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Ein Ohr für die Stimmung im Dorf

Vogt im Gespräch Ein Ohr für die Stimmung im Dorf

In einem kleinen Kästchen, das Uchtdorfs Verwaltungsstellenleiter Dietmar Vogt von seinem Vorgänger geerbt hat, finden sich Stempel. Mit ihnen kann man „Reichsseifenkarte ausgegeben“, „Hausschlachtung, gültig ein Monat“ und „Reichskleiderkarte XI…“ aufs Papier bringen.

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Dietmar Vogt leitet die Verwaltungsstelle in Uchtdorf.

Quelle: cm

Uchtorf. Sie weisen zurück in die Zeit, als Rintelns Dörfer noch eigenständige Gemeinden waren. Seit 1974 ist es vorbei mit dieser Selbstständigkeit, und statt einer Gemeindeverwaltung sind in den Dörfern ehrenamtlich betreute Verwaltungsstellen eingerichtet worden.

Wenn es keine geeigneten kommunalen Räume gibt, findet man die Verwaltungsstellen im Zuhause ihrer Leiter. So ist das, nach dem Bau des neuen Dorfgemeinschaftshauses, das von einem Verein verwaltet wird, auch in Uchtdorf. Und wenn der ehrenamtlich Tätige umzieht, zieht auch die Verwaltungsstelle, dieses Mal samt historischer Stempel, um. Man findet sie seit dem 1. Februar in Uchtdorf im Steinbrink 12.

17 Verwaltungsstellen gibt es in Rintelns Dörfern. Acht davon an der Privatadresse ihrer Leiter. Die Aufgaben der Stellen sind vielfältig. Früher konnte man dort sogar Ausweise beantragen und abholen. Doch die modernen Ausweise benötigen eine spezielle Technik, und so muss man für diese Angelegenheiten heute doch persönlich ins Bürgerbüro.

Immerhin kann man im Dorf noch seinen Hund abmelden, wenn er gestorben ist, und man kann einen Antrag auf Grabeinebnung stellen. Es gibt Formulare für den Lohnsteuerjahresausgleich und, was besonders beliebt ist, gelbe Wertstoffsäcke.

Verwaltungsstellen sind Schnittstellen zwischen Dorfbevölkerung und Stadtverwaltung. Informationen fließen dabei in beide Richtungen. Der Verwaltungsstellenleiter macht Informationen aus der Stadt in Form von Aushängen öffentlich, und er organisiert auch Aktionen wie „Saubere Landschaft“, an denen sich alle Rintelner Ortsteile beteiligen. In die andere Richtung leitet er Beschwerden über zugewachsene Wege, Stolperfallen, illegalen Müll und Autowracks. Die gehen an die zuständigen Abteilungen der Stadt.

„Ich muss schon sagen, dass mir bei meinen Telefonaten mit der Stadtverwaltung sehr freundlich und hilfsbereit begegnet wird. Die Mitarbeiter sind sowieso schon freundlich, doch wenn sie hören, dass ein Verwaltungsstellenleiter am anderen Ende ist, wächst die Zuvorkommenheit sogar noch an. Von dort fühle ich mich gut unterstützt“, berichtet Dietmar Vogt aus eigener Erfahrung.

Die Wertschätzung der Verwaltungsarbeit vor Ort spürt man auch im Gespräch mit Rintelns zuständigem Amtsleiter Jörg Schmieding. „Viel Lob für die Arbeit der Ehrenamtlichen im Dorf hört man besonders in Wahlzeiten. Da haben wir in Rinteln-Stadt immer große Probleme, ausreichend viele Wahlhelfer zu finden. Aber in den Dörfern funktioniert das hervorragend. Die Verwaltungsstellenleiter trommeln ihre Leute zusammen, und alles klappt Jahr für Jahr reibungslos“, begeistert er sich.

Dankbar sei man auf städtischer Seite auch dafür, dass die ehrenamtlichen Stellenleiter die Verwaltung der Dorfgemeinschaftshäuser übernähmen, fährt Schmieding fort. „Das geht einfach nur vor Ort“, meint der Amtsleiter, „Und es ist ziemlich viel Arbeit. Termine planen, Schlüssel vergeben, Sauberkeit und Ordnung nach Veranstaltungen kontrollieren – das alles gehört dazu, genauso wie Hausmeistertätigkeiten.“

Jede Woche stehen die Verwaltungsstellen für zwei Stunden offen, und die ehrenamtlichen Betreiber freuen sich, wenn jemand kommt. Gut genutzt können die Stellen die Kommunikation im Dorf verbessern. Da es vielerorts der Ortsbürgermeister selbst ist, der die Verwaltungsstelle leitet, können dort zudem Anregungen und Kritik auf dem kurzen, informellen Weg weitergegeben werden. Und selbst wenn alle nur vorbeischauen, um sich mit gelben Säcken einzudecken, dient jeder kleine Plausch am Rande doch der Hauptaufgabe der Verwaltungsstellenleiter: ein Ohr für die Stimmung im Dorfe zu haben. cm

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