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Eiszeit im Naturidyll

Klage Eiszeit im Naturidyll

Zwischen der Weserfischereigenossenschaft und dem Naturschutzbund (Nabu) herrscht Eiszeit. Ein Jahr nach der vom Landkreis Schaumburg erlassenen Naturschutzgebietsverordnung für die Auenlandschaft in Hohenrode hat die Genossenschaft jetzt Klage dagegen eingereicht.

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Die Weserfischereigenossenschaft sieht sich in der Auenlandschaft Hohenrode durch die Naturschutzgebietsverordnung des Landkreises Schaumburg in ihren Rechten eingeschränkt.

Quelle: dpa

Hohenrode (pk). Auch der Pachtvertrag, den der Nabu als Eigentümer der Auenlandschaft mit der Fischereigenossenschaft anstrebt, steht damit auf der Kippe.

 „Wir sehen die Fischereirechte durch die Naturschutzverordnung verletzt und halten die Naturschutzgebietsverordnung daher teilweise für rechtswidrig“, sagte gestern Andreas Grossmann, der Vorsitzende der Genossenschaft, gestern auf Anfrage. Man hatte im Verlaufe der Gespräche mit dem Landkreis gehofft, dass auch die Interessen der Fischerei in der Verordnung berücksichtigt würden. „Dies ist aber nicht geschehen.“

 Er wolle zwar nicht ins Detail gehen, zumal sich der Fall ja noch „in schwebendem Verfahren“ befinde. Konkret kritisiert er jedoch etwa die Grenzziehung für den „räumlichen Geltungsbereich der Verordnung“. „Diese Linie verläuft nämlich längs mitten durch die Weser“, klagt Grossmann. Dadurch würden die Fischereirechte beschnitten, nicht nur auf der Weser, sondern auch am gegenüberliegenden Ufer.

 Für den Angler auf der anderen Weserseite bedeutet dies nämlich, dass er beim Auswerfen seiner Rute Gefahr laufen würde, die Grenze der Naturschutzgebietsverordnung zu überschreiten und damit zu verletzen. Praktisch würde sich das Naturschutzgebiet damit über seine eigenen Grenzen hinaus bis ans andere Weserufer erstrecken.

 Darüber hinaus will sich die Fischereigenossenschaft nicht mit dem zur Angelnutzung ausgewiesenen Bereich in der Auenlandschaft zufrieden geben. „Das ist uns zu wenig“, so Grossmann.

 Sowohl für den Landkreis als auch für den Nabu kommt die Klage überraschend. Erst kurz vor Ablauf der einjährigen Klagefrist ist sie vor etwa zwei Wochen von der Fischereigenossenschaft eingereicht worden.

 In einer Pressemitteilung des Nabu geben sich die Naturschützer „verärgert und fassungslos“. Der Vorstand der Fischereigenossenschaft habe bereits 2014 den Willen bekundet, die Pacht an den Nabu zu vergeben, sofern dieser ein fachlich fundiertes Hege- und Nutzungskonzept vorlegt. „Wir sind der Bitte der Weserfischereigenossenschaft nachgekommen und haben in Abstimmung mit dem Landwirtschaftsministerium ein Konzept vorgelegt“, schreibt Rintelns Nabu-Chef Nick Büscher. Es habe „lediglich noch ein klärendes Gespräch mit dem Landkreis Schaumburg und dem Nabu stattfinden“ sollen. „Dass man zum derzeitigen Zeitpunkt derart auf Kollisionskurs geht und die Tür für eine gütliche Einigung zuschlägt, stößt alle Akteure, die sich bisher um eine konstruktive Diskussion bemüht haben, vor den Kopf“, teilt Büscher mit.

 Grossmann sagt dieser Zeitung gegenüber, dass weitere Gespräche mit dem Nabu keinen Sinn hätten, solange die Naturschutzgebietsverordnung nicht abgeschlossen sei. Zumal der Nabu nicht der einzige Pachtinteressent sei. Es gebe mindestens drei weitere Parteien, die an einer Pacht interessiert seien.

 Erst am Dienstag landete die Klage auf dem Schreibtisch von Martina Engelking vom Amt für Naturschutz des Landkreises Schaumburg. Sie war an der Ausarbeitung der Naturschutzgebietsverordnung für die Auenlandschaft beteiligt. „Dabei haben wir uns umfangreich mit den unterschiedlichen Bedürfnissen der Betroffenen auseinandergesetzt und sind schließlich zu einem Ergebnis gekommen“, teilt Engelking auf Anfrage mit. Zum Inhalt der Klage wollte und konnte sich die Mitarbeiterin des Naturschutzamtes gestern nicht äußern. „Ich habe die Begründung der Klage noch nicht lesen können“, sagt Engelking.

 Dass die Klage erst kurz vor Ablauf der Klagefrist eingereicht wurde, führt Grossmann darauf zurück, dass in der Fischereigenossenschaft derweil ein Personalwechsel stattfand, wodurch sich manches verzögert habe. Außerdem habe die Klage zunächst von einem Rechtsanwalt geprüft werden müssen.

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