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Eine derzeit nicht ungefährliche Blütenpracht

Hohenrode / Giftiges Jakobskreuzkraut Eine derzeit nicht ungefährliche Blütenpracht

Wer auf der Hauptstraße durch Hohenrode und Strücken fährt, sieht sie fast überall am Wegesrand: etwa einen Meter hohe, gelb blühende Pflanzen, die teilweise in ganzen Büschen am Randstreifen wachsen. Es handelt sich dabei um Jakobskreuzkraut {FSPACE}– eine Pflanze, die vor allem für Pferde und Rinder zur tödlichen Gefahr werden kann.

Hohenrode/Strücken (jaj). Das heimische Jakobskreuzkraut, das mit botanischem Namen Senecio jacobaea heißt, erreicht eine Größe von 30 bis 100 Zentimetern. Zu finden ist es im gesamten Stadtgebiet an Bahndämmen, auf Seitenstreifen aber auch auf Wiesen und Weiden. Allerdings sind nur selten so viele Pflanzen auf einmal zu sehen, wie in Hohenrode und Strücken.
Das Gift des Jakobskreuzkrauts, das auch als Jakobs-Greiskraut bekannt ist, befindet sich in allen Pflanzenteilen. Eine bloße Berührung ist in der Regel auch für Kinder nicht gefährlich, da das Gift keine ätzende Wirkung hat. Schäden richtet es erst an, wenn es über die Nahrung aufgenommen wird. Dann können die enthaltenen Giftstoffe, die Pyrrolizidin-Alkaloide, schwere Schäden in der Leber anrichten, die im schlimmsten Fall sogar zum Leberversagen führen.
Normalerweise fressen Weidetiere wie Rinder oder Pferde Jakobskreuzkraut nicht, da es einen bitteren und damit unangenehmen Geschmack hat. Gefährlich wird es erst, wenn die Pflanzen gemeinsam mit Gras gemäht werden und so in Heu oder Silage geraten. Dann verlieren sie ihren bitteren Geschmack, behalten jedoch die giftige Wirkung. Tiere, die dann mit dem Heu oder der Silage gefüttert werden, können die Pflanzen daher nicht erkennen und fressen sie.
Die tödliche Menge Jakobskreuzkraut für Pferde liegt nach Angaben des „Arbeitskreises Kreuzkraut“ bei 40 bis 80 Gramm Frischgewicht (FG) je Kilogramm Körpergewicht. Das entspreche bei einem 350 Kilogramm schweren Islandpferd 14 bis 28 Kilogramm FG. Im Heu liege die tödliche Menge bei zwei bis vier Kilogramm getrocknetem Jakobskreuzkraut. Auch kleinere Mengen könnten jedoch zu irreparablen Schäden führen. Ein ausgewachsener Trieb der Pflanze wiege in etwa 70 Gramm.
Um Schäden vorzubeugen, empfiehlt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Wiesen, die der Futtergewinnung dienen, vor der Blüte zu mähen, um eine Ausbreitung der Pflanze zu verhindern. Weiden sollten zudem regelmäßig kontrolliert werden. Um Pflanzen zu bekämpfen, sollten diese samt Wurzel ausgegraben und anschließend im Restmüll entsorgt oder verbrannt werden.
Ein natürlicher Bekämpfer des Jakobskreuzkrautes ist der auch als Blut-Bär bekannte „Jakobskrautbär“. Dabei handelt es sich um eine schwarz-rote Schmetterlingsart, deren Larven hauptsächlich auf dieser Pflanze leben. Manchmal sind sogar mehrere Exemplare der gelb-schwarzen, etwa drei Zentimeter langen Raupen auf einer einzelnen Pflanze zu finden. Da sich die Raupen von dem Jakobskreuzkraut ernähren, nehmen sie auch das Gift der Pflanze auf. Dieses neutralisieren sie zwar mit körpereigenem Gegengift, werden aber trotzdem für Fressfeinde ungenießbar.
Eine Ausrottung des Jakobskreuzkrautes würde also auch den Larven des als „stark gefährdet“ eingestuftem Jakobskrautbären ihren Lebensraum nehmen. Schon deshalb sollte die Bekämpfung der Pflanze mit Augenmaß erfolgen.

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