Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Der letzte Bescheid

Endspurt bei der Klostersanierung Der letzte Bescheid

Jetzt ist er mit der Post gekommen: der letzte Bescheid des Amtes für regionale Landesentwicklung Leine-Weser aus Hildesheim. Mit 100 000 Euro kann Pastor Roland Trompeter im Möllenbecker Kloster noch Malereien aus der Weserrenaissance restaurieren und einen Raum sanieren lassen.

Voriger Artikel
„Ein wunderbarer Ort zur Einkehr“
Nächster Artikel
Hut ab!

Die wichtigsten Sanierungsmaßnahmen am Kloster Möllenbeck sind abgeschlossen.

Quelle: jan

MÖLLENBECK. Die Hälfte der Kosten übernimmt die EU, die andere Hälfte die Evangelisch-reformierte Landeskirche in Leer.

Endspurt. Denn am 28. August wird Pastor Trompeter im Winterrefektorium in den Ruhestand verabschiedet. Genau genommen zum zweiten Mal. Denn eigentlich könnte er sich längst seinen anderen Hobbys (außer dem Kloster) widmen. Im September vorigen Jahres war Trompeter 65 Jahre alt geworden. Doch die Evangelisch-reformierte Kirche hatte seinen Vertrag acht Monate verlängert einzig zu dem Zweck, dass Trompeter sein „Lebenswerk“ komplettiert: die Klostersanierung. „Jetzt“, sagt der Theologe, „haben die Möllenbecker und mein Nachfolger zehn Jahre Ruhe.“ Die wichtigesten Sanierungsmaßnahmen seien abgeschlossen.

Zu den Arbeiten, die Trompeter noch in Auftrag gegeben hat, die übrigens – wo möglich – von heimischen Handwerkern ausgeführt werden, gehören außerdem noch weitere Maßnahmen.

Vorzeigeprojekt und Besuchermagnet

So wird eine „Klosterpforte“ eingerichtet. Der Fußboden ist verlegt, die Beleuchtung ist installiert. Fehlen noch die Möbel. Dort wird künftig Organistin Gudrun Strathe das Jugendfreizeitheim managen, sich um Gruppen und Touristen kümmern. Im darüber liegenden Dachgeschoss lässt Trompeter noch einen Archivraum herrichten. Für den Fall, dass wie geplant das Pfarrhaus verkauft wird. Dann müssen die Akten ja irgendwo hin.

Am Pfarrhaus hat ein Investor Interesse, der auf dem Gelände ein Senioren- und Pflegeheim mit 80 Betten bauen will. Das Pfarrhaus aus dem Jahr 1778 selbst steht unter Denkmalschutz. Dort soll die Verwaltung einziehen, und es sollen Sozialräume eingerichtet werden.

Entsprechende Pläne sind im Ortsrat Möllenbeck bereits vorgestellt worden. Zurzeit prüft die Kirchenleitung in Leer, der das Gebäude und Grundstück ja gehört, Konzept und Finanzierung. Klosterpforte sowie der Archivraum haben aber nichts mit der EU-Förderung zu tun – dabei teilen sich die Landeskirche und Kirchengemeinde die Kosten.

"Habt ihr nicht ein anderes Projekt?"

Es braucht eine engagierte Persönlichkeit, um ein Projekt wie die Sanierung eines Klosters zu stemmen. Eine Person, die sich mit dieser Aufgabe identifiziert. Ohne Trompeter, der sich weder von den Hürden der EU-Bürokratie noch von den gigantischen Ausmaßen des Klosters und damit der Sanierungsmaßnahmen hat abschrecken lassen, wäre das Kloster nicht, was es heute ist: ein Vorzeigeobjekt für gelungene Denkmalpflege und ein Besuchermagnet.

Trompeter betont allerdings auch die Leistung seiner Kirche und der Kirchenleitung, die immer hinter den Projekten gestanden und die Ko-Finanzierung der mit EU-Geldern geförderten Baumaßnahmen gesichert habe.

Dabei ist Trompeter von Haus aus Pastor, kein Architekt. Er hatte es allerdings früh mit der Logistik von Baumaßnahmen zu tun bekommen. Trompeter erzählt, als das Studienhaus der reformierten Kirche in Göttingen grundsaniert werden musste, habe er sich zwangsläufig um die Logistik kümmern müssen. Eigentlich sollte, als er vor 36 Jahren nach Möllenbeck kam, zuerst die Orgel restauriert werden, erinnert sich Trompeter. Dann hieß es aus Brüssel: „Orgeln sind nicht sanierungsfähig, aber habt ihr nicht ein anderes Projekt?“ Hatte Trompeter selbstverständlich: die Sanierung des Ostflügels im Kloster.

Brüsseler Bürokratenzeigen sich beeindruckt

Mit 800000 Euro ist die Baumaßnahme kalkuliert worden. Nach vier Jahren rechnete der Theologe 800000 und einen Euro ab. Dass jemand so präzise einen Kostenvoranschlag einhält und nicht wie üblich überzieht, hat auch die Brüsseler Bürokraten beeindruckt. Die Antragstellung für die folgenden Maßnahmen war dann wesentlich einfacher. Auch, dass man sich inzwischen persönlich kannte: Heiko Wiebusch, der regionale Leader-Koordinator, hat sich auch für weitere Projekte eingesetzt, in die das Kloster eingebunden worden ist, wie die Nebenstrecke des Pilgerweges Loccum-Volkenroda und die Fahrroute „Kirchen und Klöster“, die Touristen nach Möllenbeck lenkt.

Sogar die Orgel ist übrigens zehn Jahre später doch noch mit EU-Mitteln saniert worden. Einfach deshalb, weil sich die Fördermodalitäten der EU inzwischen geändert hatten.

In den nächsten Tagen kommt Restauratorin Elke Schlöder nach Möllenbeck, um die neu entdeckten Wandmalereien sowie die Bilder eines Raumes im Obergeschoss zu restaurieren. Wissenschaftler der Universität Göttingen haben Wortfragmente inzwischen untersucht und gehen davon aus, dass eine Inschrift aus dem 15. Jahrhundert, also der Bauzeit des Klosters, stammt. we

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg