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Der Rest vom Wüstenfuchs

Krainhagen Der Rest vom Wüstenfuchs

Außergewöhnliche Offerte von Andreas Schmidt Probst (49): „Ich behalte mir die Option vor, eine Flasche meines ,Rommel-Whisky’ zu öffnen, sobald ich 20 Gäste beisammen habe, die mir jeweils 20 Euro für zwei Zentiliter geben“, sagt der Chef des „House of Whisky“, eines der zwölf größten Online-Shops des Kultgetränks in Deutschland.

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Eine Flasche  „Rommel-Whisky“ aus dem Bestand von Andreas Schmidt soll am 9. November in der Berghütte geöffnet werden. Was an Flüssigkeit fehlt, hat sich seit 1942 durch den Korken in Luft aufgelöst.

Quelle: tw

Krainhagen. Die vielleicht einmalige Gelegenheit dazu gibt es am Freitag, dem 9. November, ab 19 Uhr bei einer Verkostung in der Krainhäger Berghütte.

 Der legendäre Stoff des als „Wüstenfuchs“ und Befehlhaber des Deutschen Afrikakorps legendär gewordenen Feldmarschalls Erwin Rommel kommt ursprünglich aus Großbritannien. Während des Zweiten Weltkriegs werden zahlreiche Fässer des Schnapses nach Afrika verschifft, um die Truppen des britischen Generals Neil Methuen Ritchie zu versorgen. Dort fallen sie am 20. Juni 1942 bei der Eroberung von Tobruk in die Hände des deutschen Afrikakorps. Geschätzte Menge: 1,9 Millionen Liter. Rommel lässt die Fässer mit Versorgungsschiffen nach Italien bringen, wo sie in der Kleinstadt Nettuno bei Anzio lagern. Am 22. Juni 1944 bemächtigen sich die Amerikaner Rommels Kriegsbeute, als sie dorthin vorrücken. Da keine anderen Gefäße zur Hand sind, füllen die G.I.’s den Inhalt aus den Eichenfässern in italienische Weinflaschen zu je einem Liter um; 1420000 Flaschen sind es, die danach per Bahn nach Österreich transportiert werden und unter Obhut der US-Militärregierung ab August 1946 in einem 39 Meter tiefen Weinkeller in Linz lagern.

 Sicher aber ist der Rommel-Schnaps auch dort nicht. Zollbeamte aus Linz erinnern sich an rauschende Partys der G.I’s. Was nach den Partys noch an Schnaps übrig ist, übernimmt 1947 der Staat Österreich. Der verkauft 1963 etwa 600000 Flaschen an eine Firma in Liechtenstein. Der Rest – etwa 250000 – verschwindet allmählich unter Spinnweben und Staub im Linzer Kellergewölbe. Erst 1973 kommt noch einmal Bewegung in das Restkontingent. Der „Zentraleinkauf Alkohol“ der US-PX-Läden in Heidelberg ersteht 169000 Flaschen, verkauft sie in seinen 72 Läden überall in Europa. Weitere 50000 gehen an diverse Privatkäufer.

 Die letzten 40 296 Flaschen werden am 7. Mai 1979 in Frankfurt versteigert; sie werden seitdem in Sammlerkreisen zu astronomischen Preisen gehandelt. Schmidt-Probst, seit 2006 Wahl-Krainhäger, hatte selbst einmal sieben Exemplare erstanden, zwei hat er in die USA verkauft. Aktuell sind noch fünf vorrätig – und eine muss nun weg. „Wenn eine Flasche Whisky geöffnet wird, beginnt eine Uhr zu laufen“, sagt Schmidt Probst. Innerhalb einer gewissen Zeit sollte sie geleert sein. „Ein Jahr“, so der Spirituosen-Kenner, „ist problemlos möglich, danach beginnen die leichten, feinen Aromen sich zu verflüchtigen“.

 Das an der Ackerbeeke 6 gelegene „House of Whisky“, vielen von fürstlichen Events wie dem Weihnachtszauber bekannt, hat ständig etwa 120 offene Flaschen Single Malt Whisky, Whiskey und Rum auf Lager – „und der Inhalt wird nicht besser“, weiß Schmidt-Probst. Daher bietet er Fans des Hochprozentigen immer mal wieder die Möglichkeit, im Rahmen eines gemütlichen Abends seltene Abfüllungen zu probieren und dabei mit Gleichgesinnten zu fachsimpeln. „Wer also schon immer mal ein paar Whisky probieren wollte, ohne gleich eine ganze Flasche kaufen zu müssen, ist hier richtig“, so der Chef.

 Am besagten 9. November erhält Schmidt Probst Besuch von Stammkunden selbst aus Schweden: Sein Freund und Bagpiper Ralf Schymon kommt in vollem Ornat mit seinem großen Dudelsack und dem kleinen „für drinnen“ – und Thilo Hübner, Pächter der Berghütte kocht für die Spirituosen-Probierer eine „Lower-Saxony-Haggis“, eine Stippgrütze. „Die“, sagt der Gastronom, „ist sehr fettig und an jenem Abend deswegen gut für den Magen“.

 Der Chef des „House of Whisky“: „Nach der Akkreditierung am Eingang bekommt jeder ein Glas. Alle meine offenen Flaschen stehen fein eingeteilt in Preisgruppen auf den Tischen.“

 Abgerechnet wird am Ende. Jeder Gast hat zusammen mit seinem Glas einen kleinen Klebestreifen mit Vornamen – Schmidt Probst: „Nach dem Dritten ist man sowieso per Du“ – und einer Nummer bekommen. Zu jeder Nummer gehört ein Blatt, auf dem alle verkosteten Proben notiert werden. Zahlen, fertig. Das Essen sowie alle weiteren Getränke gehen auf Rechnung der Berghütte und müssen bei Hübner bezahlt werden.

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