliert ist der Streit mit Hundebesitzern vor einigen Wochen. „Da saß ein Angler seelenruhig am Wasser, als zwei Hunde ans Ufer stürmten und den aus ihrer Sicht Fremden anbellten“, erzählt Vorbeck. „Der Angler fühlte sich bedroht, griff zum Pfefferspray. In diesem Moment tauchte Frauchen auf, beschimpfte den Angler und bekam noch etwas Pfeferspray ab. Per Handy rief sie Verstärkung. Vier Männer tauchten wenig später auf. Und einer von denen sagte zu unserem Mitglied, er solle sich hier besser nicht mehr blicken lassen. Dabei hatten die anderen dort nichts zu suchen. Die Eindringlinge haben sogar noch Polizei und Krankenwagen gerufen.“ Der Fall liege inzwischen beim Rechtsanwalt und gehe vor Gericht: Hausfriedensbruch, Nötigung und/oder Körperverletzung?

 In den Teichen hat der Verein Hecht, Zander, Karpfen und Rotfedern ausgesetzt. Angler machen meist gute Beute. Manchmal hängt sogar ein amerikanischer Krebs am Haken, der den Köder am Boden fressen will. „Auch so ein Eindringling. Wie der hierher gekommen ist, wissen wir nicht. Aber los werden wir ihn wohl nicht mehr“, hat Vorbeck die Hoffnung aufgegeben. Optimistischer ist er beim Kampf gegen die zwei-und vierbeinigen Eindringlinge. Ein zweiter Arbeitseinsatz der Mitglieder am zweiten See steht noch bevor. Und wieder geht es darum, Trampelpfade dichtzumachen. Vorbeck stellt klar: „Der Uferbereich ist dort für Fremde tabu!“

Von Dietrich Lange

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