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„Es bewegt sich nichts“

Steilwand des Steinbruchs stabil „Es bewegt sich nichts“

Rutscht der Berg? Leser haben mehrmals darauf hingewiesen, dass sich das Bild an der Steilwand des Steinbruchs in Steinbergen in den vergangenen Wochen verändert hat.

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Man sieht über dem Steinbruch deutlich den Wall, der als Sicherung zum Steilhang aufgeschüttet worden ist.

Quelle: wm

STEINBERGEN. Bäume seien verschwunden, an der Geröllhalde gebe es Bewegung. Ortstermin im Steinbruch mit Uwe Werner, Geschäftsführer der Norddeutschen Naturstein GmbH (NNG), und Betriebsleiter Lothar Methfessel. Eine Antwort bekommen wir gleich: Der Berg rutscht nicht. Dann bittet Methfessel auf den Beifahrersitz seines Geländewagens. Er will zeigen, was die NNG an Schutzmaßnahmen bisher realisiert hat.

Zunächst geht es zur Inspektion des Sicherheitszaunes. Der Geländewagen kämpft sich den steilen, zugewachsenen Waldweg hoch. Dann muss auch der Allradler passen. Es geht zu Fuß weiter. „Noch ein paar hundert Meter“, sagt Metfessel. Dann stehen wir vor dem neuen mehr als mannshohen Zaun, der auf dem Kamm im Süden den Steinbruch umschließt.

Rechts ein massiver Metallzaun, links eine besondere Konstruktion, die auch abgehende Gesteinsbrocken aufhalten kann. Ein Fangzaun, wie man ihn an gefährdeten Straßen und in den Alpen sieht.

Der Zaun ist so teuer wie ein Einfamilienhaus

Bei einer Zaunlänge von rund 300 Metern sind die Kosten beträchtlich. „Dafür bekommen sie schon ein Einfamilienhaus“, sagt Methfessel. „Wir haben uns gefragt, wie die Arbeiter an diesem Steilhang im Wald den Zaun wohl aufstellen wollen. Die haben nur gelacht: Da gäbe es in den Alpen viel schwierigere Baustellen.“ Die Arbeiter hätten noch nicht einmal auf Maschinenunterstützung verzichten müssen. Ein Schreitbagger sei am Steilhang eingesetzt worden.

Dann fährt Methfessel auf eine Abraumhalde. Von oben hat man einen guten Blick auf den Steinbruch und die dahinter liegende Wand mit dem Wald. Dort ist inzwischen ein Damm entstanden. Dafür wurden Bäume gefällt. Und man begreift, warum Bürger anrufen und sagen, am Steinbruchhang tut sich was. Wer von Obernkirchen nach Buchholz hinunter fährt, kann die Veränderungen nicht übersehen.

Zurück im Büro der Schaumburger Steinbrüche. Dort hat Werner einen Plan ausgebreitet. Dieser gehört zum Sicherungskonzept für den Steinbruch und orientiert sich an den Bestimmungen des Bundesimmissionsschutzgesetzes, kurz BimSch. „Was sie im Gelände gesehen haben“, so Werner, „ist Bestandteil dieses Schutzplans für den Messingberg, den arbeiten wir ab. Wir setzen um, was uns aufgegeben worden ist.“

Im Süden sei alles fertig, schildert Werner, der Wall im Norden sei auf der gesamten Länge fast fertiggestellt. Rund 400000 Kubikmeter Material seien dafür aufgeschüttet worden. Auf diesen Schutzwall komme ebenfalls ein Zaun. Dann sei das gesamte Gelände eingezäunt.

Werner kann verstehen, warum die Öffentlichkeit nach dem Bergrutsch im Dezember 2004, den man sogar in den seismischen Messstationen registriert hat, nach wie vor interessiert, was im Steinbruch passiert. Werner versichert: „Wir stehen im Fokus, wir wissen das. Hier läuft alles nach Plan.“ Davon überzeuge sich übrigens auch regelmäßig das Gewerbeaufsichtsamt in Hildesheim.

 Wenn sich etwas bewegt, wird das sofort gemeldet

Wackelt der Berg nun oder nicht? „Es bewegt sich nichts“, sagt Werner, „das wüssten wir.“ Das Monitoring, die Messungen, liefen weiter. Oben auf dem Berg gebe es acht Messstationen, dazu ein Pendel im „Jahrtausendblick“ im Steinzeichen-Park. „Der Berg“, versichert Werner, „wird rund um die Uhr überwacht.“ Wenn sich etwas bewege, erhielten eine ganze Reihe von Leuten, unter anderem er selbst und der Diplom Geologe Johannes Feuerbach, sofort eine Meldung.

Das Material aus dem Steinbruch, Korallenoolith, wie man es überall im Wesergebirge findet, wird vor allem für den Straßenbau gebraucht. „Rund 500000 bis 600000 Tonnen“, sagt Werner, „verlassen im Jahr den Steinbruch.“ Die NNG haben noch die Genehmigung, den Werkstattfelsen und im Osten des Steinbruchs abzubauen. 2010 hatte das Gewerbeaufsichtsamt Hannover diesen Erweiterungen zugestimmt.

Für rund acht bis zehn Jahre, schätzt Werner, werde das Abbaugebiet noch reichen. Und danach? Das, sagt Werner, wird die Fürstliche Hofkammer als Eigentümerin des Geländes entscheiden. „Die NNG haben das Gelände nur gepachtet.“

Eines ist sicher. Danach übernimmt zunächst einmal – wie bereits heute sichtbar – Mutter Natur. Normale Sukzession nennen das Ökologen. Die Uhus sind schon da. Die Gelbbauchunken auch. Vor dem Büro parkt Christian Höppner, Landschaftsökologe des Naturschutzbundes, und bittet: „Verraten sie den Standort der Gelbbauchunken nicht, die reagieren auf Störungen empfindlich.“ Tun wir nicht. Sorgen braucht sich Höppner auch gar nicht zu machen, denn bald ist das gesamte Gelände ohnehin eingezäunt. wm

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