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Eine „tickende Zeitbombe“

Diskussion nach Rottweiler-Biss Eine „tickende Zeitbombe“

Momentan gibt es im Ort reichlich Diskussionsstoff: Nachdem am Mittwoch ein Rottweiler ein fünfjähriges Mädchen ins Gesicht gebissen und schwer verletzt hat, machen sich gerade die Eltern im Ort Sorgen.

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Ein Rottweiler wie auf diesem Symbolbild hat am vergangenen Mittwoch ein fünfjähriges Mädchen ins Gesicht gebissen.

Quelle: dpa

Antendorf. Eine Antendorferin berichtet, dass es beim Osterfeuer kaum ein anderes Thema gegeben habe. „Das macht hier allen richtig viel Kopf“, sagte sie der Redaktion gegenüber. Es sei sogar im Gespräch, eine Unterschriftenliste zu starten, um zu verhindern, dass der Hund weiter in Antendorf bleibe. Denn nach derzeitigem Stand bekommt der Hundehalter zwar Auflagen bei der Haltung, der Rottweiler dürfe aber weiter auf dem Grundstück leben.

Mehrstündige Operation

Unter noch ungeklärten Umständen war das Tier aus seinem mit einem Holzzaun umgebenen Grundstück ausgebrochen und in das mit einem Stacheldraht gesicherte Nachbargrundstück eingedrungen. Dort fiel er die spielende Fünfährige an und verletzte sie so heftig im Gesicht, dass sie sofort mit dem Rettungshubschrauber nach Hannover gebracht wurde. Dort folgte eine mehrstündige Operation. Über den genauen Verletzungsgrad war bis Redaktionsschluss nichts in Erfahrung zu bringen.

Schon vor dem Vorfall machten einige Antendorfer sich große Sorgen wegen der beiden Rottweiler, die auf dem Grundstück leben. Anke Oldendorf, die regelmäßig in der Nachbarschaft zu Gast war, berichtet, dass sie das Aufwachsen der Hunde beobachtet habe. „Ich habe selbst zehn Jahre lang einen Rottweiler gehabt, das sind tolle Tiere“, sagt sie am Telefon, „aber wir haben diese Tiere aufwachsen sehen. Immer waren sie auf dem Grundstück eingesperrt, keiner hat sich gekümmert, sie haben nie gelernt, mit Menschen umzugehen.“ Gerade Rottweiler brauchen eine gute Erziehung. „Das war eine tickende Zeitbombe“, so Oldendorf.

Angst vor den Rottweilern

Auch andere Antendorfer, die namentlich nicht genannt werden wollen, berichten, dass die fraglichen Hunde im Ort eigentlich nie gesehen wurden. Bärbel Runge, eine Nachbarin, die früher selbst auf dem Grundstück lebte, auf dem am Mittwoch das Mädchen gebissen wurde, hatte ebenfalls Angst vor den Rottweilern. „Deshalb hatten wir den Zaun erhöht und Stacheldraht draufgesetzt“, sagt sie. Ans Ordnungsamt habe sie sich aber nie gewandt. „Das war rückblickend wohl ein Fehler.“

Ortsvorsteher Hans-Jürgen Bethge hat vor der Tat nichts von Sorgen bezüglich der Hunde mitbekommen. Nach dem Vorfall habe sich aber telefonisch eine Nachbarin bei ihm gemeldet, die erzählte, sie habe sich schon länger um die Sicherheit gesorgt. „In Deutschland ist es ja leider so, dass erst etwas passieren muss, bevor man reagiert“, beklagt Bethge. „Jetzt ist die Gemeinde gefordert, dass auch wirklich etwas geschieht.“

Die Kommune ist bereits vor der Anfrage dieser Zeitung tätig geworden. „Wir recherchieren im Haus, ob es schon Beschwerden gab und was unsere Möglichkeiten sind“, bestätigt die stellvertretende Bürgermeisterin Doreen Schwarzlaff gestern.

Vorgehensweise schwer verständlich

Der Leiter des Veterinäramts des Landkreises, Dr. Wilhelm Brase, kennt die Problematik. Tatsächlich sei es sehr schwer, etwas zu unternehmen, bevor ein Hund tatsächlich zugebissen habe. „Streng genommen muss er erst beißen. Ich brauche einen handfesten Beweis.“ Brase kann einen Hund zwar als „gefährlich“ einstufen, braucht dafür aber eine Grundlage. Dafür müsse der Hund „Aggressivität zeigen, die über die normale Aggressivität eines Hundes hinausgeht“. Das gelte eben insbesondere dann, wenn er andere Hunde oder Menschen verletzt hat. Brase weiß, dass diese Vorgehensweise für viele Bürger schwer verständlich ist. „Aber wir können als Behörde ja auch nicht einfach die Gesetzestexte ändern.“ Er ruft aber auch in Erinnerung, dass nicht jeder Hund, der für gefährlich gehalten wird, auch tatsächlich gefährlich ist. „Bei Menschen nennt man das Unschuldsvermutung.“

Aber grundsätzlich solle sich jeder Hundehalter fragen, ob er in einem Wohngebiet, wo vielleicht auch noch Kinder leben, Hunde halten müsse, die früher auf bestimmte Aufgaben, zum Beispiel Wach- und Schutzdienste, hingezüchtet wurden.

Für Nachbarin Runge ist absolut unverständlich, dass die Hunde jetzt eventuell tatsächlich weiter auf dem Grundstück bleiben dürfen – wenn auch mit Auflagen. „Wie wäre das denn für die Eltern, wenn der jetzt einfach einen Maulkorb trägt? Das ist doch ein Hohn für die Eltern.“ jak

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