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Ein Dorf vor der Zerreißprobe?

BIOS bekommt Konkurrenz durch zweite Bürgerinitiative Ein Dorf vor der Zerreißprobe?

Es war nur eine Frage der Zeit: Seit dem Wochenende gibt es in Steinbergen neben der BIOS (Bürgerinitiative Ortsumgehungen Steinbergen) eine zweite Bürgerinitiative, die „Schutzgemeinschaft Steinberger Landschaft“, die eine Trassenführung für eine neue Bundesstraße83 entlang des Messingberges verhindern will.

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STEINBERGEN. Bereits bei der letzten Informationsveranstaltung von BIOS Ende Mai hatte sich Markus Schwenk, Anwohner der Bergstraße, zu Wort gemeldet und den Widerstand in diesem Viertel angekündigt. Dabei wird er von Bergstraßen-Anwohner Matthias Lorenz unterstützt. Schwenk und Lorenz haben jetzt mit anderen Anwohnern eine Bürgerinitiative gegründet.

Warum jetzt? Schwenk sagt, nachdem vor zwei Wochen der Referentenentwurf für den Bundesverkehrswegeplan praktisch unverändert das Bundeskabinett passiert habe, sei ihm klar geworden, was, wenn überhaupt, in Steinbergen gebaut werden wird: eine Umgehung für die Bundesstraße 83. Einfach deshalb, weil hier das Kosten-Nutzen-Verhältnis deutlich besser eingestuft wird als für die Umgehung der Bundesstraße 238. Die werde mit dem Tunnel um die 30 Millionen Euro kosten, die B-83-Umgehung vermutlich nur zehn Millionen.

Ortsbürgermeister Heiner Bartling hält die Gründung der neuen Initiative für überflüssig und das aus zwei Gründen. Zum einen sollte man erst einmal das Ergebnis der Machbarkeitsstudie abwarten, die von der Stadt Rinteln in Auftrag gegeben worden ist. Außerdem könne er sich nicht vorstellen, dass am Ende eine Trasse realisiert wird, die so nahe an einer Wohnbebauung entlang führt.

Direkter Autobahnanschluss

Schwenk ist da anderer Meinung. Er hält die 40000 Euro, die die Stadt die „ergebnisoffene“ Trassenuntersuchung kostet, für „rausgeschmissenes Geld. Das ist ein Papier, das kein Mensch braucht“. Damit versuchten Kommunalpolitiker nur, „sich hinter Experten zu verstecken“. Aufgabe der Politik wäre es gewesen, erst einmal deutlich zu sagen, welche Trassen sie auf keinen Fall will.

Was sieht die „Schutzgemeinschaft“ als mögliche Lösung an? Einen Tunnel für die Bundesstraße 83, sagt Schwenk, wäre eine Lösung. Aber das könne er sich nicht vorstellen, „der Messingberg ist löchrig wie ein Schweizer Käse, wie man heute weiß, da müsste man ziemlich tief graben“, das würde zu teuer und dann bestünde das Risiko, dass der Berg endgültig rutscht. Für realistischer hält Schwenk einen Trassenverlauf zwischen Westendorf und Deckbergen mit einem direkten Autobahnschluss. Eine Variante, die ohnehin im Gespräch sei.

Matthias Lorenz, zweiter Sprecher der neuen Bürgerinitiative, schilderte, bei der Gründungsversammlung seien rund zwanzig Anwohner der Bergstraße anwesend gewesen, über 50 seien betroffen. Die sehen, so Lorenz, neben der zu befürchtenden Lärmbelästigung durch die neue Trasse auch, dass damit der Zugang zum Wald abgeschnitten wird. „Gerade viele junge Familien haben das Wohngebiet am Messingberg gerade deshalb gewählt. Und bei einer Trasse direkt hinter der Häuserzeile, da hilft auch keine Lärmschutzwand. Ein Leben hinter der Mauer. Unvorstellbar“.

"Viel zu teuer"

Wie sieht man die Initiative der Bergstraßenanwohner bei BIOS? Einer der Sprecher, Manfred Hobein, betonte, man habe den Initiatoren der neuen „Schutzgemeinschaft“ vorgeschlagen, sie könnten ihre Interessen auch im Rahmen der BIOS verfolgen. Doch das sei wohl nicht gewünscht. Er glaube ohnehin nicht, dass die B 83 über die sogenannte Liegewiese geführt werden wird. Diese Linienführung gebe es inzwischen seit rund 80 Jahren, sei immer abgelehnt und nie weiter verfolgt worden.

Die BIOS habe am Freitag mit Bürgermeister Thomas Priemer und Vertretern des Landkreises einen Termin bei Wirtschafts- und Verkehrsminister Olaf Lies in Hannover. Hobein versicherte, dann werde man dieses Thema ansprechen.

Fehlt in Steinbergen eigentlich nur noch eine dritte Bürgerinitiative, nämlich die der Anwohner an der Hirschkuppe, am Kehlbrink, Sonnenbrink und Berghang, die sich dagegen wehren, das hinter ihren Häusern mitten im Wald eine Schneise, ein „Trog“ für die Umgehung der Bundesstraße 238 entsteht. Warum es die noch nicht gibt, darauf hat zumindest Schwenk eine Antwort: „Die wissen, dass eine B-238-Umgehung nie gebaut werden wird. Viel zu teuer!“

Warum gerade jetzt an der Bergstraße eine neue Bürgerinitiative entstanden ist, dafür könnte man auch andere Motive vermuten: Es ist Kommunalwahlkampf.

BIOS-Sprecher Jens Wienecke kandidiert auf der Liste der SPD, Markus Schwenk für die WGS. we

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